In der Rallye-WM sollte dieser Golf 3 (A59) Titel gewinnen, aber kurz vorm Start gingen VW Geld und Mut aus. 2500 Stück hätten es sein sollen und müssen, damit der Motorsport-Golf wie geplant in den Gruppen N und A der Rallye-WM hätte antreten können. Geplant war ein Stückpreis von 80.000 Mark, 40.000 weniger als ein Porsche 911. Am Ende entstand nur ein einziges Exemplar.

Der Prototyp fährt 260 km/h Spitze

Dieser 250 PS starke Golf blieb ein Einzelstück!
Blick nach vorn: Der Look des Hecks nimmt das Design des Golf 4 voraus
Viel 3er-Golf steckt nicht mehr im A59, aber trotz Motorsport-Technik und Prototypen-Status ist er ein VW – er funktioniert verlässlich, ist gewissenhaft verarbeitet und fährt auf Zündschlüsseldreh. Auf der Rückbank, wo die Streben des Matter-Käfigs links und rechts an den Köpfen vorbeiführen, ist er weder eng oder unbequem, und die Recaro-Sitze der ersten Reihe passen so perfekt wie die Wege der Schaltung. Die Federung ist straff, nicht hart, und sogar eine Servolenkung ist an Bord. Das erwartete Drama im Umgang stellt sich nicht ein. Nicht einmal der Motor macht Zicken, dabei gibt es ihn so nur einmal. 275 PS leistet der Vierzylinder-Turbo bei 6000/min, hängt gut am Gas und bollert und zwitschert beim Gaswegnehmen schön böse aus Auspuff und Wastegate-Ventil. Seine Höchstgeschwindigkeit liegt bei 260 km/h. Für den Wettbewerb hatten sich die Entwickler zur besseren Kühlung des Motors eine Wassereinspritzung ausgedacht, deren Tank nun gemeinsam mit Ersatzrad und Batterie einen Großteil des Kofferraums blockiert – von einem Rallyeauto alltägliche Perfektion zu erwarten, wäre, sogar wenn es ein Golf 3 ist, wohl zu viel verlangt.

A59 als Gemeinschaftsprojekt

Dieser 250 PS starke Golf blieb ein Einzelstück!
Power-House: Der neu entwickelte 2,0-Liter-Vierventil-Vierzylinder leistet dank Aufladung stramme 275 PS.
Das VW-Design in Düsseldorf schliff am Rallye-Look, Schmidt Motorsport aus dem Fränkischen entwickelte das Fahrzeug. Motorenspezialist Norbert Kreyer konstruierte und baute den neuen Vierzylinder: komplett aus Alu, mit Vierventiltechnik und Garrett-Turbolader, zwei Liter Hubraum und 275 PS, mit Potenzial für 400 PS im Renntrimm, gekoppelt an ein Sechsganggetriebe. Ohne Allrad war im Rallye-Sport natürlich kein Stich zu machen. Im A59 berechnet Steyr-Daimler-Puch-Technik das optimale Verhältnis der Traktion, verteilt via Lamellensperre im Mittendifferenzial die Kraft zwischen Vorder- und Hinterachse. Mindestens 25 Prozent fließen nach vorne, der Rest nach hinten. Ein Spoiler am Dach bringt Druck auf die Hinterräder. Mit breiter Bugschürze und fetten Backen, der dreifach geschlitzten Motorhaube und Speedline-Rädern sieht der Golf aus wie ein Syncro nach Anabolika-Missbrauch.

Walter Röhrl attestierte dem A59 Talent

Dieser 250 PS starke Golf blieb ein Einzelstück!
Alles halb so wild: Der dramatische Golf-Prototyp ist sauschnell und wirkt dabei völlig serienreif.
Dass der Riese VW und eine Handvoll externer Experten es schafften, innerhalb nur eines Jahres ein Homologationsmodell mit Straßenzulassung zu bauen, grenzt an ein Wunder. Im Sommer 1993 war der Super-Golf am Start. Walter Röhrl, der den Wagen ein Jahr später über die Nordschleife jagte, attestierte dem Prototyp Talent. Ferdinand Piëch, seit dem 1. Januar 1993 als Chef beim finanziell angeschlagenen Autobauer VW im Amt, setzte aber leider den Rotstift an. Für teure Abenteuer wie die Rallye-WM war kein Geld da, das Projekt wurde eingestellt. Schade, der A59 hätte das Zeug zu mehr gehabt.