Seat Terra Kombi
Seat macht die tolle Kiste zum Container

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AUTO BILD Archiv-Artikel 2/1988: Aus kleinen "Kisten" werden große "Kästen", mit denen sich ordentlich was wegschleppen lässt. Die Spanier haben aus dem Ex-Panda einen Spar-Transporter entwickelt.
Marbella, das ist die spanische Version des Fiat Panda, und Seat, wo die Abart der tollen Kiste weitergebaut wird, ist inzwischen eine VW‑Tochter – und eine mit Ideen. So haben die Deutsch-Spanier ihr Erbstück zu einem praktischen Großraum-Wagen umgebaut. Sein Name: Terra. Sie bieten ihn als Typ für alle Zwecke an. Ein interessanter spanischer Cocktail, laut Seat "gleichermaßen ein Pkw, ein Freizeit-, Hobby- und Nutzfahrzeug". AUTO BILD testete den Seat Terra Kombi mit hinteren Schiebefenstern. Im Angebot ist auch noch ein Lieferwagen ohne Seitenscheiben für 12.275 D-Mark.
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Was der Terra an Raum und Ladevermögen bietet, ist schon beeindruckend. 2450 Liter verschwinden hinter den beiden Hecktüren, und der Laderaum bietet so viel Platz in der Höhe, dass selbst ungefügige Brocken bis 1,34 Meter Höhe keine Probleme bereiten. Die Zuladung bis zu 490 Kilogramm ist für einen Kleinen der Mini-Klasse recht ordentlich. Auf der Frontkabine hat der Terra einen ausgeformten Kunststoff-Gepäckträger mit fünf Haken, an denen man zusätzliches Gepäck fest verzurren kann. Was auf den ersten Blick wie ein seitlicher Karosserieschutz aus Kunststoff aussieht, ist allerdings nur schwarzer Lack.
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Mühsam fummle ich mich hinein in den Seat Terra, indem ich mich intensiv mit dem kleineren der beiden Schlüssel und dem wackeligen Schloss befasse. Dann zwänge ich mich in den Fahrersitz. Hier muss ein Schrumpfgermane Modell gesessen haben, denn Sitzfläche und -lehne sind zu kurz und zu schmal. Aber immerhin sind die Sitze mit Stoff bezogen und heben sich damit wohltuend vom grauen Kunststoffmaterial des übrigen Terra-Innenraums ab. Ein Zug am Choke, ein Dreh mit dem Zündschlüssel, und der Motor geht unverzüglich an die Arbeit. 40 PS holt der Vierzylinder aus 903 Kubikzentimeter Hubraum, das lässt keine Temperamentsausbrüche erwarten.
Durstiger Lärmer
Fast eine halbe Minute vergeht, bis der Terra Tempo 100 erreicht hat, bei 120 km/h ist Schluss. Dann herrscht im Innenraum ein Lärm, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Der Terra ist eben mehr Transportmittel als ein Stück Individualverkehr. Das darf man nicht vergessen. Die schwache Leistung garantiert nicht etwa Spatzendurst. Auf der Verbrauchsmeßstrecke von AUTO BILD flossen 8,8 Liter Normalbenzin durch den Vergaser. Recht gutmütig benimmt sich das Fahrwerk mit der blattgefederten starren Hinterachse. Nur auf wirklich holpriger Strecke wird sie unruhig und gerät ins Springen.
Im Innenraum ist Einfachheit Trumpf
Der Terra läuft dank seines Frontantriebs sauber geradeaus, aber wegen seines hohen Aufbaus ist er seitenwindempfindlich. Schon leichtere Böen erfordern umsichtiges Gegenlenken. Seine Ausstattung liegt auf einfachem Niveau. Die Instrumentierung beschränkt sich auf das Allernotwendigste: Tacho, Tankuhr, basta. Nachts leuchten allein diese beiden Instrumente, Schalter kann man nur ertasten. Der Innenspiegel ist nicht abblendbar, die Sonnenblenden lassen sich nicht seitlich wegklappen. Die Sitzverstellung steckt in einem scharfkantigen, blanken Blechhebel, die Lehnenverstellung in einem dicken Hebel unter dem Sitz.
Antiquitäten inklusive
Und als ich nach der Scheibenwaschanlage suchte, entdeckte ich eine echte Antiquität: die altehrwürdige Gummiballpumpe – es gibt sie wirklich noch. Unter dem Choke des Seat Terra ist sie nicht gut platziert. Gut: das kleine, griffige Lenkrad und die große, tiefe Ablage, die sich über die gesamte Breite des Armaturenbretts zieht. 13.645 D-Mark kostet der Seat Terra Kombi. Als Pkw ist er in all seiner Kargheit zu teuer, jedoch als Nutzfahrzeug preiswert. Sieht man ihn als Freizeitauto und Wohnmobil, das sich mit ein paar praktischen Zutaten recht wohnlich gestalten lässt, wird er sogar zum Preisknüller.
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