Mercedes 260 E

Mercedes 260 E Kat

— 25.10.2010

Es muss nicht der 300er sein

AUTO BILD Archiv-Artikel 27/1986: 260 war immer schon eine gute Zahl. 260 n. Chr. baute man in Palmyra den Sonnentempel des Baal, die Alemannen wanderten in die Schweiz ein. Dank Mercedes ist 260 noch heute eine gute Zahl.

4140 Exemplare des 260 E wurden in den ersten vier Monaten dieses Jahres ver­kauft. Sein kleinerer Bruder hingegen, der 230 E, stürmte in diesem Zeitraum auf 12.006 Zulassungen. Die gute Zahl von Mercedes scheint also nur in Kenner-Kreisen bekannt. Das eher mittelmäßige Abschneiden des 260 E innerhalb der Mercedes-Mittelklasse hat logische Gründe und solche, über die spekuliert werden darf. Von unten drängelt der um 5495 D-Mark günstigere 230 E, von oben wirft der 180 (Kat) PS starke Merce­des 300 E einen langen Schatten auf seinen 20 PS schwächeren Kameraden. Dass der 260 E dieses unscheinbare Dasein fristet, hat etwas mit dem Ruf beziehungs­weise dem Ansehen zu tun – Fachleute nennen es "Image".

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Erklärung: Mercedes 300. Das steht nach wie vor für Glanz und Glamour. Es ist eine Marke für Macht und den wirtschaftlichen Erfolg der fünfziger Jahre. Adenauer lässt grüßen. 260 E indes riecht heute nach Manager, der es noch nicht ganz bis an die Spitze ge­schafft hat. Auf dem Papier bietet der 260 E genau 363 Kubikzentimeter weniger Hubraum und etwas weniger Drehmoment als der 300er. Der Unterschied ist aber in der Pra­xis kaum spürbar. Obwohl die gefahrene Version mit PS-schluckenden Extras, Katalysator und automatischem Vierganggetriebe aus­gerüstet war, erreichte der Wagen eine er­staunliche Höchstgeschwindigkeit von 217 km/h. Keine Frage, dass es sich bei dem Werkswagen um ein besonders gut gehen­des Exemplar handelte, das man jedem Normalkunden nur wünschen kann.

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Der Spurt bis Tempo 100 wurde in 9,2 Sekunden erledigt, ein Kilometer mit stehendem Start schaffte er in 30,5 Sekunden. Fast so schnell wie ein vergleichbarer 300 E. Doch nun mal die Stoppuhr beiseite gelegt und Fahreindrücke gesammelt. Der 260 E ist ein Wagen fürs souveräne Reisen. Flott gefahren über die Autobahn, versprüht er die für Daimler typische Geborgenheit – sicher und satt. Der Abgasreiniger unterm Boden­blech, der über 90 Prozent der Schadstoffe beseitigt, ist das beste Argument gegen Tempolimit, und an der Zapfsäule muss kein allzu hoher D-Zug-Zuschlag bezahlt wer­den. Über 14 Liter werden es auch bei Dauervollgas nie. In Sachen Geräuschentwicklung hat Mercedes wieder mal den Maßstab nach oben gesetzt.

Perfekt: die Geräuschdämmung

Die lautesten Töne – abge­sehen vom Klatschen der Fliegen an die Frontscheibe – werden durch das Knirschen im Innenraum erzeugt. Geräusche, die ganz sicher jedes Auto hat. Die aber bei diesem Wagen nur deshalb überhaupt vernehmbar sind, weil alles drumherum so still ist. Weitere Details, die einen Mercedes ausmachen, sind perfekt sitzende Gurte mit verstellbarem Umlenkpunkt und automatischem Gurtstraffer, passende Kopf­stützen und das übersichtlichste Armatu­renbrett aller Serienmobile. In punkto Si­cherheit betreibt man beim Daimler einen viermal größeren Aufwand, als es der Gesetzgeber verlangt. Zahlreiche Längs-und Querträger sorgen dafür, dass der Innenraum bei einem Unfall möglichst unversehrt bleibt.

Einziger Wermutstropfen: der Preis

Der Mercedes 260 E – das Superauto ohne Mängel? Nicht ganz. Der Einarmwischer, der beim Drehen gleichzeitig noch eine Hubbewegung macht, entpuppt sich als Zappelphilipp und neigt zum Schlieren. Der linke Außenspiegel ist zu klein, die Sit­ze vorn könnten mehr Seitenhalt gewäh­ren, und hinten wird es für drei Personen eng. Der größte Nachteil aber ist der Preis: 47.082 D-Mark, inklusive geregeltem Katalysator und Automatik – soviel wie drei VW Golf. Aber wer geht schon zu McDonald's, wenn er im Schlosshotel schlemmen kann. Und die Rechnung an­schließend dem Steuerberater schickt.

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Autor: Karl-August Almstadt

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