Donald Trump kaufte Mercedes SL (R 107)
Warum will niemand Trumps Mercedes kaufen?

Seit bald zwölf Jahren steht er bei einem Händler in Deutschland: der Mercedes 560 SL, den Donald Trump 1987 für Ivana kaufte. Warum nimmt ihn keiner?
Bild: Uwe Anspach/dpa
Inhaltsverzeichnis
Auf dem US-Wunschkennzeichen aus Florida steht "Ivana 1". Im Ordner mit den Fahrzeugpapieren: ein Brief von Ivana Trump (1949–2022) an den Käufer ihres Autos – mit Unterschrift und handgemaltem Smiley. Auf die Garantiekarte wurde am 15. Juli 1987 mit Schreibmaschine der Käufer des Autos getippt: Donald Trump, 225 Fifth Avenue, New York. Im Fahrzeugbrief stehen Ivanas Adresse in Palm Beach – und die Adresse des Käufers: "Waghäusel, Germany".

Als Erstkäufer steht Donald Trump auf der Garantiekarte.
Bild: Baz Dream Cars
Elf Jahre ist es her, dass Baris Baz für den Oldtimerhandel seines Vaters, Abdulkadir Firat Baz, aus der Kreisstadt Waghäusel bei Karlsruhe (Baden-Württemberg) den Mercedes 560 SL in Palm Beach (Florida) kaufte. Sein Händlerkollege Tony Rienzi hatte 2014 den Verkauf für Donald Trumps damalige Ehefrau vermittelt. Firat Baz und sein Sohn Baris holten den Mercedes SL mit V8 und 231 PS nach Deutschland – um ihn in ihrer Firma "Baz Dream Cars" zu verkaufen. Aber seit fast zwölf Jahren hat ihn niemand gekauft.

Baris Baz (links) und sein Vater, Firat, haben den SL 2014 von Ivana Trump gekauft.
Bild: Baz Dream Cars
Was ist da schiefgelaufen? "Ich habe mich nicht proaktiv darum bemüht", sagt Baris Baz. "Viele haben sich gemeldet und wollten mich aushorchen, was ich haben will, aber so gut wie keiner hat ein Angebot abgegeben." Nur zwei Interessenten hätten konkrete Beträge geboten, einer 100.000, einer 110.000 Euro. Nicht schlecht, die Firma Baz hatte damals nach eigenen Angaben rund 40.000 Euro bezahlt, dazu kamen die Kosten für Transport, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer. Aber eben nicht das, was Baris Baz sich vorgestellt hat.

Der Brief an den Käufer samt Smiley stammt von Ivana Trump.
Bild: Baz Dream Cars
Wie viel möchte er denn für Ivana Trumps Mercedes haben? "Ich kann mir nichts vorstellen", gibt er zu, "weil es so viele prominente Referenz-Oldtimer gibt, die allesamt verrückte Erlöse erzielt haben. Ich will nicht wie ein gieriger Hund wirken, aber ich will auch nicht zu wenig fordern. Es war und ist eine once-in-a-lifetime opportunity", eine Gelegenheit, wie sie nur einmal im Leben kommt, "für jeden Oldtimerhändler auf dieser Welt. Aber es hat mir noch niemand ein once-in-a-lifetime-Angebot gemacht." Das Auktionshaus Bonhams bot ihm mal an, den SL zu versteigern, aber sie wurden sich über die Konditionen nicht einig.

Die US-Modelle des SL haben riesige Stoßstangen sowie andere Scheinwerfer und Rückleuchten.
Bild: Baz Dream Cars
Der Papst-Golf, den der spätere Papst Josef Ratzinger mal besessen hatte, brachte 2005 knapp 190.000 Euro ein. "Und das war nur ein runtergerittener Golf 4 mit fünf Besitzern, den würden sie allenfalls Ihrer Tochter zum 18. Geburtstag schenken", sagt Baris Baz.
Experte Marius Brune von der Firma Classic Data vergleicht Ivana Trumps Mercedes SL eher mit dem 560 SL aus dem gleichen Baujahr, den Sean Penn einst Madonna geschenkt hatte und in dem auch Michael Jackson mal zu sehen war. Der wurde 2014 für knapp 70.000 Euro versteigert. Ohne Promi-Bonus ist so ein 560 SL in Zustand 2 laut Classic Data rund 36.500 Euro wert. "Mehr als das Doppelte dürfte er mit dem Promi-Bonus bringen", schätzt Brune. "Aber mehr als das Dreifache? Vielleicht findet sich ein Käufer, der das ausgibt."
Brune gibt zu bedenken, dass es in den USA viel mehr Trump-Fans gibt als in Deutschland. In Florida könnte man den Wagen deshalb teurer verkaufen als in Waghäusel. Also "Kiste in den Container und rüber"? Das ist ja auch wieder mit Kosten und Risiken verbunden.

US-Fahrzeugbrief ("title") mit Eintrag "TRUMP IVANA M" – ihr zweiter Vorname ist Marie.
Bild: Baz Dream Cars
Was für ein Gefühl ist es, ein Auto von Ivana Trump zu besitzen, das Donald Trump ihr gekauft hat? "Ich bin 48, ich bin mit Trump aufgewachsen. Seine Apprentice-Show habe ich damals gesehen. Trump war ein Name. Ich sehe das nüchtern, ich bin Kaufmann. Ich will da keine politischen Ansichten reinbringen. Er ist einfach mega-prominent. Wir als Händler leben davon."
Die Geschichte dieses Mercedes der Baureihe R 107 kann Baz mit Dokumenten belegen, betont er. Der Käufer würde alle Unterlagen bekommen und das Briefchen von Ivana und ihre Nummernschilder natürlich auch. 11.612 Meilen hatte der SL laut den Unterlagen beim Kauf erst runter, keine 19.000 Kilometer, und seitdem sind kaum welche hinzugekommen.
Der Mercedes sei immer noch aus erster Hand, weil er noch nicht in der EU zugelassen wurde, aber er sei zulassungsfertig. Die Beleuchtung hat Baz allerdings bisher nicht umrüsten lassen.
Der Lack in "Barolo-Rot" (Code 540) ist großenteils noch der erste; ein Kotflügel wurde mal zerknautscht, die Trumps ließen ihn austauschen und beide Kotflügel, Kühlerversteifung und Motorhaube beilackieren. Vom Leder im Farbton "Dattel" hat die Familie Baz die Sitzbezüge gegen neue tauschen lassen – "die alten haben wir aber aufbewahrt, die gibt es dazu".
Auch wenn der Trump-Mercedes seit bald elf Jahren fast nur steht, sagt Baris Baz immer noch: "Dieses Auto ist ein wahnsinniger Glücksfall."
Kommentar
Mit dem Mercedes R 107 aus der Familie Trump geht es mir wie mit dem BMW M1 von Roger Waters: Ich möchte ihn nicht haben. Wenn ich Oldtimer fahre, möchte ich mich gut fühlen – und nicht an jemanden denken, der meine Lebensqualität schon lange beeinträchtigt und der anderen Menschen noch deutlich Schlimmeres angetan hat.
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