Die Ferne rückt näher, wenn der agile Zweilitermotor im Heck vor sich hin boxt. Auch er schnappt nach Luft, doch der große Boxer – seit 1975 im Programm – nimmt es mit dem eineinhalb Tonnen schweren Westfalia Helsinki leichter auf als die schwachbrüstigen Maschinchen früherer Jahrgänge. In der zweiten Generation hat sich die Idee des Campingbusses etabliert. Zwar gibt es noch immer wie für den T1 von Westfalia entwickelte Bausätze – der Prospekt nennt sie Mosaik –, doch auch die verkauft der VW-Vertragshändler. Ab 1968 nämlich zählen die Campingwagen zur VW-Familie und tragen die Namen schöner und mondäner Städte: Oslo, Zürich, Rom, Madrid, Stockholm, Brüssel, Paris, Amsterdam, die US-Versionen heißen Los Angeles oder Miami. Und dann gibt es noch das Modell Offenbach.

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VW T2 Helsinki
Das Ersatzrad trägt der Bus auf der Nase, es ist gleichzeitig seine einzige Knautschzone.
Sie alle unterscheiden sich nur in Marginalien wie der Positionierung des Herdes, der Größe des Spülbeckens oder der Länge des Doppelbetts. Viel wichtiger als das, was ihn möbliert, ist, was er transportiert – das Gefühl der Freiheit. Vielleicht ist es von allen drei Camperbussen in der mittleren Generation am stärksten ausgeprägt. In einem Auto, das ein Jahr vor der 68er-Bewegung auf den Markt kommt – und das mit der Absicht, die Wirtschaft und nicht etwa Weltanschauungen zu bewegen. Wobei: Als Camper, da mag er sich die Welt gern anschauen. Der Motor schiebt kräftiger voran, die Gänge verhakeln sich auf dem langen Weg vom Schalthebel bis zum Getriebe weniger als im T1. Die hintere Schräglenkerachse hat das Drängen des Heckmotors in Kurven und das Drücken des Seitenwinds viel sicherer im Griff.

Noch mehr Bulli: VW T2 als Bus

VW T2 Helsinki
Im Helsinki lässt sich mitten in der Diaspora eine warme Mahlzeit auf zwei Flammen bereiten. Vor dem Herd ist ausreichend Stehhöhe vorhanden.
So reist es sich hinter der Panoramascheibe auf den hohen Vordersitzen noch mit ein wenig T1-Flair, aber fast schon so komfortabel und sorgenfrei wie im jüngeren T3. Mal kurz von München auf einen Cappuccino nach Italien? Immer gern, und wo es uns gefällt, da halten wir an. Nachts bollert die Propangasheizung die Wohnstube warm, dann können die Kinder statt im zugigen Aufstelldach auch auf einem Hängebett im Fahrerhäuschen schlafen, wie schon im T1. Heimeliger und noch findiger eingerichtet haben sie ihn zudem, mit Fichten-Furnier-Fake an Wänden und Karomustern auf den Polstern. Aus der Küchenspüle klappt der Herd, einen Kühlschrank gibt es gegen Aufpreis, Spiegelschränke dagegen sind Serie. In heißen Nächten fächelt die Luft durch die ausstellbaren Tropenfenster – mit dem T2 ist der VW-Camper bereit für die ganz große Reise. Ihm geht zwar der herbere, einfachere und provisorische Charme des T1 ab. Doch seinen Charakter hat er behalten. Auch der T2 wippt über Bodenwellen, federt aber etwas sachter, und sein Motor boxert ihn leis' der Ferne entgegen.

Von

Sebastian Renz