Dieser Volvo macht ganz auf Italienisch, denn im Volksmund heißt er schlicht Bertone. Tatsächlich wurde der Spähwagen dort hergestellt, 6622 Stück bloß. Am brachial-eigenwilligen Design von Volvo-Stylist Jan Wilsgaard haben die Italiener jedoch kaum herumgefingert. Warum entsprang den frostknisternden Wäldern so ein übermütiges Coupé? Weil die Schweden US-Kunden schöne Augen machen wollten. Volvo versuchte, deren Dollars zu kriegen. Stellen wir uns die Brainstorming-Sitzung vor: "Jungs, wir brauchen etwas Schnuckeliges für Amerika. Vørschläge, bitte." Marketing-Chef: "Ein Coupé mit Vinyldach." Technikchef: "Autømatik, Tempømat und Air Cønditiøn." Verkaufsleiter: "Weiche Federung, Ledersitze." Designer: "Um die Ledersitze spannen wir absurde Gürtel, und an den Türen verwenden wir sinnløses Raffleder." Marketing-Trainee: "Eine Krøne vielleicht an der C-Säule und auf dem Lenkrad." Vorstandsvorsitzender: "Und dann lassen wir den Wagen in Italien beim Designer bauen, das gibt ihm den Extra-Touch."
Volvo 262 C Bertone
Das 262-Coupé bremst sicher und spurtreu, wackelt wie eine Ente über Bodenwellen – wegen der Starrachse.
Und so geschah es. Das Vinyldach besaß dann aber nur die erste Serie von 1977/78 (2,7-Liter-V6), die zweite reichte bis 1980 (Goldmetallic, 2,9 Liter), die dritte bis 1981 (weitere Farben, andere Stoßfänger). Die erste Serie litt unter scheußlicher Karosseriequalität, Bertone übte wohl noch. Dann aber wurde der Volvo ein robustes, markantes, in seiner radikalen Winkeligkeit richtig sympathisches Coupé, obwohl es säuft: 16 Liter waren es im Test. Das liegt am Motor des Volvo 262 C, dem legendären Euro-V6, ein Raubein aus einer Gemeinschaftsproduktion mit Peugeot und Renault. Erst leistete er 140, dann 148, später 155 PS, macht dabei einen groovigen Sound und treibt den Wagen vehement vorwärts. Weniger sympathisch wird’s, sobald es nicht mehr geradeaus geht. Dann schwabbelt der Wagen wie ein Wasserbett und sein Heck wie ein Entenschwanz. Der Volvo ist eben ein Freeway-Cruiser mit viel Komfort, dazu passen auch diese seltsamen Sitze ohne nennenswerten Seitenhalt. Aber so war das damals. Positiv: ein Mini-Wendekreis, er ist das Rundeste an ihm. Denn ein eckigeres Auto ist kaum möglich. Und der 262 C dürfte die einzige serienmäßig gechoppte Version einer Limousine sein. Dach einfach niedriger gesetzt und hinten abgeschnitten, das alles auf den unveränderten Limousinenquader gestülpt, Sitze abgesenkt, fertig ist eine kuschelige Höhle. Bis der Kopfschmerz einsetzt: Am Flachdach können sich 262-Anfänger beim Ein- oder Aussteigen fiese Beulen holen. Der Kopfairbag wurde erst nach dem Volvo-Coupé erfunden – ein Zufall?

Mit Ruhe und Gemütlichkeit: Volvo 144