VW Käfer 1200 L: Oldtimer-Garagenfund — 02.07.2010
Der Dornröschen-Käfer
Einmaliger Garagenfund in Hamburg: 34 Jahre stand ein VW Käfer 1200 L in der Garage. Sein Besitzer hatte den Wagen nur als Platzhalter gekauft – um den Stellplatz nicht zu verlieren.
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Im Werfelring sucht sich der VW-Mann einen Parkplatz, klingelt an einem Reihenhaus mit der Nummer 70 G, der Wohnung von Hans-Ulrich Groffmann. Der 48-Jährige lebt dort seit 1962 mit Frau und zwei Kindern. Ein Auto hatte die Familie bisher nicht. Sie wollte nie eins. Die Garage ist voller Fahrräder, und das ist ein Problem. "Garagen mussten mit Autos belegt sein, um diese von der Straße zu bekommen", erinnert sich Hans-Dieter Groffmann, der Sohn. Doch sein Vater will kein Auto, es folgt ein heftiger, langer Briefwechsel zwischen Eigentümergemeinschaft und dem streitbaren Revisor, der beim Mineralölkonzern BP arbeitet. Es soll alles seine Ordnung haben in der heute rund 50 Jahre alten Siedlung, damals noch ein wenig mehr als heute. Also kauft sich Groffmann beim Händler Raffay einen gerade vorrätigen Käfer. Als Platzhalter, um seine Garage nicht zu verlieren. Kurzentschlossen fährt er zum VW-Händler und unterschreibt einen Kaufvertrag. Preis inklusive Extras wie beheizbarer Heckscheibe, Kraftstoffvorratsanzeige, Beifahrerhaltegriff mit Kleiderhaken, abblendbarem Innenspiegel, Zwölf-Volt-Anlage, Beifahrersonnenblende und abschließbarem Tankdeckel: 6125 Mark.Nach dem Käferkauf kehrt Frieden ein im Mikrokosmos Werfelring. Groffmann hat jetzt ein Auto, niemand regt sich mehr über Fahrräder in seiner Garage mit dem damals himmelblauen Tor auf, das aussieht wie alle 59 anderen auch. "Es gab damals sogar Ärger, wenn jemand dieses nicht im vorgeschriebenen RAL-Farbton gestrichen hatte", sagt ein Mann, der seinen Namen nicht nennen will. Wer Dunkelstatt Hellblau wählt, ist ein Rebell, Holzimitat gilt als Revolution. Hans-Ulrich Groffmann passt nicht in diese backsteingewordene Reißbrett-Idylle aus Häuserriegeln, Garagenreihen und Gemeinschafts-Grünflächen. Er ist in ganz Europa unterwegs, prüft Tankstellen. Sein Haus ist als einziges in der Reihe von Efeu umrankt, noch heute sind Wurzelspuren im Mauerwerk. "Er war eine Art Eremit", sagt Nachbarin Irmgard Frank, die immer für 2,50 Euro Mähgeld pro Haus die zusammenhängende Rasenfläche vor den Terrassen kürzt. "Als hier alle gemauerte Begrenzungen wollten, wollte Herr Groffmann lieber bei Eternit-Wänden bleiben", sagt sie über ihren Nachbarn.
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Irgendwann lassen sich die Groffmanns scheiden, Hans-Ulrich lebt allein in dem 70 Quadratmeter großen Reihenhaus. Anwohner wissen heute kaum etwas über den einsamen Mann mit dem orangefarbenen Auto. Ulrich Bauche sitzt auf einem Dreibeinschemel, pflanzt Stiefmütterchen. Von dem Garagenstreit hat er nichts mitbekommen – obwohl er seit 1962 hier lebt. "Man kennt eigentlich nur die Leute aus der eigenen Hausreihe", sagt der 82 Jahre alte promovierte Kulturwissenschaftler, während zwei Mädchen mit Geigenkästen auf den Rücken an ihm vorbeiradeln. Vor den Garagenreihen steht ein Schild: "Nur Pkw", ist da zu lesen, auch im Jahr 2010 noch. Man hat das Gefühl, dass hinter den tristen Toren noch ein weiterer Schatz schlummern könnte. Weil in jede Garage nun mal ein Auto gehört. Das war schon immer so hier im Werfelring.
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Kommentare zum Artikel (15)
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Ist er verrückt? 1984 war das letzte deutsche Auto 9.990 DM verkauft
Toll, so einen Fund zu machen, aber die 24.900 Euro finde ich als überbewertet! Fuhr selbst in jüngeren Jahren einen Mexiko-Käfer Baujahr 1978, der natürlich kein Made in Germany mehr war! Dünneres Blech und schnellere Rostbildung! Trotz alle dem ist und bleibt der 1200L ein richtiges Start-und Fahrauto, wenn man(n) einen guten Gebrauchten erwischt! Es gibt keine bessere Möglichkeit eine Zeitreise in die Vergangenheit zu machen und die anderen Werte kennenzulernen, die sich nicht in Zahlen ausdrücken lassen!
Heinrich, 45 aus Wien
24000 Euro würde das Auto auch heute kosten wenn es so gefertigt würde wie vor 36 Jahren. Das entspricht einer Preisteigerung von 5,88% pro Jahr. Umgerechnet auf die Gehälter müßte ein Facharbeiter heutzutage im Fahrzeugbau anstatt etwa 1500 DM netto im Jahr 1974 etwa 5866 Euro netto pro Monat verdienen. Aber das verdient er wahrscheinlich nicht mal brutto.
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