Lassen wir doch mal die ganze Historienmalerei außer Acht. Nein, nicht nur den Umstand, dass Andy Warhol mit dem "M1 Art Car" den womöglich wertvollsten BMW aller Zeiten geschaffen hat. Auch das ganze Lametta drumrum: die turbulente Entstehungsgeschichte mit den Geburtshelfern Jochen Neerpasch, damals Chef der jungen Motorsport GmbH, und Paul Rosche, dem legendären BMW-Motorenpapst. Die Einsätze in der M1-Procar-Serie. Die vielen großen Namen, die hinter dem Lenkrad saßen. Die Zusammenarbeit mit Lamborghini in der Entwicklung.
BMW M1
Der knallharte Mittelmotor-Sportwagen M1 zählte einst zu den Schnellsten.
Bild: Sven Krieger
Wer sich hinter das steil stehende Sportlenkrad des M1 gequetscht und die Tür zugezogen hat, interessiert sich dafür nicht mehr. Jetzt zählt nur noch das Duell Mensch gegen Maschine – ähnlich wie in der berühmten Startszene von Steve McQueens Klassiker "Le Mans". Verarbeitungsqualität? Reden wir lieber nicht drüber, schließlich sitzen wir in einem verkappten Rennwagen. Die Pedalerie ist ein wenig nach rechts versetzt, also besser erst mal im Stand den Stepptanz auf den eng beieinanderstehenden Pedalen üben. Ein Dreh am Zündschlüssel, ein bisschen Gas – schon erwacht der Reihensechszylinder fauchend zum Leben. Er will behutsam warm gefahren werden, bevor es auf die Piste geht.

Schub ohne Nachbrenner-Effekt

BMW M1
Der Sechszylinder-Vierventiler mit Kugelfischer-Einspritzung. BMW-intern hieß er M88.
Bild: Sven Krieger
Dort aber legt sich der Vierventiler mit den beiden oben liegenden Nockenwellen mächtig ins Zeug. Je höher er dreht, desto mehr gleicht sein Klang dem einer Turbine, während sich der Fahrer bemüht, mit dem Schalten nachzukommen. Denn die fünf Vorwärtsgänge sind zwar perfekt abgestuft, wollen aber mit Nachdruck eingelegt werden. Auch die Zahnstangenlenkung erfordert kräftiges Zupacken. Da sich die Cockpit-Höhle zu allem Überfluss aufheizt wie ein Backofen, sind Schweißausbrüche programmiert. Und doch: Gemessen an heutigen Maßstäben sind 277 PS angesichts von 1430 Kilo Leergewicht relativ wenig. Subjektiv ist der Schub sogar ein bisschen enttäuschend, irgendwie fehlt der Nachbrenner-Effekt. Auch beim Handling wirkt der M1 trotz Mittelmotor-Konzepts einen Tick zu schwerfällig. Vielleicht liegt es daran, dass unser Testwagen nicht rundläuft. Vermutlich haben Rückstände von altem Benzin die Leitungen verstopft und bringen ihn zeitweilig aus der Puste. Trotzdem bleibt ein zwiespältiges Bild: Der M1 ist sicher der legendärste BMW-Sportwagen. Zumindest für uns aber nicht der sportlichste.

Fazit

Der BMW M1 ist ein begehrter und damit teurer Exot. Ein knallharter Mittelmotor-Sportwagen, der einst zu den Schnellsten zählte. Doch auch Legenden kommen in die Jahre. Beim M1 ist das besonders spürbar. Andere, wie der 3.0 CSL, wirken dagegen ewig jung.