Einzelstück ab Werk: Porsche 928 Flachbau mit 944-Scheinwerfern
Warum hat Porsche diesem 928 die Augen operiert?

Ein 928 ohne die berühmten Froschaugen – das hat das Porsche-Werk selbst so umgebaut! Warum und was sie noch alles verändert haben, erfahren Sie hier!
Bild: Roman Rätzke/Broad Arrow Private Sales
Der Porsche 928 war 1977 ein Schock. So ein Autodesign hatte die Welt noch nicht gesehen: glatt und mächtig, ohne Stoßstangen oder Dekoration, stark und auf ungewohnte Weise schön.
Wobei nicht jeder Betrachter oder potenzielle Kunde mit jedem Detail einverstanden war. Allein diese Scheinwerfer: Dem einen sahen sie ausgeklappt zu froschig aus, dem anderen eingeklappt zu fischig. Warum glotzen sie in den Himmel, wenn sie aus sind, wie ein toter Fisch in der Fischtheke?
Dr. Alfons Kirchen hatte 1989 eher ein Enten-Problem damit: "Ich traue es mich kaum zu sagen, aber mich erinnerten die hochgeklappten Scheinwerfer immer an die Lampen des Citroën 2CV. Oder an umgestürzte Kaffeetassen. Deshalb wollte ich die verdeckten Klappscheinwerfer." Die war er auch gewohnt: Vor diesem 928 hatte er Porsche 944 und 944 Turbo gefahren.
Die Augen des Porsche 928 gefielen nicht jedem
Deshalb wurden die Leuchten 1989 aufwendig umgerüstet. Das Irre daran: Das hat nicht etwa ein Tuner gemacht, sondern das Werk selbst! Noch irrer: Das war kein interner Entwurf für eine Design-Alternative, sondern Kunden konnten das so ab Werk bestellen.

Die Scheinwerfer klappen nicht – wie beim Porsche 928 üblich – aus der Rückenlage hoch, sondern – wie meistens üblich – aus der Bauchlage.
Bild: Roman Rätzke/Broad Arrow Private Sales
Nein, dafür gab es in der Preisliste kein Kästchen zum Ankreuzen. Das Zauberwort heißt "Sonderwunschprogramm": Wer das aussprach und mit Schecks wedelte, dem öffnete sich eine ganze Abteilung bei Porsche, die nur dafür da war, genau das zu erfüllen – Sonderwünsche. Zum Modelljahr 1987 wurde die Abteilung umbenannt in "Porsche Exclusive".
Wie Porsche selbst diesen 928 umbaute
Jetzt, nach all den Jahrzehnten, trennt Alfons Kirchen sich von dem Wagen. "Die Werkscodes 09981 und 09991 bestätigen, dass dieses Fahrzeug die Aufmerksamkeit des engagierten Sonderwunsch-Teams von Porsche erhielt", schrieb die Handelsplattform Broad Arrow Private Sales in ihrem Inserat. "Code 09981 bedeutet, dass das gesamte Fahrzeug zur Exclusive-Abteilung transportiert wurde, während Code 09991 auf exklusive Optionen hinweist, die in der Serienproduktion eingebaut werden konnten."
In diesem Falle machte Alfons Kirchen in der Exclusive-Abteilung dann eben doch ein Kreuzchen beim Umbau mit dem Code XA2: bitte konventionell abgedeckte Klappscheinwerfer. Also gingen die Abdecker ans Werk.

Stolz raunen Porsche-Fans, diese Leuchten wären inspiriert vom legendären Porsche 935, dem Rennwagen mit 911-Karosserie, aber flacher Schnauze (vornehmer: "slant nose") mit Klappscheinwerfern. Allerdings ...
Bild: Porsche

... sind es die gleichen Scheinwerfer, die auch im Vierzylinder-Modell Porsche 944 Serie waren. Klingt halt nur ...
Bild: Roman Rätzke/AUTO BILD

... nicht so heroisch. Hier noch mal zum Vergleich der Scheinwerfer im 928: gleiche Hella-Streuscheibe, das Gehäuse ist der 928-Form angepasst, die ...
Bild: Roman Rätzke/Broad Arrow Private Sales

... Mechanik geht offenbar ebenfalls auf den 944 zurück.
Bild: Roman Rätzke/Broad Arrow Private Sales
Für den Fahrer ergibt sich – neben dem Besitzerstolz, etwas Besonderes zu haben – auch ein anderer Blick über die Motorhaube, wenn die Leuchten an sind. Und es ergab sich ein anderer Kontostand: 14.814,84 Mark nahm Porsche für den Umbau.
Auch Schweller, Radläufe und Spiegel baute Porsche um
Es blieb nicht der einzige Eingriff an diesem Exemplar: Der Kunde bestellte darüber hinaus den Code XB2, also breite Seitenschweller, für 5459,75 Mark. Und verbreiterte Radläufe hinten samt breiterer Hinterachs-Spur, für 10.980 Mark (jeweils einschließlich 14 Prozent Mehrwertsteuer).

Bild: Roman Rätzke/Broad Arrow Private Sales
Sieht das stimmig aus? Na, verglichen mit diesem 928-Umbau allemal.

Bild: Roman Rätzke/Broad Arrow Private Sales
Ein viertes Detail ließ der Kunde sich umbauen: die Außenspiegel. Die ungewöhnlich geformten Gehäuse soll der Leiter der Exclusive-Abteilung bei Porsche vorgeschlagen haben. Wie Dr. Kirchen erst viel später herausfand, stammen sie aus einer Kleinserie von Kremer Racing.

Bild: Roman Rätzke/Broad Arrow Private Sales
So fett war schon der Basis-928
Dass das Hungertuch kein ständiger Begleiter des Kunden war, sehen wir nochmals an den Extras, die er sich außerdem gönnte: Schiebedach, Radio Blaupunkt Berlin, Vollederausstattung mit Ledersitzen samt Lendenwirbelstützen rechts und links, Colorglas mit Graukeil in der Frontscheibe.

Bild: Roman Rätzke/Broad Arrow Private Sales
Ach ja, und statt des kargen Basismodells 928 S4 hatte er sich das Modell 928 GT ausgesucht, mit 330 PS. Das Modell für den sportlich ambitionierten Fahrer (das Wort "Raser" war in der Zielgruppe verpönt) hatte ein kurz übersetztes Fünfgang-Schaltgetriebe, Sperrdifferenzial und straffere Stoßdämpfer. So kostete der 928 am Ende 190.401,09 Mark.
Alfons Kirchen war damals 37 Jahre alt. "30.000 Mark Umbaukosten, so um den Dreh, das hat mir schon schlaflose Nächte bereitet.“ Am Ende habe ihn seine Lebensgefährtin überzeugt, sich den Traum doch einfach zu erfüllen. „Du gönnst dir doch sonst nichts Besonderes. Wenn du das nicht machst, ärgerst du dich nachher“, zitiert er sie.

Bild: Roman Rätzke/Broad Arrow Private Sales
Fans jubeln über das DIN-Kennzeichen
Die DIN-Kennzeichen auf den Fotos sind kein Gag des Fotografen (der sogar genau dafür bekannt ist): Sondern laut dem Verkäufer ist er selbst der Erstbesitzer, und sein Porsche 928 habe immer noch die erste Zulassung. Und eben Nummernschilder in DIN-Schrift wie damals, stets geschützt durch Plexiglas-Hüllen. 756 Euro Kfz-Steuer pro Jahr statt 191 Euro mit H-Kennzeichen – diese Differenz überzeugte den Mann offenbar nicht von einem Wechsel.
So viel sollte der umgebaute Porsche 928 kosten
Am 31. Januar 2024 tauchte der Wagen schon einmal auf: Damals versuchte der Besitzer, seinen Porsche 928 bei RM Auctions auf der Rétromobile in Paris zu versteigern. Den Schätzpreis gab das Auktionshaus mit 180.000 bis 280.000 Euro an. Aber trotz des besonderen Werksumbaus, der Laufleistung unter 70.000 Kilometer, des Erstbesitzes, des guten Wartungszustands: So viel bot dann doch niemand.
2025 hat er es wieder versucht, nicht mit einer Auktion, sondern mit einem Kaufinserat bei Broad Arrow. Die 180.000 Euro, die RM damals als Mindestpreis angegeben hatte, rief auch Broad Arrow Private Sales auf. Ein Käufer fand sich, nach Preisverhandlungen trat der Wagen den Weg in die USA an.
Nach dem Verkauf des Autos haben wir den Artikel aktualisiert und um weitere Zitate des Erstbesitzers ergänzt.
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