Feine V8-Schlitten

Lincoln Continental Mark IV Mercedes 280 SE Coupé W 111 Rolls-Royce Corniche Two Door Saloon

Luxus-Coupés der 70er im Klassik-Test

— 21.10.2013

Bahn frei! Die Bosse kommen!

Paläste auf Rädern. Blech-Burgen. Namen, die Respekt einflößen. Luxus, der einst unerschwinglich war. Egal, im Test zählt nur, was die vier Superwagen wirklich können.

Was hier fährt, ist Luxus im Quadrat. Nicht einfach nur Oberklasse, sondern obendrein auch noch Coupé, die – neben dem Cabrio – typischste Erscheinungsform automobilen Überflusses. Der Luxus ist allerdings "a. D." (außer Dienst). Will sagen: Im rüstigen Rentenalter wird nicht mehr alles so heiß gegessen wie in der Jugendzeit gekocht. Da ist zuallererst der Preis. Einst exorbitant hoch, war er Garant dafür, dass sich nur eine Minderheit ein solches Prachtstück leisten konnte. Vor 40 Jahren galt der Rolls-Royce Corniche Two Door Saloon für 144.000 Mark – ein Opel Diplomat, ebenfalls mit V8, kostete nur 24.000 Mark – als unerhörte Anschaffung, der normalen Autowelt um Lichtjahre entrückt. Heute ist das nicht mehr so. Als Oldtimer ist zumindest der Kauf auch für Normalverdiener nicht mehr unerschwinglich. Was an Folgekosten hinterherkommt, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Da schweben sie würdevoll aus unserer Geschichte, die Kronjuwelen des Automobilbaus der 70er-Jahre.

©S. Krieger

Zweiter Punkt: Was gestern Luxus war, ist längst von modernen Fertigungstechniken und Erfindungen ausgehebelt worden – zumindest, wenn man die Maßstäbe von Neuwagenkäufern anlegt. Oldtimerfreunde pfeifen darauf. Ihnen ist der historische Wert wichtiger, ganz zu schweigen von der Fähigkeit dieser Autos, ein Lebensgefühl zu inszenieren und eine Geschichte zu erzählen. Als Gebrauchtwagen können solche jahrzehntealten Luxusschlitten schal wirken. Feine Selbstironie ist gefragt, um dem Status einer welken Nobelkarosse gewachsen zu sein. Schlüpfen Sie entspannt in die wunderbare Welt des Wohlstands, während wir die Wagen auf dem Testparcours mit Stoppuhr, Maßband und per Popometer prüfen.

Luxusklasse: Giganten der Automobilgeschichte

Das große Mercedes-Coupé 280 SE 3.5 tanzt recht gelenkig um die Hüte – im Vergleich zumindest.

©S. Krieger

Wir küren ja immer einen Sieger. Das tun wir auch diesmal – aber ungern, denn nach unseren "lokal-europäischen" Kriterien werden die Amerikaner klar abgehängt. Sorry, folks, in Germany sind die Straßen einfach zu eng und zu kurvig. Wenn wir diesen Test in den USA gefahren und bepunktet hätten, fiele das Ergebnis anders aus. Also für die Amerikaner im Geiste unter unseren Lesern: Seid getröstet, Cadillac und Lincoln sind fantastische Schiffe, extrovertiert, riesig, ultrabequem, technisch höchst fortschrittlich. Und wenn es auch hier und da an Materialien, Finish oder Haptik hapert, Freude machen sie dennoch. Nun bleibt uns nichts anderes übrig, als feierlich unsere Doppelspitze bekannt zu geben: Rolls-Royce Corniche Two Door Saloon und Mercedes W 111 Coupé. Beide verkörpern alte Tugenden Europas. Show ja, aber mit Maß und Substanz. Während der Royce eine unerhörte Detailqualität, famose Handwerkskunst und Finesse in die Schlacht werfen kann, ist es bei Mercedes das freudvolle Fahrerlebnis. Der Benz hat Groove, er macht Spaß, sogar wenn es mal nicht geradeaus geht. Er ist der Einzige, der uns nicht komplett vom Fahren abkoppelt und realitätsverlustig wie in einer Raumkapsel davonschweben lässt. Er pflegt die bodenständige Normalität eines Alltagsautos, wenn auch in eleganter Form. Wenn Sie sich nicht entscheiden können zwischen den beiden: Der Royce ist nicht ganz so teuer wie der Benz, jedenfalls in der Anschaffung. Für den Rest übernehmen wir keine Garantie.
Die Punktewertung Mercedes 280 SE Rolls-Royce CornicheGiulia Cadillac Eldorado Lincoln Continental
Spaßfaktor
Temperament 8 6 7 8
Sound 5 6 8 8
Handling 6 3 3 2
Zwischenergebnis 19 15 18 18
Kuschelfaktor
Sitze 8 10 6 5
Federung 7 9 8 8
Platzangebot 6 5 8 8
Zwischenergebnis 21 24 22 21
Neidfaktor
Qualität 9 10 5 4
Design 8 7 7 5
Image 9 10 8 6
Zwischenergebnis 26 27 20 15
Gesamtergebnis 66 66 60 54
Autor:

Bernhard Schmidt

Fazit

Spaß hat’s gemacht, die Besten von damals zu fahren, und zwar ausnahmslos bei allen. Die Amerikaner spielen große Oper, der Rolls-Royce ist ein klassisches Meisterwerk, der elegante Mercedes passt, ganz bodenständig, am besten in den deutschen Alltag. Für die einen eine Investition, für die meisten zu teuer. Leider.

Fotos: S. Krieger

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