Mercedes W 123

Pro & Kontra: Zweitakter

Kann man Zweitakter mögen?

Gemisch tankende Klassiker haben einen durchwachsenden Ruf: Zwar sind sie seltene Exoten, viele Fans und Zuschauer rümpfen aber trotzdem die Nase. Zwei Meinungen!

"Der Zweitakter gehört zum technischen Kulturerbe"

Ja, bitte: Martin Puthz liebt das beschwingte Fahrerlebnis.

Den Zweitakter mit dem Mief des "real existierenden Sozialismus" gleichzusetzen, greift es zu kurz. Natürlich hat es Gründe, dass er als Auto-Antrieb im Westen schon Mitte der 60er verschwand. Die meisten Vorurteile stimmen nun mal: Er säuft und stinkt und scheppert. Hassen muss man ihn deshalb nicht. Auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs gehört der Zweitakter zum technischen Kulturerbe. Ohne den (rückständigen) DKW F 102 hätte es in der Bundesrepublik keinen (fortschrittlichen) Nachkriegs-Audi gegeben. Und was wäre die DDR ohne den Trabi gewesen? Historischer Respekt ist das Mindeste, was der Zweitakter verdient hat. Aber man kann ihn auch mögen. Entgegen der landläufigen Meinung macht er nämlich nicht nur im Zweirad Spaß, sondern auch im Auto. Persönlich hatte ich dieses Aha-Erlebnis erst kürzlich wieder bei einer Fahrt im Auto Union 1000 Sp. Die Gemisch tankenden Hubraumzwerge sind leicht und lebendig, klingen (abgesehen vom Leerlaufpöttern) angriffslustig, und wer sich auf sie einlässt, wird mit beschwingtem Fahrgenuss belohnt. Die Betonung liegt auf dem "sich einlassen". Zweitakter erfordern Umstellung – beim Schalten, aber auch beim Fahren mit Freilauf ohne das gewohnte Bremsmoment. Genau das macht sie reizvoll. Schließlich ist die intensive Zwiesprache mit der historischen Technik ein zentraler Teil der Oldtimer-Faszination.

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"Im Vergleich zum Viertakter stinkt der Zweitakter ab"

Nein, danke: Jan-Henrik Muche mag Klang und Duftnote nicht.

Der Zweitakter hat mir schon so manchen schönen Klassiker verdorben. Einer meiner ersten Traumwagen war der Euro Union 1000 Sp, weil er aussah wie ein Thunderbird. Als er klöternd und bläuend das Oldtimer-Treffen verließ, entzauberte er sich selbst – Geräusch und Geruch des Zweitakters setze ich bis heute mit deprimierenden Familienbesuchen im grauen Dresden der 70er-Jahre gleich. Glauben Sie mir, ich habe versucht, ihn trotzdem gut zu finden! Aber es will mir einfach nicht gelingen. Ich bin Goggo, Wartburg, irgendwann auch Auto Union 1000 Sp und erst kürzlich DKW F 12 Roadster gefahren. Es war immer das Gleiche: Solange der Fuß auf dem Gas blieb, ging's ja noch, aber mangelndes Drehmoment und Stottern im Schiebebetrieb raubten mir jeglichen Spaß. Freilauf statt Motorbremse, das ist für mich nicht mehr alleine technische Krücke. Keine Frage: Die Rolle des Zweitakters bei der Mobilisierung beider Deutschlands war eine wichtige, die DDR ohne Trabi undenkbar. Deshalb kann ich verstehen, dass andere Klang, Duftnote und sogar Fahrerlebnis nostalgisch verbrämen, doch gegenüber einem rund laufenden Viertakter stinkt der ölige Zweitakter mächtig ab. Ich schaue jedem 1000 Sp und Wartburg 311 hinterher und bewundere deren tolle Linien. Aber der Zweitakter unter der Haube ist für mich ein Ausschlusskriterium, wenn es darum geht, von ihnen zu träumen. Schade drum. So weit die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen. Was meinen Sie? Stimmen Sie oben ab!

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