Französische Oldtimer
Alltagsklassiker in Marokko

Am 9. Juli spielt Frankreich gegen Marokko – AUTO BILD war in Marokko und zeigt die tollsten Renault, Peugeot, Citroën und Simca aus Frankreich!
Bild: Frank B. Meyer / AUTO BILD
Zum Klischee von Afrika gehört ein klappriger Peugeot 504, gern als Pick-up. Zum Klischee von Marokko gehört auf jeden Fall ein geschundener Renault 12. Aber gibt es die überhaupt noch? Oder sind die längst verschlissen und von diversen Dacia ersetzt?
Wir von AUTO BILD wollten das wissen. Auf unserer Reise quer und längs durch Marokko haben wir natürlich alle Klassiker geknipst, die uns vor die Linse kamen.
Jetzt, da Frankreichs Fußball-Nationalmannschaft in der WM gegen das erfolgreiche Nationalteam von Marokko antritt, nehmen wir Sie mit auf die Reise. Eins können wir schon verraten: Wir haben gestaunt, was wir alles entdeckt haben. Nicht nur fast vergessene Renault, Peugeot, Citroën und Simca, sondern auch die haarsträubenden Gasflaschen-Oldies!

AUTO BILD-Reporter Frank B. Meyer war in Marokko unterwegs auf Fotosafari. Fachgebiet: Oldtimer und Youngtimer. In diesem Artikel geht es um Klassiker aus Frankreich, nicht z. B. um Mercedes 190.
Bild: privat
Peugeot 504 und Renault 12: Wo sind Marokkos Alltagsklassiker geblieben?
Wir beginnen die Rundreise in den großen Städten Casablanca, Rabat, Meknès und Fès. Bis Meknès ist unsere Ausbeute an französischen Klassikern spärlich: hier und da ein Peugeot 205, ein Renault Rapid (der Kastenwagen auf Basis des R5) oder sein Konkurrent, der Citroën C15 auf Basis des Visa.

Ein einsamer Renault R5 der zweiten Serie ("Supercinq", 1984 bis 1996) zieht seine Bahn bei Rabat.
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Angesichts der Massen an VW Golf 2 bei uns in Deutschland fragen wir uns, warum wir von seinem fast so haltbaren Rivalen, dem Renault 19, tagelang kein einziges Exemplar sehen.
In Fès, immerhin, löst sich der R19-Knoten – hin und wieder kriegen wir nun einen vors Objektiv.

Auf dem Weg nach Volubilis nördlich von Meknès kommt uns der erste Renault 19 entgegen. Ja, die Gegend ist grün und fruchtbar.
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Dieser Renault 19, Sondermodell Storia, ist laut Aufkleber "FAST TURBO". Offenbar hätte er fast einen Turbolader bekommen.
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Im Pilgerstädtchen Moulay Idris entdecken wir etwas, das den AUTO BILD-Kollegen Matthias Brügge in helle Aufregung versetzt hätte (der Mann sammelt Renault 11): einen Renault 11 Dreitürer! Wann haben Sie so ein Modell zum letzten Mal gesehen?

Renault 11 Dreitürer (manche nennen ihn Coupé) mit schmerzhaftem Blechschaden überm Hinterrad. Dahinter ein Peugeot 306. Die Schrift auf den R11-Scheinwerfern bedeutet "sicherer Weg".
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Die Stufenheckvariante, den Renault 9, haben wir öfter mal zu Gesicht bekommen – klar, in Nordafrika ist ein großer Kofferraum meist wichtiger, als ein kurzes Auto zu haben.

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Und gleich darauf, auf dem Weg ins Mittlere Atlasgebirge, gleich noch eine Renault-Wiederentdeckung: ein R25! Bei uns ist die große Limousine fast ausgestorben, auch in Marokko haben wir innerhalb von gut zwei Wochen kein zweites Exemplar gesehen.

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Warum Renault in Marokko so verbreitet ist
Das Werk | In der Autofabrik Somaca in Casablanca wurden seit 1966/67 Renault montiert, zunächst R4 (bis 1995), seit 1970 auch R12. 2005 erwarb Renault die Mehrheit an dem Werk. |
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Die Autos | Renault 4 und Renault 12 waren beide bezahlbar, vergleichsweise robust, leicht zu reparieren, boten relativ viel Platz und Federungskomfort. Vom R4 sollen rund 95.000 Exemplare bei Somaca gebaut worden sein, vom R12 knapp 39.000, vom R16 mehr als 20.000. Der Kangoo wird dort seit 1999 montiert. |
Der Markt heute | 2025 hatte Dacia 20,3 Prozent Marktanteil in Marokko, gefolgt von Renault (17,4 %) und Hyundai, Peugeot, VW, Opel und Citroën (in dieser Reihenfolge, 7,2 bis 5,3 %). |
Gar nicht so selten, bei uns nicht und in Marokko auch nicht: Peugeot 205, viele davon in ungewöhnlich gutem Zustand.

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Aber wo sind sie denn nun, die Peugeot 504 und Renault 12, die französischen Oldtimer, die zu unserem Bild von Nordafrika gehören?
Nicht in den großen Städten, so scheint es. Wohlhabende Nostalgiker, die Brot-und-Butter-Autos aus ihrer Jugend restaurieren und als Hobby halten, sind in Nordafrika halt längst nicht so verbreitet wie in Mitteleuropa.
Wobei wir einmal an einem Renault 5 der ersten Generation vorbeirauschen, der zumindest aus der Ferne aussieht wie ein gepflegtes Familienerbstück.

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Aber weiter oben im Hohen Atlas ist es endlich so weit: Wir sehen den ersten Peugeot 504 auf unserer Reise!

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Schon am nächsten Tag, südwestlich von Boumalne Dadès, fährt uns ein Peugeot 504 Pick-up in die Quere – der schon so viel mitgenommen hat, dass er nun selbst mitgenommen aussieht.

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Fehlt nur noch ein Peugeot 504 Break oder Familial in unserer Sammlung (auf ein 504 Coupé oder Cabrio brauchen wir hier nicht zu hoffen). Und bitte: weiter südwestlich, in Taroudant, dieselt ganz gemütlich ein 504 Break an uns vorbei zum Markt.

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Nun steigen unsere Erwartungen wieder, und wir hoffen auf noch ältere, noch seltenere Klassiker aus Frankreich. Und natürlich auf den Renault 12, der in Marokko noch in den 2000er-Jahren allgegenwärtig war.
Warum Peugeot in Marokko ein ganz anderes Image hat
Die Produktion | Auch Autos von Peugeot wurden in Marokko montiert: 1977 wurde die Firma Sopriam gegründet, die als erstes Auto den Peugeot 504 Pick-up montierte. |
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Die Autos | Als Nutzfahrzeug prägte der 504 Pick-up das Image der Marke in Marokko: Peugeot stand vor allem für Nutzfahrzeuge, nicht wie in Deutschland für französischen Chic. |
Die Palette heute | Rund drei Viertel aller neu zugelassenen Peugeot in Marokko sind 208, der Rest verteilt sich vor allem auf 2008, Rifter und 3008. |
Klar drehen wir uns immer noch nach anderen Autos um, die in Deutschland als Youngtimer gelten oder die sogar unsere 30-Jahr-Grenze zum Oldtimer überschritten haben. Aber sollen wir Ihnen die Fotos von Peugeot Partner, Citroën Berlingo und Renault Kangoo zeigen? Lüstet es Ihnen nach Bildern gebrauchter Citroën ZX, Xsara oder Xantia? Wollen Sie Peugeot 106, Renault Mégane Scénic oder Clio 2 im Alltagseinsatz sehen? Dann schreiben Sie uns unter feedback@autobild.de.

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Immer mal wieder hält uns ein Renault 4 bei Laune, einer der wichtigsten Klassiker aus Frankreich (siehe Kasten oben) und auch in Deutschland einst sehr verbreitet.

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Hin und wieder kreuzt ein Peugeot 309 unseren Weg, der ursprünglich als Talbot auf den Markt kommen sollte. Ein schönes Fundstück ist der Peugeot 405: Mit seinem schlanken, subtilen Pininfarina-Design wurde er damals unterschätzt, heute drehen wir uns gern nach ihm um.

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Ein wahres Highlight unserer Fotosafari überrascht uns in Awfour bei Taroudant: Ein Peugeot 404 steht an der Straße, der Vorgänger des 504! Auch der 404 war in Afrika mal weit verbreitet – aber dass heute noch einer im Einsatz sein könnte, daran hatten wir nicht mal gedacht.

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Nicht gerechnet hatten wir auch mit einem Renault Espace (1996–2002). Dabei ist er für kinderreiche Familien ideal – außer, dass er lange ein Pannenkönig war.

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Der Anblick eines Renault 21 lässt uns erneut hoffen, öfter mal seine Vorgänger zu sehen – den Renault 18 und vor allem, wie gesagt, den Renault 12.

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Schon im Hohen Atlas erspähen wir den ersten R18, einen Kombi. Je näher wir auf der Fahrt nach Westen dem Städtchen Sidi Mokhtar zwischen Marrakesch und der Küstenstadt Essaouira kommen, desto mehr Renault 18 fahren uns um die Ohren.

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Und auf einmal sind wir mittendrin in einem wahren Schwarm aus Renault 18 und dem legendären Renault 12!
Warum wir im Marokko kaum alte Citroën fanden
Kein Werk | Im Gegensatz zu Renault und Peugeot wurden jahrzehntelang keine Citroën in Marokko montiert. Wohl erst 1997 begann es, denn als Schwestermodell des Peugeot Partner wurde auch der Citroën Berlingo bei Somaca hergestellt (siehe Peugeot-Kasten oben), bis 2010. |
|---|---|
Die Autos | Die Citroën-Modelle mit hydropneumatischer Federung sind zwar ideal für schlechte Straßen, aber in Marokko war es immer wichtig, Autos einfach und schnell reparieren zu können. |
Der Elektro-Citroën | Als Schwestermodell von Opel Rocks-e und Fiat Topolino wird der aktuelle Citroën Ami im Werk Kénitra produziert – laut Stellantis Marokkos erstes Elektroauto. |
Die Pläne | Für die nächste Generation von Citroën C4/C4 X gibt es Berichte, dass die Produktion ab etwa 2029 von Madrid-Villaverde nach Kénitra in Marokko umziehen soll. |
In Sidi Mokhtar ächzen die beiden Modelle an jeder Ecke unter spektakulären Dachlasten – und stellen unter Beweis, warum sie in Marokko einen Ruf wie Donnerhall haben: so harte Bedingungen über so viele Jahrzehnte, das muss man als Auto erst mal aushalten.

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Sidi Mokhtar: Wo der Renault 12 mit der Gasflasche überlebt
Aber was hat dazu geführt, dass diese Autos in Sidi Mokhtar so häufig sind und im Rest des Landes so selten? Offenbar werden sie hier auf Gasbetrieb umgerüstet – nicht für offizielle Autogas-Tankstellen oder gar für Erdgas (CNG), sondern auf Butan-Gas aus handelsüblichen Gasflaschen, mit denen man auch kocht und grillt!
Der Grund ist einfach: Gegenüber Benzin kann man mit so einem "Gasflaschenauto" rund 75 Prozent Kraftstoffkosten sparen. Dazu kommt, dass man auf dem Land keine Umwege zu entlegenen Tankstellen fahren muss.
Ein Mechaniker hat der marokkanischen Nachrichtenseite al3omk.com erklärt, wie es geht: Er baut einen Druckregler ins Auto und verbindet die Gasflasche mit dem Vergaser. Die Umrüstung koste nur etwa 2000 Dirham, knapp 200 Euro. Mit Einspritzmotoren wäre der Vorgang schwieriger, was erklärt, warum die alten Vergasermodelle so lange am Leben erhalten werden.

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Wenn die Gasflasche im Kofferraum liegt oder steht, fehlt dort Platz. Das ist aber nicht der einzige Grund, dass viele Fahrer ihr Gepäck lieber aufs Dach laden: Wer Strohballen, Weizen oder andere brennbare Lebensmittel transportiert, schätzt einen gewissen Abstand zu handgefrickelten Gasleitungen.
Legal ist das alles eher nicht. Die technische Umrüstung ist laut einer juristischen Analyse kaum genehmigungsfähig. Anfang 2017 seien laut Sicherheitsbehörden 238 Fahrzeuge wegen Nutzung von Gasflaschen bemängelt worden.

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Wir machen uns zufrieden auf den Rückweg: Peugeot 504 und R12 gefunden und noch dazu eine spannende Geschichte. Aber dann rollt uns noch ein Bonus-Auto vors Objektiv: ein Simca 1100!

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Das Auto, das schon 1967 das Konzept des VW Golf vorwegnahm – Kompaktwagen mit quer eingebautem Frontmotor, Frontantrieb, großer Heckklappe und umklappbarer Rücksitzlehne. Ein Auto, das man mit ebenso viel Fug und Recht "Legende" nennen darf. Merci, Frankreich!
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