Techno-Classica 2012 in Essen
Es ist angerichtet

Auf der Techno-Classica 2012 präsentiert sich die Altblech-Gilde von ihrer allerbesten Seite. Und von ihrer teuersten. Die Alternativen zu den mit Mondpreisen dekorierten Klassikern stehen auf den Freiflächen.
- Tomas Hirschberger
Dreh die Temperaturen hoch, lass den gelben Ball am Himmel strahlen – schon hat der gemeine Oldiefan mit freiwilliger Selbstkontrolle aber auch gar nichts mehr am Hut. Die Techno Classica 2012 in Essen ist mal wieder eine harte Bewährungsprobe für alle mit Altblech im Blut. Ein Overkill der Gefühle. Na Mahlzeit! Bei blendendem Frühlingswetter um 20 Grad vergisst du im Sauseschritt, dass deine Garage längst proppevoll ist – und dein Konto genau das Gegenteil. Zum Glück. Denn die Preise hier in Essen laufen erneut komplett aus dem Ruder. Sie sind absurd und unanständig. Gefühlt um zehn Prozent höher als im letzten Jahr. Kein Mercedes 190 SL unter 110.000 Euro, 911er jedweder Art starten kaum unter 50.000 Euro. Selbst schnöde Youngtimer, die eben noch mit Flugrost bedeckt an der Tankstelle verschleudert wurden, haben auf wundersame Weise ihren Wert in abstruse Regionen geschraubt. Ob all die Phantasie-Preise letztlich wirklich erzielt werden, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Überblick: Alle Termine der Oldtimer-Szene

Fast 3500 edle Einzelstücke und appetitliche Alltagswagen sind 2012 bei der Techno-Classica in Essen zu sehen.
Bild: Frank B. Meyer
Rückblick: Messerundgang Techno-Classica 2011
Appetithappen gefällig?: Da hätten wir zum Beispiel einen der ersten Mercedes 300 SL aus dem Jahr 1952. Ebenfalls in edlem Blechkleid dabei sind Bugatti, Rolls-Royce oder ein nach Veranstalterangaben weltweit einzigartiger Bertone Chevrolet Corvair Testudo von 1961. Der Sportwagen mit Heckmotor wird auf rund 400.000 Euro geschätzt. Und das ist nicht alles: Volkswagen Nutzfahrzeuge beispielsweise wirbt in Essen mit der Aufarbeitung eines VW Bull T2 für die werkseitige Restaurierung historischer Fahrzeuge mit Originalteilen und hauseigenen Spezialisten.
Den größten Wertzuwachs erreichte in den letzten Jahren übrigens die Ente Citroën 2CV vor dem Renault R4, dem Fiat 500 und dem Porsche 924. Laut der Weltorganisation Fédération Internationale des Véhicules Anciens (FIVA) lassen sich allein die deutschen Oldtimer-Fans ihr Hobby jährlich 5,5 Milliarden Euro kosten. Rund 30.000 Menschen arbeiten in der Branche, der die Reparaturaufträge nie ausgehen. Wie hart umkämpft der Markt inzwischen ist, verdeutlicht eine Aktion von Daimler: Tochter Mercedes-Benz Classic schredderte kurzerhand die nachgebaute Karosserie eines 300 SL, die vom deutschen Zoll beschlagnahmt worden war. Die Karosserieform des legendären Flügeltürers ist zugunsten der Daimler AG geschützt.
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