Ein 420 SEL steht selten ganz oben auf der Wunschliste, wenn es ein Mercedes W 126 werden soll. Die meisten Oldtimer-Käufer präferieren eher die potenteren 500er- und 560er-Versionen, vorzugsweise mit guter Ausstattung – "voller Hütte".
Mercedes-Benz 420 SEL (W126) stehend schräg von hinten
Die Big Bumpers für die US-Modelle fallen beim W 126 seit der Modellpflege 1985 dezenter aus als vorher. Die Gläser der Rückfahrscheinwerfer sind nicht vergilbt.
Bild: Gerald Schadendorf / AUTO BILD KLASSIK
In Zahlen: Die Sachverständigenorganisation Classic Data hat den Mercedes 500 SEL etwa anderthalbmal so oft bewertet wie den 420 SEL, den 560 SEL sogar mehr als dreimal so oft.

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Dieser Mercedes 420 SEL hat 23 Extras

Diese "Hütte" aus dem Baujahr 1987, die wir uns hier ansehen und probe fahren, ist aber auch schon recht gut gefüllt, wie der Blick in die Ausstattungsliste verrät. Ganze 23 Optionen summieren sich auf der beiliegenden Datenkarte. Unter anderem an Bord des Mercedes 420 SEL sind Klimaanlage, Schiebedach, elektrische Fensterheber rundum, elektrische Sitze, Tempomat und Blaukeil-Frontscheibe.

Vorgeschichte: verkauft in die USA, gut gewartet

Der Exil-Amerikaner fristete einen Teil seines ersten Lebens in den US-Bundesstaaten Arkansas und Florida. Ein vorhandenes Scheckheft belegt, dass der Eigentümer sehr auf den Zustand und die Zuverlässigkeit des Autos Wert legte, alle Inspektionen bis ca. 135.000 Meilen (ca. 217.000 km) sind abgestempelt. Die Stempel sind von Hillcrest German Auto in Little Rock, und wenn man den Rezensionen im Netz Glauben schenkt, wird da nicht nur gestempelt, sondern auch was getan.
Tacho, Kilometerzähler und Instrumente des Mercedes-Benz 420 SEL (W126)
Offenbar wurde der amerikanische Meilentacho samt Meilenzähler ersetzt durch ein deutsches Kombiinstrument – deshalb wird eine so geringen Laufleistung angezeigt.
Bild: Gerald Schadendorf / AUTO BILD KLASSIK

Typische Roststellen des Mercedes W 126 sind hier okay

Anscheinend nicht nur an der Technik. Die Karosserie, lackiert in "Nautikblau" (Farbcode 929), wurde offenbar gut konserviert. So sind trotz der hohen Laufleistung alle Radlauf-Enden offenbar rostfrei, und auch der Blick in den Kofferraum nach oben durch die Stanzungen in Richtung Heckscheibenrahmen bleibt ohne negativen Befund.
Alu-Rad des Mercedes-Benz 420 SEL (W126)
Die zeitgenössischen Alu-Räder werden im Mercedes-Jargon "Gullydeckel" genannt. Die Radläufe der Karosserie sehen von außen tadellos aus.
Bild: Gerald Schadendorf / AUTO BILD KLASSIK
Auch von unten, so weit ohne Hebebühne erkennbar, alles fein. Echte Blessuren in Form von Dellen, Kratzern oder matten Lackstellen sind uns nicht aufgefallen.

Gut erhaltener Innenraum im gebrauchten 420 SEL

Der schöne Erhaltungszustand zeigt sich auch im Interieur mit hellgrauem Leder. Die Flächen präsentieren sich glatt, farblich gleichmäßig und ohne gerissene Nähte.
Rücksitzraum im Mercedes-Benz 420 SEL (W126)
Das L in 420 SEL steht für die Langversion mit 14 Zentimeter mehr Radstand als beim 420 SE. Die Gepäcknetze an den Vordersitzlehnen sind ausgeleiert.
Bild: Gerald Schadendorf / AUTO BILD KLASSIK
Am Armaturenbrett haben noch keine Bastler mit Verschandelungen ihr Unwerk getrieben, auch das Oberteil ist rissfrei. Der Himmel erstrahlt sauber und ohne irgendwelche Wasserflecken, lediglich die Verkleidung des Schiebedachs ist aktuell noch auf einer Seite hinten lose. Die Holzkonsole beim Wählhebel hat einen Riss im Klarlack. Alles lösbar und im Zweifelsfall Jammern auf höchstem Niveau.
Cockpit des Mercedes-Benz 420 SEL (W126)
Ungewöhnlich für US-Importe mit hoher Laufleistung: Das Leder ist nicht rissig. In Deutschland kostete für den 420 SEL die Lederausstattung 2576,40 Mark extra.
Bild: Gerald Schadendorf / AUTO BILD KLASSIK
Mittelkonsole des Mercedes-Benz 420 SEL (W126) mit Radio und Aschenbecher
Links vom Aschenbecher sieht man kleine Risse. Das Kassettenradio Becker Grand Prix passt zum Baujahr.
Bild: Gerald Schadendorf / AUTO BILD KLASSIK

Fahreindruck bei der Probefahrt mit der S-Klasse

Beim Fahren wirkt das Auto anfangs etwas knochig, aber nach kurzer Zeit fällt die nach längerer Standzeit in einer Sammlung angewöhnte Lethargie langsam ab. Nach dem ersten Abbiegen ist der ursprüngliche, kommod-sportliche Charakter wieder zum Leben erweckt, und alles funktioniert reibungslos und altbekannt. Der V8 läuft sauber, ruhig und kraftvoll, das Getriebe kann rauf- und runterschaltend alle Lastzustände umsetzen, die Hinterachse verhält sich gewünscht unauffällig, und auch der Antriebsstrang gibt keinen Grund zur Sorge.
Motor und Motorraum des Mercedes-Benz 420 SEL (W126)
Der 4,2-Liter-V8 (Motorcode M 116) war die mittlere Motorisierung. Die Mercedes S-Klasse der Baureihe W 126 gab es auch mit Reihensechszylindern (nach 1985 mit 2,6 und drei Liter Hubraum) und mit größeren V8 (fünf und 5,6 Liter). Auch hier sieht man die voluminöse Stoßstange.
Bild: Gerald Schadendorf / AUTO BILD KLASSIK
Keilriemen im Motorraum des Mercedes-Benz 420 SEL (W126)
Die Riemen sehen optisch in Ordnung aus, wie der Motorraum allgemein, von dem wir viele Fotos gemacht haben.
Bild: Gerald Schadendorf / AUTO BILD KLASSIK
Auf schlechtem Untergrund verhält sich das Fahrwerk altgewohnt und ist in der Lage, auch größeren Straßenverschleiß souverän zu ignorieren. Eben das, wofür der Mercedes W 126 noch stand: überlegene schwäbische Automobilbaukunst, ohne zu dick aufzutragen.
Der 4,2-Liter mit 150 kW (204 PS) schnurrt bei unserer Probefahrt wie am ersten Tag, lässt einen die großen Brüder mit seiner entspannten Art leicht vergessen.
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"Mopf": Ein Modell nach dem Facelift (Modellpflege) von 1985

Als Erstzulassung ist, wie oft bei Importfahrzeugen, der 1. 7., hier 1987, eingetragen. Somit deutlich ein Auto aus der zweiten Serie mit Modellpflege ("Mopf"), zumal der 420 SE/SEL erst mit der Modellpflege von 1985 eingeführt wurde.
Papier-Unterlagen zum Mercedes-Benz 420 SEL (W126)
Checkheft, Bedienungsanleitung und die historischen Vordrucke für den Unfallbericht gehören zum Verkauf dieses Mercedes 420 SEL.
Bild: Gerald Schadendorf / AUTO BILD KLASSIK

Die US-Scheinwerfer wurden schon ersetzt

Dieser Mercedes 420 SEL wurde schon umgerüstet auf die europäischen Scheinwerfer und punktet mit der zweiten, deutlich weniger auffallenden Version von US-Stoßstangen.
Front des Mercedes 420 SEL (W126)
Mit deutschen Scheinwerfern sieht die S-Klasse für unsere Autos deutlich vertrauter aus als mit US-Leuchten. Von vorn fallen die US-Stoßfänger nicht auf.
Bild: Gerald Schadendorf / AUTO BILD KLASSIK

Wie teuer? Knapp 15.000 Euro soll der Mercedes 420 SEL kosten

14.990 Euro ruft der Verkäufer für den Wagen auf. Classic Data sieht den Mercedes 420 SEL mit 204 PS in Zustand 3 bei 11.700 Euro, im Zustand 2 bei 18.900 Euro. Damit scheint dieses Exemplar nicht übertrieben teuer, einen zweiten Blick und ein paar Verhandlungen locker wert.

Eckdaten und Kontakt zum Verkäufer

Preis: 14.990 Euro (VB)
Laufleistung: 4260 km (abgelesen), tatsächlich über 200.000 km
Standort: 31137 Hildesheim
Anbieter: Auto Schuder Toyota
Kontakt: Tel. 05121-934 92 09 61
Weitere Probefahrten mit Klassikern, die zu verkaufen sind, finden Sie in der gedruckten AUTO BILD KLASSIK. In Ausgabe 4/2026 stellen die Kollegen auch einen Mercedes 190 E 2.6, einen Volvo 245, einen BMW 2002 und einen VW Ovali-Käfer vor.

Fazit

Viele Fans der S-Klasse W 126 wollen am liebsten einen 500 SEL oder 560 SEL – ob es um dicke Hose geht oder darum, "das Beste oder nichts" zu haben, sei dahingestellt.
Ergibt es irgendeinen Sinn, den kleineren V8 zu kaufen? Ja, schon: Die geringere Nachfrage drückt sich nicht in immens niedrigeren Preisen aus, aber dank weniger Konkurrenz ist der Kauf entspannter. Und: Die Vorbesitzer waren seltener Bleifußakrobaten, die nur ein schnelles V8-Auto wollten.
Der Nachteil des 420er W 126 ist natürlich, dass er nicht in 7,5 oder 7,2 Sekunden von null auf Tempo 100 stürmt wie der 500 SEL oder 560 SEL, sondern 8,3 Sekunden braucht. Die Kraft kommt beim 420 SEL nicht aus dem Keller, sondern mit wachsender Drehzahl – eingebremst durch die Vierstufenautomatik, die früh hochschaltet.
Na und? Eine Mercedes S-Klasse als Oldtimer kauft man sich doch in der Regel zum entspannten Cruisen. Und das kann der Mercedes 420 SEL sehr gut. Deshalb ist das Modell aus meiner Sicht ein Geheimtipp.