Sounddesign gab es damals ja nicht, aber bei Alfa haben sie einfach aus dem Bauch heraus einen Klang hinkomponiert, da knien nicht nur die Freunde der italienischen Oper nieder. Wie bei einem Lämmchen wackelt dazu fein der schräg über alles ragende Auspuff-Schwanz. Auch sonst wackelt er bei welliger Bahn gern mit dem Hinterteil, das liegt an der nur mäßig exakt geführten starren Hinterachse, ist aber nicht schlimm. Die Lenkung dreht dabei zwar servofrei, doch gar nicht mal so schwergängig, denn das Lenkrad ist ziemlich groß.So taugt er auch für Damen, die traditionell für den Spider eine Schwäche zeigen, und die sich – jetzt wackelt mal das Phrasenschwein kurz mit dem Schwanz – bei all der Eleganz nicht beklagen, wenn die Lenkung teigig und das Fahrwerk elastisch ist.

Der Vorgänger: Der Spider Duetto

Alfa Romeo im Innenraum
Schicke Armaturen, großes Lenkrad,
das allerdings zu hoch ragt. Viel
Platz im Innenraum.
Sein Handling ist eben mehr auf Boulevard getrimmt als auf Nordschleife. Alfa Romeo besaß, im Gegensatz zu MG/BMC, einen Haus-und-Hof-Motor von ingeniösem Feingeist, den berühmten Vierzylinder aus Aluminium mit zwei Nockenwellen und Talent zum willigen Hochdrehen. In der 113- PS-Version mit 1750 cm3 (obwohl 1600 hinten dransteht) ist er in unserem Vergleich das Sahnestück. Auch hat er ein sauber zu schaltendes Fünfganggetriebe und keinen Overdrive-Behelf wie der MG oder die hakelige Fünfgang-Box des 914. Stilistisch steht er auf gleicher Stufe wie der MG, nur eben auf italienische Art, die kein bisschen weniger charmant ist. Außen der flache Pininfarina-Corpus, innen drei wunderschöne Zusatzinstrumente auf dem Sonnenuntergangs-Rot des Armaturenlacks, dazu geht sein Dach in null Komma nichts auf und zu, wobei man zum Schließen besser aussteigt, es sei denn, man hat Arme wie Popeye.

Die Gummilippe: Alfa Spider im Stil der 80er    

Drehzahlmesser im Spider
Der optimistische Drehzahlmesser geht bis 8000, Nenndrehzahl sind 5000.
"Das Verdeck ist dicht!", beteuert die Besitzerin. Der Alfa ist hier summa summarum der Ausgewogenste. Befriedigend im Fach Sport, gut in Werken (weil prima zu handhaben), Note Eins in Kunst, dazu eine Eins plus in Musik. Mangelhaft, das ist bekannt, ist er nur im Fach Chemie, geht er doch gern eine stürmische Verbindung mit dem Luftsauerstoff ein, weshalb die Besitzerin gestand, dass sie ihm schon einmal das komplette Blechprogramm spendierte, wie es fast jeder Fastback-Spider bereits hinter sich hat. Davon sehen wir aber nichts mehr, stattdessen konzentrieren wir uns auf die Pylonen, um die er mit leichtem Popogewackel pfeift. Und wir müssen laut lachen, weil es so viel Spaß macht, in diesem Auto zu sitzen, während der Vierzylinder gurgelt, schnaubt und rülpst.


Fazit

Er fährt gut, klingt gut, sieht gut aus, ist alltagstauglich und bezahlbar. Er braucht aber auch Grips und Feingefühl, zum Beispiel sinniges Warmfahren und gute Rostvorsorge. Mit einem Alfa Spider lässt sich also nicht viel falsch machen – so sehen Sieger aus.