Alpina B7, B10 auf BMW 5er
Alpina: Vermächtnis des BMW-Veredlers aus dem Allgäu

Gern hätten wir diese Geschichte zu einem freudigen Anlass gebracht. Nach seinem Tod blicken wir auf das Vermächtnis von Alpina-Gründer Burkard Bovensiepen zurück.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Alpina hat sich vom BMW-Tuner mit Werks-Support über die Jahre zum eigenständigen Hersteller entwickelt. Der 5er aus Buchloe legte den Wandel von einzelnen Upgrade-Komponenten zum Komplettfahrzeug hin.
Und dieses Prinzip startete mit unserem ersten Patienten des heutigen Tages: dem B7 Turbo auf Basis der E12-Baureihe von BMW. Als Grundlage wählte man den 528i mit dem M30-Reihensechszylinder. Dessen bis zu 184 PS waren aber natürlich bei Weitem nicht genug, weshalb Entwicklungsleiter Fritz Indra die Brennräume vergrößerte und einen KKK-Turbolader beim Hersteller speziell nach Alpinas Bedürfnissen konstruieren ließ.
Der Lader arbeitet mit einem variablen Ladedruck zwischen 0,55 und 0,85 Bar, der über ein Drehrad in der Mittelkonsole einstellbar ist. Im Schongang sind so 250 PS drin, bei vollem Boost glatte 300. Wir haben jedoch eine spätere S-Version unter dem Hintern, bei der der Ladedruck bei Minimum und Maximum noch mal um je 0,05 Bar angehoben wurde.

Kunstwerk: Der Alpina-eigene E12 mit der Nummer 49 von insgesamt 60 gebauten steht nach einer Teilrestauration da wie aus dem Ei gepellt.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Das und vor allem der nun 3,5 Liter große Sechszylinder machten den B7 S Turbo zum legitimen Supersportler-Schreck. Ein zeitgenössischer Ferrari 308 hatte gegen den B7 nicht viel zu melden – weder in Sachen Beschleunigung noch beim Topspeed. Auch das Fahrwerk stand der Leistung nicht im Weg: Bilstein-Komponenten, rundum innenbelüftete Scheibenbremsen und Mischbereifung waren eine Ansage in der biederen oberen Mittelklasse. Von einer Power-Limousine hatte ja zu diesem Zeitpunkt noch kaum jemand gehört.
Holpriger Start des Power-5er
Und so mussten auch die Kunden erst mal an die Sache herangeführt werden. 209 Autos verkaufte Alpina in vier Jahren, davon nur 60 des stärkeren S. Vom Nachfolger auf E28-Basis sollten es in sechs Jahren zumindest 855 Autos werden. Basis war immer noch der M30-Zweiventiler, allerdings deutlich überarbeitet und mit mehr Grundleistung, wodurch nun 0,7 Bar Ladedruck für die angestrebten 300 PS reichten. Beide Autos fahren sich so ähnlich, wie es ihre Grundform vermuten lässt.
Der E28 als – sorry, BMW – großes Facelift wirkt moderner, aber auch nur wegen der weniger barocken Einrichtung. Mit seinem Dogleg-Getriebe von Getrag versprüht er zudem diesen gewissen Tourenwagen-Charme, den Alpina in dieser Zeit nachdrücklich pflegte. Die Fahrwerke fallen beide für heutige Verhältnisse weich aus, damals war das wahrscheinlich unverschämt sportlich. Der Eintauchwinkel im Slalom ist aus heutiger Sicht jedenfalls abenteuerlich. Dafür überfällt der Turbo-Schub die Hinterachse erst gar nicht und dann umso schlagartiger – auch eine Eigenschaft der Zeit, wie wir sie in so einem Auto gar nicht anders haben wollten.

Seltenes Kraftpaket: Von den frühen B7 mit 300 PS entstanden 236 Exemplare. Dieses Kundenauto ist die Nummer 60.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Der große Sprung folgte mit der komplett neu konstruierten E34-Generation. Steifer, schwerer, größer, brauchte er vor allem mehr Leistung für ebenbürtige Fahrwerte und ein harmonischeres Ansprechverhalten. Über Jahre lieb gewonnene Eigenheiten blieben aber erhalten – etwa das Drehrad für den Ladedruck und erstmals auch ein Knopf, um die neue Traktionskontrolle auszuschalten.
Sobald wir uns in die liebevoll verzierten Sportsitze fallen lassen, sind wir zu Hause. Das Leder riecht noch immer ein wenig nach Neuwagen, und der zum Fahrer hin geneigte Armaturenträger präsentiert sich tadellos. Ein Blick auf Typenplakette und Kilometerzähler verrät uns auch, warum: Alpina hat für uns sein hochheiligstes Museumsstück aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Dieser B10 Biturbo trägt die Produktionsnummer 507 und ist damit das letzte je gebaute Exemplar seiner Gattung – mit nahezu unglaublichen 9679 Kilometern auf der Uhr.

Schnelle Schönheit: Trotz seiner Länge von über 4,70 Metern wirkt der E34 sehr filigran. Die 17-Zöller in den Radhäusern erscheinen im heutigen Kontext größer. In 5,6 Sekunden sprintet der B10 Biturbo auf Tempo 100, seine 291 km/h reichten einst zum Titel "schnellste Serienlimousine der Welt".
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Sentimentale Ausfahrt
Wir drehen den Zündschlüssel, und der 3,4 Liter große Reihensechser erwacht tief grummelnd zum Leben. Ein Blick auf den hölzernen Schaltstummel lässt uns kurz stutzen. Diesen kleinen silbernen Nupsi links neben dem Schaltsack kennen wir doch. Schneller Check: Ja, das ist dieselbe Art der Sensorstab-Wegfahrsperre, wie sie Peugeot Mitte der 90er auch im 306 verbaut hat. Woher ich das so genau weiß, fragen Sie? Ein 1996er 306 1.6i war mit 18 Jahren mein allererstes Auto. Solch einen Entsperr-Stab habe ich jahrelang in der Hosentasche spazieren getragen.
Genug der Sentimentalitäten, Kupplung treten und nach links vorn mit dem ultrakurzen Schaltstummel. Nach kurzem Widerstand rastet der erste Gang ein. Stimmt, so in etwa fühlte sich auch die Schaltung von Papas 5er an, als der Autor im Alter von acht Jahren fasziniert die Gänge durchschaltete – freilich nur im Stand und unter Aufsicht, aber schon damals wurden BMW-Getriebe zum Inbegriff sportlichen Schaltens. Und daran hat sich auch 32 Jahre später nichts geändert.

Beginn der Moderne: Das große Airbag-Lenkrad mit dem unnatürlich dezentralen Alpina-Logo versprüht den Charme der späten 80er, blaue Instrumente als Erkennungsmerkmal, Wurzelholz gehört in Buchloe aber immer noch zum guten Ton.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Auf der Fahrt zur Fotolocation lautet das Motto: Behutsam einfahren, erst mal alles auf Betriebstemperatur bringen, bevor der Über-5er zeigen darf, was er wirklich kann. Und das ist auch heute noch einiges: Die Beschleunigung ist, gelinde gesagt, einfach irre. Nicht dass ein aktuelles Modell nicht schneller wäre, doch im E34 fühlt sich alles wesentlich urwüchsiger, mechanischer an, oder – wenn Sie so wollen – männlicher.
"Authentische Fahrfreude" bringt es wohl am besten auf den Nenner. Der B10 spricht mit seinem Fahrer; das mechanische Einrasten der Gänge, die leicht beunruhigenden Mahlgeräusche der Servolenkung bei vollem Einschlag oder das charakteristische Pfeifen der beiden Garrett-Lader sind flüchtige, aber reproduzierbare Zeugen dafür, dass Autos sehr wohl eine Seele haben.
Moderner Touring
Die hat auch der von Traditionalisten ob seiner modernen Elektronik gern schief angeschaute E39. Besonders dieser, denn seine 686 Kilometer auf dem Zähler sind nicht zurückgedreht oder hingephotoshoppt. Sein Grundmotor entstammt dem BMW 540i, die bisher übliche Aufladung wurde jedoch durch Hubraum ersetzt – im Falle unseres späten S-Modells ganze 4,8 Liter.
Der Alpina-Motor sollte später sogar mit 481 PS im Roadster V8 stecken und als Inspiration für einen Serien-BMW dienen: den X5 4.6 iS. Auffällig am S sind zudem die bildschönen 19-Zoll-Felgen mit Radschraubendeckel, um deren Abrollverhalten herum das Fahrwerk entwickelt wurde. Aber: Die Automatik raubt ihm trotz der Switch-Tronic-Tasten ein ganzes Stück Sportlichkeit, sodass der Alpina-5er mit ihm endgültig zum schnellen Gleiter mutiert.

Bruch mit der Tradition: Im Facelift-Modell des Alpina B10 S sorgt anfangs ein 4,4-Liter-V8 für 375 PS.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Mit der Zeit wandelten sich auch Alpinas 5er und gingen mit dem Trend. Von den ungehobelt-brachialen und Turboloch definierenden B7 über den mittlerweile ikonischen B10 Biturbo bis hin zum komfortaffinen B10 V8 S hat jeder seinen Charme. Mein klarer Favorit: das rollende 80er-Jahre-Schulterpolster-Sakko namens E34.
Fazit
Mit der Zeit wandelten sich auch Alpinas 5er und gingen mit dem Trend. Von den ungehobelt-brachialen und Turboloch definierenden B7 über den mittlerweile ikonischen B10 Biturbo bis hin zum komfortaffinen B10 V8 S hat jeder seinen Charme. Mein klarer Favorit: das rollende 80er-Jahre-Schulterpolster-Sakko namens E34.
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