Vergleich: Klassiker in Früh- und Spätform
Früher oder später Klassiker?

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Bei vielen Klassikern steht der Käufer vor der Wahl: lieber das pure Modell, oder das ausgereifte kaufen? Hier ein Vergleich von fünf Autopaaren – je eines frühen mit einem späten Modells.

Hier wird der Porsche 968 von der Vergangenheit einge- und überholt. Der Oldie zieht vorbei.
Bild: Angelika Emmerling
Weißer Riese oder grüner Junge? Porsche 924 und 968
Der Porsche 924 aus dem ersten kompletten Produktionsjahr 1976 und ein sportlich-reduzierter 968 Clubsport von 1993 stehen stellvertretend für die beiden Pole der Vierzylinder-Entwicklungsgeschichte. Wie ein bald 40 Jahre altes Auto sieht der 924 nur im Detail aus: die dünnen Chromleisten um die Fensterrahmen, die billigen Plastikrückspiegel, die Schreifarbe Signalgrün. Bunt ist der 924, aber karg, fast schon nackt. Die großen Plastikflächen des Innenraums sind leicht zu reinigen, und trotz des modisch gestylten Schaltknüppels und drei großer und drei kleiner Instrumente klingt und riecht alles nach Audi 80 und Golf I. Ein 968 der übernächsten Generation fasst und fühlt sich da ganz anders an. Eine Legende aus Zuffenhausen besagt, dass dort nie ein qualitativ besseres Auto als der 968 gebaut worden wäre.
Vergleichstest: früher oder später Klassiker
Porsche räumte den luxuriös ausgestatteten 968 aus, um ihn 20.000 Mark unter der fast 100.000 Mark teuren Normalversion anbieten zu können. Der Geiz wurde unter dem Label Clubsport als Inbegriff der Sportlichkeit vermarktet. Nur 1538 Stück wurden verkauft. Das macht den CS selten, also nach Sammlerlogik teuer: 20 Jahre nach Bandablauf wird er deutlich höher notiert als ein regulärer 968. Sechs Gänge hat der 68er ab Werk, außerdem ein makelloses, ewig neutrales Fahrverhalten – und wäre er nicht so selten und inzwischen auch empfindlich teuer, er wäre der ideale Ganzjahres-Sportwagen.
Insgesamt ist der 968 ein Fall für Fans und Anhänger des Transaxle-Prinzips, der 924 ist einer für Einsteiger ins Hobby Porsche und Anfänger in Sachen Sportwagen. Trotzdem: In seiner Einfachheit ist der 924 dem 356 näher als manch moderner 911. Egal also ob 924 oder 968, ob alt oder jung, ob 40 oder 20 Jahre vorbei sind: ein echter Porsche sind beide.
Kaufempfehlung Porsche 924 und 968
Plus/Minus
Ob früher 924 oder später 968 – für den Kauf eines der Vierzylinder-Transaxle-Typen sprechen gute Gründe. Wichtig ist: Gemessen am Baujahr steckt mehr als genug Leistung drin, es sind echte Porsche auch ohne Lüfterradheulen und Heckmotor. Mit zeitgeistiger Ausstattung oder aufpreispflichtigen Extras reicht es für den Status des Sammlerstücks. Allerdings: 924 der ersten Jahre sind akut rostgefährdet. Ansonsten gilt auch ist er ein solides Langzeitauto, wenn Wartung und Pflege stimmen. Originale, unrestaurierte 924 der 70er-Jahre sind seltener als die 968 CS der Neunziger, aber längst nicht so teuer. Gute Autos mit niedriger Laufleistung gelten als solide Wertanlage.
Ersatzteile
Leider gilt für alle Porsche-Transaxle-Typen, dass die Versorgung mit Ersatzteilen ein Trauerspiel ist. Eine Auspuffblende hier, ein Aufkleber dort, ein paar Kleinteile, Schrauben und Muttern und was zufällig auch vom Elfer passt – so sieht das Angebot von Porsche Classic für 924- und 968-Fahrer aus. Ohne Kontakte in die Szene, zu etablierten Spezialisten und Internet-Rasterfahndung wird der Unterhalt kompliziert und aufwendig. Ein unverdientes Minus in der ansonsten makellosen Bilanz. Wenigstens für den 924 passen einige Teile von Käfer, Golf und Co.
Marktlage
Das Angebot an frühen, unverzinkten 924 ist mager, aber immerhin bleiben die Preise, von Sondermodellen oder Turbo-Versionen mal abgesehen, meist noch im vierstelligen Bereich. Ein ordentlicher 968 CS ist leichter zu finden, allerdings erreichen richtig gute Fahrzeuge schon die 40.000-Euro-Grenze – vor ein paar Jahren noch undenkbar. Unser Fotoauto steht bei DLSAutomobile in Fellbach zum Verkauf.
Empfehlung
Autos des Modelljahrs 1980 haben noch ihren ursprünglichem Charme aber auch schon ein Fünfganggetriebe, und die Ausstattung ist nicht ganz so karg. Ab 1981 kamen feuerverzinkte Bleche zum Einsatz; darum sind diese Typen heute häufiger zu finden. Beim 968 CS verhält es sich andersrum als beim 924, hier wird für weniger mehr berechnet. Ein normaler 968 (5731 Einheiten) verfügt über die gleiche Leistung und – in der Regel – auch die bessere Ausstattung. Gezahlt wird fürs sportliche Image und den Glanz der geringen Stückzahl. Anstelle eines teuren, spartanischen CS oder des normalen 968 könnte auch das 968 Cabrio infrage kommen.
Adressen
Clubs: Porsche 924/944 Club, www.porsche-924-944-club-deutschland.de; Porsche 968 Club, www.porsche-club-968.de
Literatur: Peter Morgan: Porsche 924-944-968, Heel Verlag 2006, 39,90 Euro
Historie
VW reicht den Wunsch nach einem 914-Nachfolger ohne Erfolg an Audi weiter. Daher kommt der 924, weil ohnehin in Stuttgart entwickelt, 1975 als Einsteiger-Porsche mit 125 PS auf den Markt. Der 170 PS starke 924 Turbo wagt 1979 den großen Leistungssprung. Turbo-Typen wie 924 Carrera GT und GTS liegen auf 911-Niveau. Mit 2,5-Liter-Vierzylinder und Muskel-Optik kommt 1982 der 944. Mit Aufladung (1985) und 16V-Technik (1986), als S2 oder als Cabrio (1988) wird der 944 zum Stückzahlen-König. Die letzte Entwicklungsstufe markiert der 968 (1991, Coupé und Cabrio). Die pure CS-Variante bleibt selten, der 968 Turbo S ist eine kostspielige Rarität. 1995 ist Schluss.
Bürzel oder Bügelfalte? Alfa Romeo Giulia und Giulia Nuova

Links die neuere, rechts die ältere Giulia.
Brezel oder Tortilla? 1951er Käfer gegen Mexiko-Käfer

Mexiko-Käfer (links) neben deutscher Brezel.
Bild: privat
Zähne oder Lippe? MGB (1964) gegen MGB (1978)

Vorn rechts der Chrom-, hinten links der Gummi-MGB.
Bild: Christian Bittmann
Chrom oder Plastik? BMW 1600-02 gegen 1602

Auf diesem Bild hat der ältere 02 die Nase leicht vorn, tatsächlich sind die Unterschiede noch geringer.
Bild: Theo Klein
So, jetzt haben Sie immer noch Probleme, sich zu entscheiden? Schauen Sie sich gerne alle fünf Modelle nochmals an.
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