Wenn Ihnen der Simca 1500 schon auf den ersten Blick italienisch vorkommt, dann könnte es an seinem Stammbaum liegen: Nach der Firmengründung im Jahr 1934 baute Simca Fiat-Modelle in Lizenz. Der erste im Werk Nanterre (westlich von Paris) gebaute Wagen war der Simca 5 – ein Fiat-Topolino-Nachbau. Noch 1950 fertigte Simca die Modelle 6 und 8 in italienischer Lizenz. Strich drunter. Der 1500, 1963 präsentiert, war eine waschechte Eigenkonstruktion. Und doch kommt er uns irgendwie italienisch vor. Leicht und filigran, frisch und ein wenig verspielt. An diesem Simca könnte auch ein Fiat-Emblem kleben, und keiner würde verwundert den Kopf schütteln. So wie er aussieht, fühlt er sich auch auf der Straße an: leichtfüßig und agil. Zugegeben, auch der 1500 ist ein Softie.
Simca 1500
Die Ausstattung mit Lenkradschaltung, sparsamer Instrumentierung, und Bakelit-Lenkrad war in den 60ern klassenüblich.
Aber alle alten Autos wirken im Vergleich zu unseren modernen straffen Wagen wie weichgespülte Kuscheltypen – und die Jahre des Gebrauchs machen sie nicht härter. Wer indes aus einem Peugeot 404 oder Renault 16 in den Simca umsteigt, fühlt sich in eine kleine, handliche Sportlimousine versetzt. Hier ist alles etwas knapper zugeschnitten. Vor allem auf den hinteren Plätzen finden lange Beine weniger Unterschlupf. Eingezwängt wird trotzdem niemand. Der Raumeindruck ist hell und luftig, typisch für Mittelklasse-Limousinen der 60er. Fenster vom Format XXL und zierliche A-, B- und C-Säulen lassen viel Licht in die gute Stube. Für den sportlichen Eindruck jedoch entscheidender: Simcas Vierzylinder klingt kernig, röhrt ein wenig wie der Hirsch zur Brunft und reißt fleißig an den hinteren Rädern. Gute Fahrleistungen sind der Lohn.
Simca 1500
Mit seinem südländischen Charme erinnert der Simca 1500 mehr an ein italienisches Auto.
Der meiste Lärm ist Simcas Schattenseite. Spaß ist, wenn man trotzdem lacht, sich über das handliche Fahrwerk und die exakte Lenkung freut. Flott ums Eck, wieselflink in die Parklücke – so bereitet Simca ganz leicht Freude am Fahren. Ein Vergnügen, das auch noch ausreichend komfortabel bleibt. Denn die Sitze sind, typisch französisch, dick und weich gepolstert. Nur beim Gangwechsel hakelt’s. Der Fahrer darf am Lenkrad schalten, die Wege zwischen den Gängen sind lang und verworren. Und was den Qualitätseindruck angeht: grand malheur! Bei der Simca-Montage siegte offenbar die Nonchalance. Da beschleicht einen der böse Verdacht: Für die Ewigkeit war der Simca 1500 nicht gedacht. Und deshalb gibt es kaum noch welche. Weder bei uns noch in Frankreich. Schade.

Fazit

von

Andreas Borchmann
Der Simca 1500 fährt sich wie ein italienischer Franzose, geht ein wenig kernig zur Sache, lässt den Komfort jedoch nicht komplett links liegen. Schade, dass der Typ so schlampig gebaut wurde. Zu Lebzeiten galten Simca als fortschrittlich, aber kurzlebig. Schon nach sechs, sieben Jahren zerfraß sie der Rost. Die Quittung: fast vergessen, die einst große Marke.

Von

Andreas Borchmann