AvD-Oldtimer_Grand-Prix 2013:

AvD-Oldtimer-Grand-Prix 2013 – der Sonntag

— 11.08.2013

Ehrenrunden für Autonarren

Ein Wochenende lang Autos und Rennen. Und immer noch entdecken wir nicht nur Knaller auf der Piste, sondern die ganz speziellen Hingucker im Hintergrund. Wie den Opel GT Made in USA oder den Porsche 911 RSR in Erstbesitz.

Tag drei ist vorbei. Das reimt sich irgendwie. Gutes Stichwort: Irgendwie muss das doch unbequem sein, im Cooper Monaco T49 von 1959 zu sitzen? Dessen putzig kleines Lenkrad scheint vom Kinderkarussell geklaut, seltsam positioniert ist es außerdem, und Fahrer Egon Hofer, klemmt seltsam aufrecht dahinter. Der Österreicher bestätigt den Verdacht auf mangelhafte Ergonomie: „Der Sitz geht kerzengerade runter, so kann man da eigentlich gar nicht sitzen. Ich hab’ mir deshalb für mein Kreuz aus einem Nierengurt ein Sackerl nähen lassen! Drücken’s ruhig mal drauf!“ Er dreht sich um und zeigt seinen Rücken, wir drücken. Tatsächlich hartweich, Herr Hofer – Chapeau! Auch zum 14. Gesamtrang beim gestrigen Abendrennen der „Zweisitzigen Rennwagen und GT bis 1960/61“ gratulieren wir. In seiner Klasse „TSRC 4S: Zweisitzige Rennwagen mit Scheibenbremsen 1.500 – 2.000 ccm“ war allerdings nur ein zweiter Platz drin, und das soll sich heute ändern.

Noch mehr vom AvD-OGP: Berichte vom Freitag und Samstag

Fast wie einst: Le Mans-Start

©Götz v. Sternenfels

Das Rennen beginnt mit einem Le Mans-Start: Die Autos stehen schräg aufgereiht an der Boxenmauer, die Fahrer gegenüber. Beim Startsignal sprinten sie zu ihren Autos hinüber, steigen ein, starten, und fahren davon. Gefährlich ist der Le Mans-Start schon immer gewesen – sein Reiz liegt aber im Ungleichzeitigen. So entert Maximilian Werner seinen Ferrari 250 GT SWB „Breadvan“ um Sekundenbruchteile schneller als alle anderen, und verlässt seine Startposition im Volldrift. Seine Rivalen kommen nach, darunter auch Egon Hofer. Am Ende wird er den 25. Gesamtrang und wieder nur den 2. Platz in der Klasse erreichen. Schade!

Alles nur Autonarren?

Rennfahrer Martin Halussa (Mitte): Gegner auf der Piste, Freunde für Benzingespräche.

©Götz v. Sternenfels

Wie bei allen Rennen gilt auch beim OGP, dass Rivalitäten nur auf, nicht aber neben der Strecke bestehen. Überall stehen Herren in Overalls und unterhalten sich. Aber worüber eigentlich? „About cars, not women!“, also: „Über Autos, nicht über Frauen!“, scherzt Martin Halusa, der an diesem Wochenende einen Maserati 300 S pilotiert. „Wir sprechen über die Rennhistorie unserer Autos und über die Technik – unser fahrerisches Können lassen wir außen vor. So geht das drei Tage lang, dann reicht es aber auch...“ Klingt nach Provinz-Oldtimertreffen mit Benzingespräch, meinen Sie? „Ja, im Grunde ist es nichts anderes“, bestätigt der Engländer. Motorsport-Nostalgiker sind eben auch nur Autonarren.

AvD-Oldtimer_Grand-Prix 2013: Bilder vom Sonntag



Opel GT mit Power: GT Conrero

©Götz v. Sternenfels

Szenenwechsel: Zwischen den Rennen präsentiert Opel die Legenden seiner Motorsport-Geschichte – der älteste Bolide ist genau 110 Jahre alt, und vom Steinmetz-Commodore bis zum Rallye-Ascona von 1983 ist alles dabei, was in Opels Renngeschichte Rang und Namen hat. Einer klingt besonders wild: Der Opel Conrero GT, die erfolgreiche GT-Rennvariante eines italienischen Tuners, mit Klassensiegen bei der Targa Florio 1971 und 1972. So legendär ist der Conrero in GT-Kreisen, dass Gil Wesson, amerikanischer Opel GT-Teilehändler, sich eine Replik baute. Maße nahm er vom einzigen Originalfahrzeug, das dem Belgier Maurice van Sevecotte gehört. Das Ergebnis: Eine (fast) perfekte Kopie. Ein voller Erfolg, der Conrero-GT brachte es in der Szene schnell zu einiger Berühmtheit. Außerhalb auch: "Ich hatte ja das Conrero-Auto mit der Startnummer 43 nachgebaut, aber dabei eines nicht bedacht: Die weiße Startnummer 43 auf blauem Grund steht in Amerika für den Nascar-Fahrer Richard Petty – und wo immer ich das Auto nun ausstellte, bekam ich zu hören, dass Petty doch nie einen GT gefahren ist...." Gils Conrero-Replik weilt nun als Dauerleihgabe bei Opel Classic in Rüsselsheim. Eines freut den Kalifornier aber besonders: „Wie man mich und mein Auto hier in Deutschland empfangen hat, das war einfach unglaublich!"

Ein Rennsport-911 RSR in erster Hand

Hans-Peter Ziegler liebt seinen 911 RSR seit 40 Jahren.

©Götz v. Sternenfels

Eine ganz andere Fahrer-Auto-Beziehung haben wir in einem der Fahrerlager-Zelte entdeckt. Hans-Peter Ziegler will gerade seinen Porsche 911 Carrera 2,8 RSR aufladen. Es ist Nummer 45 von 49 je gebauten Renn-Elfern, Ziegler kaufte ihn 1973 neu. Noch im selben Jahr nahm er am 1000 km-Rennen auf dem Nürburgring teil, fuhr in der Deutschen Rennsport-Meisterschaft und setzte den Wagen bei Bergrennen ein. Irgendwann stellte Ziegler sein Renngerät in die Garage und aktivierte den Rennwagen erst vor wenigen Jahren wieder – Verkaufen kam nie in Frage. „Die Sportkommissare haben bei der Fahrzeugabnahme ganz schön blöd geguckt, als sie meinen uralten Wagenpass gesehen haben“, lacht der Architekt. „So ein Auto zu haben bringt aber auch einige Probleme mit sich. Zunächst mal ist er so original, dass ich ihn nicht nach den aktuellen Sicherheitsrichtlinien umbauen will, weil das zu viel von der Originalsubstanz zerstören würde. Zum Beispiel ist nur ein Überrollbügel drin, ein Käfig wäre aber Vorschrift. Eine Abweichung vom Urzustand habe ich mir aber erlaubt: Die vordere Leichtbau-Haube habe ich durch ein Kunststoff-Teil ersetzt, weil ihr Alublech so dünn ist, dass jeder Steinschlag Spuren hinterlässt.“ Immerhin konnte Ziegler beim Tourenwagen-Revival einige Runden drehen, was seinem Auto nicht geschadet haben dürfte.


Autor: Frederik E. Scherer

Fotos: Götz v. Sternenfels, Götz v. Sternenfels

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.