Moderne Autos bieten immer mehr Funktionen, doch nach wie vor sind mobile Navigationsgeräte gefragt. Viele davon können nämlich deutlich mehr als nur navigieren. Sie übernehmen auch Funktionen eines vollwertigen Infotainmentsystems wie zum Beispiel die einer Bluetooth-Freisprecheinrichtung oder das Vorlesen von Whatsapp-Nachrichten. Doch selbst in einem Auto, das bereits voll ausgestattet ist, kann ein Nachrüst-Navi für die Windschutzscheibe hilfreich sein. Denn im Gegensatz zum Navi des Autoherstellers, bieten die meisten Produkte von Garmin, TomTom und Co kostenlose Kartenupdates und viele interessante Zusatzfeatures. 

Test 2022: Das sind die besten Navigationsgeräte (Bestenliste)

AUTO BILD testet fortlaufend Navigationsgeräte. Zuletzt war mit dem DriveSmart 86 das Top-Modell der Firma Garmin im Test. Das Navigationssystem überzeugt nicht nur mit schneller Routenberechnung, stabilem GPS-Signal und praktischen Helfern wie der Spurführungshilfe, sondern auch mit einer Vielzahl an Zusatzfunktionen. Ist das Garmin DriveSmart 86 über die DriveSmart-App mit dem Smartphone verbunden, sind nicht nur Echtzeit-Verkehrsdaten verfügbar, auch Kraftstoffpreise und Wetterdaten werden abrufbar – auch über die Integration von Amazon Alexa. Zusätzlich können Nachrichten vom Smartphone angezeigt und bei Bedarf vorgelesen werden. Wer gerne telefoniert, darf sich über eine integrierte Freisprechfunktion freuen. Das macht aus dem Navi ein echtes Multimedia-System. Kartenupdates sind lebenslang inkludiert und werden via WLAN oder über einen PC installiert. (Zum kompletten Testbericht des Garmin DriveSmart 86 geht es hier.)

Navigationsgeräte-Test


So testet AUTO BILD Navigationsgeräte

Navis raus aus der Verpackung und erst mal auf den aktuellen Software-Stand gebracht. Schon hier beginnt die Bewertung: Wie aufwendig ist der Update-Prozess? Sind Karten-Updates inbegriffen? Danach steht die Bedienung im Fokus, die natürlich möglichst intuitiv klappen soll. Auch Touchscreen und Eingabe müssen flüssig laufen, sonst drohen Abzüge. Anschließend geht es mehrere Stunden im Auto auf die Straße. Hier werden Strecken gewählt, die auf dem eigentlich verkehrsgünstigsten Weg eine Sperrung oder Baustellen haben, sodass die Geräte Alternativ-Routen suchen müssen. Dabei wird ebenfalls auf die Qualität der Navigation geachtet: Sind alle Ansagen eindeutig und früh genug? Gibt es Hilfe bei der Spurführung? Wird die Route schnell neu berechnet, wenn sich Änderungen ergeben? Das Navi darf den Fahrer nicht ablenken, alle Infos sollten auf den ersten Blick erkennbar sein. Genauso sollte die Halterung fest sitzen und das Navi ordentlich einsehbar sein. Zudem müssen die Geräte gegen Google Maps antreten und zeigen, dass sie ähnlich schnell ans Ziel führen wie der Marktführer bei den Navigations-Apps. Auch die Zuverlässigkeit der Assistenzsysteme, eventuelle Zusatzfunktionen sowie die Verarbeitung und nicht zuletzt der Preis fließen in das Ergebnis ein.

Garmin gegen TomTom – wer macht es besser?

Der Markt der Navigationsgeräte hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt: Mit der Pleite von United Navigation sind Marken wie Falk und Becker verschwunden. Das Smartphone macht den Nachrüst-Navis zunehmend Konkurrenz, demgegenüber steht das fest im Auto installierte Navigationssystem. Wer jetzt auf der Suche nach einem geeigneten Navigationsgerät ist, trifft neben vielen China-Produkten vor allem auf zwei Marken: TomTom und Garmin. Die beiden Anbieter haben sich fest am Markt etabliert. AUTO BILD hat jeweils zwei Produkte der Marken miteinander verglichen.
Bei TomTom zeigten sich nur wenige Unterschiede zwischen Premium- und Mittelklasse. Beide Navis, das TomTom Go Essential und das Go Premium, haben die gleiche hochwertige Haptik, einen gleich guten Screen und ähnliche Funktionen. In beiden Fällen sind unter anderem eine Sprachsteuerung, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Smartphone-Benachrichtigungen und Wi-Fi-Updates dabei. Der Preisunterschied liegt hier eher in den Feinheiten: So kann das TomTom Go Premium unter anderem mit Smarthome-Geräten interagieren und bietet weltweite Karten.
Bei Garmin wurden das Drive 52 & Traffic als Einstiegs-Navi sowie das High-End-Gerät DriveSmart 86 ausgewählt. Hier ist der Unterschied in den Preisklassen weitaus größer: Das Basis-Modell konzentriert sich auf die Navigation. Dafür gibt es eine App, die das Gerät mit Daten versorgt und so Live-Verkehrsinfos liefert. Darüber hinaus bietet das Drive 52 aber keine Smartphone-Einbindung. Anders beim DriveSmart 86: Hier sind die Smartphone-Funktionen komplett integriert. Außerdem gibt es eine gute integrierte Sprachsteuerung und die Möglichkeit, mit Amazons Alexa zu arbeiten. Dazu kommt die deutlich hochwertigere Verarbeitung des Premium-Produkts.
Das taugen mobile Navis
Flüssiger Touchscreen: Der Testsieger von Garmin fühlt sich an wie ein Tablet.

Sieger wird das Garmin DriveSmart 86 mit der Note "sehr gut" und 74 von 80 Punkten. Damit hat Garmin die Nase gegenüber TomTom vorn. Und das zu Recht: Das Navi ist sehr hochwertig, läuft flüssig und bietet viele nützliche Funktionen. Es kann in einem schlecht ausgestatteten Auto fast alle Aufgaben eines modernen Infotainment-Systems übernehmen. Allerdings ist der Vorsprung von Garmin recht knapp, denn das TomTom Go Premium – der direkte Konkurrent – bekommt nur vier Punkte weniger und die Note "gut". Die vier Punkte weniger für das TomTom ergeben sich vor allem aus der schlechteren Sprachsteuerung, die nur mit vorgefertigten Kommandos arbeitet und einen während der Fahrt ziemlich schlecht versteht.
Das TomTom Go Essential schneidet ebenfalls mit 70 Punkten und der Note "gut" ab. Dank des vergleichsweise günstigen Preises von rund 150 Euro fährt es zudem den Preis-/Leistungssieg ein. Mit dem großen Funktionsumfang und der hochwertigen Verarbeitung kann das Navi im Test punkten. Nicht ganz so gut fällt auf der anderen Seite das Ergebnis für das günstige Garmin aus: Hier reicht es "nur" für ein "befriedigend" mit 55 von 80 Punkten. Grund dafür ist vor allem der Touchscreen, der einem die Bedienung etwas erschwert. Zudem sieht man beim Go Essential von TomTom, was in dem Preissegment möglich ist, da wirkt das Garmin Drive 52 im direkten Vergleich eher schwach.
Das taugen mobile Navis
Auf der Testfahrt mussten die Navis zeigen, was sie können.
Übrigens: In Sachen Navigation stehen sich die beiden Marken gegenseitig in nichts nach. Alle vier Kandidaten haben es auf der Testroute dank Echtzeit-Verkehrsdaten geschafft, Straßensperrungen und Baustellen zu vermeiden. In allen Fällen kamen wir zur gewünschten Zeit am Zielort an – teilweise sogar vor der von Google Maps prognostizierten Zeit. Alle Navis machen klare Ansagen und beziehen dabei teilweise prägnante Orientierungspunkte aus der Umgebung mit ein, die dem Fahrer die Orientierung noch leichter machen. Mit den Premium-Geräten Garmin DriveSmart 86 und TomTom Go Premium hat man noch einen Vorteil: Sie bieten eine ausführliche Spurführungshilfe, sodass man immer den richtigen Fahrstreifen auswählt.
Fazit von Lena Trautermann: Und? Wer ist nun besser? Schaut man nur auf die Punkte, bekommt Garmin die Krone. TomTom bekommt den dritten Platz und den Preis-/Leistungssieg. Letzten Endes muss das Navi aber zum Nutzer passen. Deswegen sollte man zuvor überlegen, auf welche Funktionen man Wert legt und im Zweifelsfall: ausprobieren. Ans Ziel führen sie alle!