Gebrauchtwagentest Zwölfzylinder — 06.01.2008
Voll auf die Zwölf
Ein Dutzend Brennräume unter der Haube – genial günstig oder grausam teuer? Schauen wir mal. Im Angebot: Mercedes S 600 L, Audi A8 6.0, BMW 760i und VW Phaeton 6.0 W12 – für bis zu 100.000 Euro unter Neupreis.
A8: Mit 39.888 Euro markiert der Audi die Preisspitze im Zwölfton-Quartett
Klicken wir also ins Netz, wo sich der freie Handel tummelt. Auch dort ist die Königsklasse selten. Aber es gibt sie wieder vermehrt ohne die Garantie-Abwehrklausel "Nur für Export". Warum der deutsche Endkunde wieder in ist? Weil Osteuropas Aufkäufer schwächeln. "Gerade der Russe ist derzeit wenig spendabel, weil er am billigen US-Dollar hängt." Sagt Dennis Walters vom Autopark Mallentin, Anbieter unseres ersten Kandidaten, eines Audi A8 6.0 vom August 2004. Alukarosserie. Aktuelles Modell. Alles, was die Nachbarn tratschen lässt. Standort: ein Schotterhof in Meck-Pomm. Woher Walters den A8 hat? "Von einer Benz-Niederlassung, die kalte Füße bekam", verrät er – freie Händler seien bei solchen Spezialitäten flexibler. Na bitte. Der gefräßige Grill ist nicht mein Fall, aber die Machart ist erstklassig. Audis Aufstieg in den Premium-Himmel – keiner symbolisiert diese Karriere besser als der Zwölftopf-A8. Dabei stammt das Kraftpaket von der Konzernmutter: Im Audi steckt ein doppelter Volkswagen-VR6 in W-Form. Mit 39.888 Euro markiert der A8 die Preisspitze in diesem Zwölfton-Quartett. Wer als Kunde infrage kommt? Ein Fan oder Freiberufler mit Spielgeld, meint Walters. Und zwar EU-weit. "Spanien, Litauen, Griechenland: Überall sitzt die Klientel, die nur in Deutschland kauft. Weil man hier noch dem Kilometerstand und den Scheckheftstempeln trauen kann."760i: Tür auf und unverschlissenes Chef-Ambiente genießen
Das trifft selbst die S-Klasse als deutschen Premium-Maßstab. Unser langer S 600 steht beim Vertragshändler, ist gut vier Jahre alt und nicht ganz 30.000 Euro billig. Der Gegenwert: 500 PS und 800 Newtonmeter, von 107.000 Kilometern Laufleistung nicht mal annähernd ausgepowert. Kraft im Überfluss? Pah, was für eine Untertreibung. Propper steht er da, der starke Schwarze, aber leider nicht geschmackssicher. Die persönliche Note missfällt auch Mathias Bruch, seinem Verkäufer von der Kieler Mercedes-Niederlassung. Türgriffe, Grill, Stern: alles in Wagenfarbe. Auch das Serien-Interieur, das abgesehen von der Schalterschwemme verdächtig nach B-/C-/ E-Klasse riecht. Schade, dass erst die neue S-Klasse 2005 die Rangordnung wieder zurechtrückte. Dafür begeistert geballter Luxus Marke "Maybach halbtrocken". Picknicktisch im Fond: reicht fast für eine Mini-Modelleisenbahn. Daneben die Sitzverstellung – für den Beifahrersessel. Klare Botschaft: Wer sich in Reihe zwei lümmelt, ist der Chef. Gut so. Und das Beste: Der ganze E-Spielkram funktioniert wie am ersten Tag. Dass der Mercedes jedoch vor allem auf der linken Autobahnspur lebte, belegen Scheinwerfer und Frontscheibe – alles wie sandgestrahlt. Aha, deshalb also ist er das Sonderangebot in diesem Quartett. Und der Einzige, der einen Hauch von Skepsis weckt.
Phaeton: Zurückhaltung als Prinzip wahrer Größe
Vielleicht doch lieber einen Phaeton nehmen, den ewig Unterschätzten, der es in zweiter Hand besonders schwer hat? Nach dem Ortstermin sage ich nur: Hier steht mein Sieger. Diese Verarbeitung. Diese ingeniöse, völlig zugfreie Klimatisierung. Diese raffinierten Innenraum-Details. Wäre ich gerade flüssig, würde ich mir den VW nur wegen seiner unanständig schönen Heckklappenscharniere zulegen. Das Beste dabei: Du bist ganz oben, und die ganze Welt denkt, du fährst Passat. Zurückhaltung als Prinzip wahrer Größe: Das ist die passende Wohngegend für zwölf Töpfe. VW – na und? Ist doch cool. Das findet auch Haissam Chehade, Luxusautohändler in Hamburg. Er weiß, wovon er redet: Seit 23 Jahren betreibt er sein Geschäft. Nein, an den 33.900 Euro ist nicht zu rütteln, sagt er sofort entschieden und erstickt jegliche Basar-Mentalität. Wenn niemand anbeißt, fährt er den Phaeton halt selbst. Chehade meint es ernst – und schwelgt schon in Vorfreude. Mist. Zurück zur Frage vom Anfang: Kann man einen der vier Zwölfer kaufen? Nein. Man kann alle kaufen – und sollte es sogar, falls es eine Oberklasse-Limousine sein soll. Unfallfrei, Scheckheft voll, Garantie – was soll da passieren? Und wenn Letztere abgelaufen ist, krepiert wohl kaum gleich der Motor, eher ein Komfort-Gimmick, das nicht teurer ist als beim V6-Bodensatz. Verbrauch? Hand aufs Herz: Ist bei 18 Liter Super plus wichtig, ob der V8 ein Fünftel weniger wegkippt? Wenn andere schon den gigantischen Wertverlust für uns verkraftet haben, müssen wir beim Tanken doch nicht knausern, oder? Ein Mann sollte ein Haus gebaut, einen Sohn gezeugt, einen Zwölfzylinder gefahren haben – oder so. Jetzt, liebe Väter mit Eigenheim, ist die richtige Zeit, diese Ziele zu komplettieren. Wer weiß, wie lange wir das noch dürfen …Die typischen Schwächen unserer Kandidaten
Fazit von AUTO BILD-Autor Wolfgang Blaube
Spritpreiswucher, Säufersteuer, Flottenverbrauch – was bringt die Zukunft? Möglich, dass es fünf vor zwölf für dicke Autos ist. Und damit Punkt zwölf für einen Zwölfzylinder. Also wann, wenn nicht jetzt? Meine Wahl: der Phaeton. Verarbeitung, Klimatisierung – nah an der Perfektion. Soll doch jeder denken, ich fahre Passat. Was zählt: Ich spüre den W12 und genieße vollendeten Komfort.Lust auf Second-Hand-Luxus bekommen? Im Automarkt von autobild.de finden Sie interessante Zwölfzylinder-Angebote!
| TECHNISCHE DATEN | AUDI A8 6.0 | BMW 760i | MERCEDES S 600 L | VW PHAETON W12 |
|---|---|---|---|---|
| Hubraum | 5998 cm3 | 5972 cm3 | 5513 cm3 | 5998 cm3 |
| Leistung | 331 kW/450 PS | 327 kW/445 PS | 368 kW/500 PS | 309 kW/420 PS |
| Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h | 250 km/h | 250 km/h | 250 km/h |
| CO2-Ausstoß | 415 g/km | 415 g/km | 408 g/km | 420 g/km |
| UNTERHALTSKOSTEN | AUDI A8 6.0 | BMW 760i | MERCEDES S 600 L | VW PHAETON W12 |
| Testverbrauch | 17,9 l Super plus | 17,9 l Super plus | 17,6 l Super plus | 18,1 l Super plus |
| Inspektion | 300 bis 1000 Euro | 300 bis 1000 Euro | 300 bis 1100 Euro | 250 bis 900 Euro |
| Haftpflicht1 | 836 Euro | 902 Euro | 836 Euro | 902 Euro |
| Teilkasko1 | 636 Euro | 383 Euro | 873 Euro | 466 Euro |
| Vollkasko1 | 2426 Euro | 2763 Euro | 4124 Euro | 2049 Euro |
| Kfz-Steuer (Euro 4) | 405 Euro | 405 Euro | 378 Euro | 405 Euro |
| 1) Onlinetarif der HUK24-Versicherung, Zul. in Berlin, Fahrer: Versicherungsnehmer+Partner (30 Jahre alt), jährl. Fahrleistung 15 000 km, Beitragssatz 100 % | ||||
| ERSATZTEILPREISE2 | AUDI A8 6.0 | BMW 760i | MERCEDES S 600 L | VW PHAETON W12 |
| Lichtmaschine | (AT) 780 Euro | (AT) 1069 Euro | (AT) 1464 Euro | (AT) 928 Euro |
| Anlasser | 1448 Euro | 766 Euro | 925 Euro | 1437 Euro |
| Wasserpumpe | 578 Euro | (AT) 409 Euro | (AT) 471 Euro | 578 Euro |
| Zahnriemen | entfällt, Kette | entfällt, Kette | entfällt, Kette | entfällt, Kette |
| Endschalldämpfer (links) | 588 Euro | 722 Euro | 742 Euro | 688 Euro |
| Kotflügel vorn, lackiert | 935 Euro | 928 Euro | 976 Euro | 942 Euro |
| Bremsscheiben und -klötze vorn | 1407 Euro | 491 Euro | 555 Euro | 1111 Euro |
| 2) inklusive Lohnkosten und 19 % Umsatzsteuer | ||||
| URTEIL (Max. 5 Sterne) | * * * * | * * * * | * * * * | * * * * |
| GEBRAUCHTWAGENPREISE (IN EURO) | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| kW/PS | 2005 (57.000 km) | 2004 (72.800 km) | 2003 (88.400 km) | 2002 (104.000 km) | |
| Audi A8 6.0 quattro (Typ 4E) | 331/450 | 56.400 | 47.950 | – | – |
| Audi A8 6.0 quattro Langversion (Typ 4E) | 331/450 | 58.750 | 49.750 | 43.900 | – |
| BMW 760i (Typ E65) | 327/445 | 60.300 | 43.650 | 38.600 | – |
| BMW 760i L (Typ E65) | 327/445 | 62.600 | 45.050 | 39.950 | – |
| Mercedes S 600 L (Typ W 220) | 368/500 1) | 66.200 | 57.500 | 50.600 | 46.400 |
| VW Phaeton 6.0 W12 4Motion (Typ 3D; 4 Sitze) | 309/420 | 50.200 | 41.900 | 36.450 | 31.450 |
| VW Phaeton 6.0 W12 4Motion (3D; lang, 4 Sitze) | 309/420 | 51.850 | 43.650 | 38.500 | – |
| Quelle: EuroTax Schwacke, Stand Dezember 2007, 1) bis 7/2002 mit 270 kW/367 PS | |||||

































