Sicher, der Fiat 128 würde auch ohne diesen Sound fahren. Und ohne diese Straßenlage, die dich nach jeder Kurve die nächste herbeisehnen lässt. Aber dann wäre er austauschbar.
Sie wollten schon immer wissen, warum leichtes Schuhwerk bevorzugt aus Italien kommt? Weil es in Italien die passenden Autos dazu gibt. Autos wie den Fiat 128. Auf den ersten Blick ist er ein total vernünftiges Transportmittel für die ganze Familie: Mit zwei oder vier Türen und sogar als Kombi zu haben, mit Quermotor samt Frontantrieb, durchschnittlichen 54 PS, ausreichend Platz im Innenraum und einem ordentlichen Kofferraum fürs Gepäck. In Deutschland verkauft er sich zu Lebzeiten prächtig, auch weil sein stilsicheres Design niemanden zu Kompromissen zwingt.
Der Fiat 128 ist ein Slalom-Wusler. Mit Abstrichen wegen seiner komfortablen Abstimmung.
Bild: Roman Raetzke
Innen fühlt man sich zwar wie im Glashaus, und die pflegeleichten Kunstledersitze fordern sommers schon bald ihren Tribut in Form von zwei Kugeln Eis (Vanille und Pistazie, immer passend zur Wagenfarbe, bitte!). Doch die großzügigen Fensterflächen machen den Fiat vor allem übersichtlich. In Retorten-Siedlungen der 70er, die auf klangvolle Namen wie "Notwende" oder "Vogelstang" hören, haben solche Erwägungen Gewicht. Der Preis auch, und der geht – typisch Fiat – völlig in Ordnung. Ach ja, gehen! Zurück zu den Schuhen: Familien-Vati braucht sensible Sohlen und ein wenig Selbstbeherrschung, wenn er 128 fährt. Was der auch als Einziger in diesem Vergleich zu bieten hat, ist eine oben liegende Nockenwelle – und zwar eine zahnriemengesteuerte –, und so will er weder leise noch gemächlich zu Werke gehen.
Der Motor ist nach vorn geneigt eingebaut – das schafft Platz für das Reserverad und lässt Mechaniker fluchen.
Bild: Roman Raetzke
Kurz: Er will drehen. In 19,5 Sekunden sprintet der Fiat von null auf 100, was im Vergleich zwar flott, aber nicht traumhaft ist. Doch er macht Spaß. Vor allem auf kurvigen Landstraßen, wo der Fahrer in jeder Biegung mit Wonne am Lenkrad dreht und der sicheren, straffen Straßenlage frönt. Die direkte Abstimmung der Lenkung führt indes auf langen Geraden dazu, dass der Fiat bei unachtsamen Bewegungen am Lenkrad schon mal nach links oder rechts auszubüxen versucht. Auf dem Testgelände muss auch er Farbe bekennen: Objektiv betrachtet ist er nicht schneller als die anderen. Und wenn er durch den Slalom-Parcours geschickt wird, offenbart sich die typisch mittelklässlerische Abstimmung, die ihn messbar nicht ganz so sportlich macht, wie er sich auf den ersten Metern anfühlt. Fiat 128, der Schaumschläger? Beileibe nicht. Eher einer, der unterstellt, dass man durch zu gemächliches Fahren auch nicht unbedingt sicherer ans Ziel kommt. Gut, wenn der passende Schuh am Werk ist. Unterm Strich gebührt dem Fiat 128 sogar der Sieg in unserem Vergleichstest.
Einfach nur Auto fahren? Wie langweilig – lieber fordert der Fiat 128 seinen Fahrer und glänzt dabei durch großen Fahrspaß bei maximaler Familientauglichkeit. Dabei sind seine Eckdaten genauso unspektakulär wie die der anderen. In der Vergleichsrunde wird er zum Helden.