Mercedes W 123

Pro & Kontra: Motorsport der 70er-Jahre

War Motorsport nur in den 70ern gut?

Marken und Menschen zehren noch heute vom Mythos der wilden 70er. Herrscht nach den Motorsportlegenden von damals heute nur noch Langeweile? Zwei Kollegen debattieren.

"Der Motorsport späterer Jahrzehnte ist menschlich immer mehr erkaltet"

Ja, bitte: Martin Puthz vermisst nahbare Helden.

Die wilden 70er tragen ihren Beinamen im Motor­sport zu Recht. Ob Rallye, Tourenwagenrennen oder Formel 1: Triumph und Tragödie lagen später nie wieder so dicht beisam­men. Kein Wunder, dass diese "goldenen Jahre" noch heute den farbli­chen Background liefern, wenn die PS-­Szene in Nos­talgie schwelgt. 911er mit Martini-Stickern sieht man auf jedem Tref­fen; Gulf-­Jacken um­spannen nicht mehr nur die Taille gestählter Pilo­ten, sondern längst auch die Wohlstandsbäuche fahrerisch mittelbegabter Altauto­-Eigner. Natürlich gab es auch später noch spannende Zeiten: die Gruppe B in der Rallye­-WM, Schumis Er­folge ... Doch für die mythi­sche Verklärung einer gan­zen Ära fehlten die wilden Partys im Fahrerlager genauso wie der Blutzoll der – tragisch, aber wahr – zur Legendenbildung beitrug. Im kollektiven Gedächt­nis bleibt eben weniger haften, wenn Wettbewerbe von Fahrerduellen zu In­genieursmeisterschaften mutieren und die Haar­frisur der Piloten mehr Interesse auslöst als ihre Rundenzeit. Ein weiterer Faktor: "Political Correctness" war in den 70ern ein Fremdwort. Mag sein, dass man immer noch Eier braucht, um in ein Rennauto zu steigen. Aber Chauvi-­Sprüche wie von Strietzel Stuck wird man von den heutigen, auf Stromlinie trainierten Profis keine mehr hören. Auch keinen Klartext à la Walter Röhrl. Der Motorsport ist menschlich erkaltet. Was fehlt, sind die nahbaren Helden, die es in den 70ern noch gab.

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"Todesmutige, coole Perfektionisten – jede Epoche hat ihre Helden"

Nein, danke: Henning Hinze glaubt an die Abwechslung.

Die Fotos sind schon farbig und die Erinnerungen noch lebendig. Schließlich haben die meisten von uns damals schon gelebt, und die Helden von einst sind auch noch da und können mit markigen Sätzen Anekdoten aus den wilden 70ern erzählen. Aber davon soll­ten wir uns nicht blenden lassen: Nur weil wir aus technischen und biografischen Gründen die bes­ten Erinnerungen an die 70er haben, heißt das nicht, dass nur damals gu­ter Motorsport betrieben wurde. Und dass die Sonnenbrillen in den 90ern halt blöde aussahen, heißt auch nicht, dass später kei­ne faszinierenden Leistungen mehr erbracht wurden. Was macht denn guten Motorsport aus? Aufre­gende Technik, überragende Fahrzeugbeherrschung, bis auf die letzte Rille ausgetragene Duelle und taktische Coups, gewürzt mit gelegentlichen übermenschlichen Einzelleistungen. Porsches legendärer Rennwagen 917 war ein gigantisches Wagnis für die kleine Firma, brachte den Tod wie auch Le-Mans-Siege und veränderte den Ruf für immer. Als Walter Röhrl und Christian Geistdörfer in der "Nacht von Arganil" blind durch den Nebel flogen, alle stehen ließen, entstand eine Legende. Aber genauso wurde Rudolf Caracciola 1935 unsterblich, als er neun von elf Rennen der Saison gewann. Und dass Schumi einen knapp zwei Jahr­zehnte währenden For­mel­-1­-Boom ausgelöst hat, beweist ja schon für sich, dass nach den 70ern nicht nur Langeweile herrschte. Soweit die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen. Was meinen Sie? Stimmen Sie oben ab!

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