In Zeiten, da wenig sehr viel ist, übt selbst der Luxus Bescheidenheit. 48 PS und eine schmucklose Ponton-Karosserie reichen aus, um 1949 die Auto-Welt aus den Angeln zu heben. Carl F. W. Borgward ist es, der mit dem Hansa 1500 die erste Neukonstruktion nach dem Krieg präsentiert. Die moderne Form passt zu den Gewinnern der neuen Zeit, die das Gesicht der noch so jungen Republik gestalten.
Borgward Hansa 1500 Cabrio, VW Hebmüller Cabrio, Porsche 356 Cabrio
Selten, teuer, wunderschön: Luxusgüter sind sie alle, doch jeder der drei interpretiert Exklusivität auf eigene Weise.
Bei Hebmüller lässt Borgward das kostspielige Hansa 1500 Cabriolet bauen, ein Traumauto wie das VW Cabriolet, das an gleicher Stelle entsteht. Der hübsche Hebmüller ist ein Volkswagen für die oberen Eintausend. Mit Glamour und Sportlichkeit schmückt sich das zweifarbige Cabrio und zeigt der Welt den schönen Rücken. Dass einfache VW-Technik darunter steckt, ist kein Makel – selbst ein offener Porsche ist ja nur ein sportlicher Käfer. Der leichte und schnelle 356 empfiehlt sich einer Kundschaft, die Athletik und Exklusivität zu schätzen weiß. Fein und reduziert präsentiert sich der neue Luxus der Nachkriegsjahre. Wer beherrscht diese Übung am besten: der moderne Borgward, der maßgeschneiderte Volkswagen oder der sportliche Porsche?

Der Porsche 356 1500 S geht als Sieger aus dem Rennen

Porsche 356 Cabrio
Porsche steht dran, viel Volkswagen steckt drin. Der schnelle 356 glänzt als Allround-Kunstwerk.
Und am Ende gewinnt? Nein, wider Erwarten nicht der Volkswagen, sondern der Porsche. Ändert sich bei diesen Vergleichstests denn wirklich nie etwas? Dass der 356 1500 S als Sieger aus diesem Treffen auf höchstem gestalterischem und handwerklichem Niveau hervorgeht, überrascht nicht. Zu überlegen ist der Porsche den anderen Akteuren in den Kapiteln Motor und Fahrwerk, Leistung und Straßenlage. Diese ihm ureigenen Eigenschaften und der Name Porsche sichern ihm damals wie heute Status und Wert – so teuer war und ist kein anderer im Feld. Dyamisch und nobel ist der 356, aber ist er schön im eigentlichen Sinne? Wohl eher effizient. Geht es aber um Glamourfaktor und gutes Aussehen, muss sich sogar der Porsche dem aufsehenerregenden Hebmüller-VW geschlagen geben – die Kombination aus freundlichem Käfer-Gesicht und schnellem Bootsheck im Stil der 30er-Jahre ist geschmacklich ungeschlagen. Dass der trotz seines exklusiven Status betont einfach ausgestattete VW in der schicken Sportwagen-Schale eigentlich untermotorisiert ist, sich aber beim Fahren gar nicht so anfühlt, gehört zu den erstaunlichsten Entdeckungen dieses Vergleichs. Der dritte Sieger heißt Hansa 1500 Cabriolet. Er ist zwar modern, aber sein behäbiger Habitus lässt ihn sanft ins Hintertreffen geraten. Gäbe es eine Wertung, welche die historische Bedeutung würdigt, läge er mit seiner Pontonkarosserie ganz vorn. Darüber hinaus erfreut uns der preisgünstige Bremer aus Wülfrath mit Qualität und einer Aura vergangener Größe sowie dem Umstand, dass er als Einziger von dreien ein exklusives, aber ernst gemeintes Vollwertauto ist. Denn wer sagt eigentlich, dass Luxus immer etwas mit Geld und Schönheit zu tun hat? Darf Luxus nicht auch praktisch sein?

Aufregend sind sie, die Luxus-Geschöpfe der frühen Bundesrepublik – und sehr unterschiedlich. Das rare Hansa 1500 Cabrio punktet mit einer vornehmen Mischung aus Vorkriegs-Charme und Nachkriegs-Hightech, während der Hebmüller sich ganz auf sein Aussehen verlässt. Als schönster aller Käfer verbindet er Optimismus und Aufbruchsstimmung, hinter der bezaubernden Form steht die Technik zurück. Der Siegertyp 356 zeigt an, dass er kein wertvolles Artefakt ist, sondern eine schöne, effiziente und agile Fahrmaschine. Als Porsche-Fan verehre ich ihn zutiefst, aber mich reizt am meisten der Hebmüller: weil er ein Volks- und Traumwagen ist!