Wie bitte, HDPIC – was soll das sein? Hört sich an wie eine Abkürzung für hoch aufgelöste Fotos (high-definition picture); war aber eine Automarke, die in Deutschland in den 90ern und 2000ern gar nicht mal so wenige Autos verkaufte.
Das Auto hieß Galloper, also HDPIC Galloper – aber auch Hyundai Galloper, Asia Galloper und Mitsubishi Galloper. Die Geschichte dahinter gibt uns ein paar Einblicke in die – sagen wir – spezielle Geschäftskultur des Konzerns damals.
Hyundai Galloper
Auf dem Kühlergrill galoppiert das Pferd noch von links nach rechts, auf den Seiten jeweils in Fahrtrichtung – also auf der Fahrerseite in die gleiche Richtung wie das Logo des Ford Mustang, nach dem die Gattung der "Pony Cars" benannt wurde.
Bild: Klaus Kuhnigk/AUTO BILD

Warum nicht der Autohersteller Hyundai ein SUV entwickelte

Die Hyundai Motor Company baut schon seit 1968 Autos. Logisch wäre also gewesen, wenn der erste Geländewagen des Hyundai-Konzerns auch bei der Hyundai Motor Company entwickelt und gebaut worden wäre.
Aber dann wollte Chung Ju-young, Gründer der Hyundai-Gruppe, ein SUV bauen. Die Idee war prima: Dollar, Ölpreis und Zinsen standen Ende der 80er in Südkorea niedrig, der Wohlstand wuchs, und bestimmt wollten viele Leute sich bald ein dickes Auto kaufen.
Chung Ju-young allerdings war – nach politischen und juristischen Reibereien – nicht mehr Chef der ganzen Hyundai-Gruppe. Das war nun sein jüngerer Bruder, Chung Se-young. Chung Ju-young war auch nicht bei der Automarke, sondern Chef von HDPIC. Das war die Hyundai Precision & Industry Company – die Firma des Hyundai-Konzerns, die vor allem Werkzeugmaschinen, Züge und Flugzeuge herstellte.
Hyundai Galloper, Urmodell von 1991
1991 erschien der erste Galloper, er sah dem Mitsubishi Pajero der ersten Baureihe L040 (ab 1982) zum Verwechseln ähnlich. Die ganz frühen Galloper hatten alle Zweifarblackierung.
Bild: Hersteller

Wie die Männer der Chung-Familie das Projekt starteten

Meldete Hyundai Motors einfach kein Interesse an Allradfahrzeugen an? Oder wollte der alte Bruder seinem jüngeren, mächtigeren Bruder Konkurrenz machen? Laut der koreanischen Wiki-Website namu.wiki wollte Chung Ju-young seinen Sohn (aufpassen jetzt, dritter Chung-Name) Chung Mong-koo zum Chef der Auto-Sparte machen, ohne einen offenen Konflikt mit seinem Bruder zu riskieren. Denn der (Chung Se-young) hatte die Automarke maßgeblich mit aufgebaut; nach dem Erfolg des Hyundai Pony wurde er sogar Pony Chung genannt.
Hyundai Galloper
Galloper 2 (1997 bis 2004) als Dreitürer mit kurzem Radstand.
Bild: Klaus Kuhnigk/AUTO BILD

Wie sie auf den Mitsubishi Pajero kamen

Im Juli 1989 jedenfalls begann Chung Mong-koo (der Sohn des Alten), einen Allradwagen entwickeln zu lassen. Projektname: M-Car. Der Prototyp wurde unter anderem potenziellen US-Kunden vorgestellt – und fiel krachend durch. Gegen Jeep hätte das Modell es wohl sehr schwer gehabt.
Hyundai Galloper
Galloper 2 als Fünftürer mit langem Radstand, 1998. Auf der Reserveradabdeckung galoppiert das Pferd nach links. Die Hecktür ist immer rechts angeschlagen, obwohl auch in Korea Rechtsverkehr gilt.
Bild: Klaus Kuhnigk/AUTO BILD
Chung Mong-koo änderte also seinen Ansatz und suchte nach einem guten, bewährten Modell, um es in Lizenz zu bauen. Das würde schneller gehen und mehr Erfolg versprechen. Der berühmte Mitsubishi Pajero der ersten Baureihe (L040, 1982 bis 1990) war attraktiv, und da Hyundai und Mitsubishi schon kooperiert hatten, wurden sie sich schnell einig. Im März 1990, kurz vorm Start der zweiten Pajero-Generation, schlossen sie einen Vertrag.
Hyundai Galloper
Die Sportvariante: Galloper 2 "Innovation" von 1999 mit Spoilern und Verbreiterungen. Im selben Jahr wurde Honda Precision in die Hyundai Motor Company integriert. Von März 2000 an trugen auch Galloper das Hyundai-Logo.
Bild: Holger Schaper/AUTO BILD

Wie der Galloper ankam

Am 16. September 1991 lief der erste Galloper in Ulsan (Korea) vom Band, am 25. wurde der er Öffentlichkeit vorgestellt, im Oktober wurden die ersten ausgeliefert. Die ersten Galloper waren Langversionen mit Vierzylinder-Saugdieseln, es folgten der Dreiliter-V6-Benziner, der Turbodiesel und die kurzen Dreitürer. Bis auf Logos, Lenkräder, Schalthebel und die Türöffner innen unterschieden sich die frühen Exemplare kaum vom Mitsubishi-Vorbild.
Hyundai Galloper Pick-up (Prototyp)
Einen Pick-up namens SUT (Sport Utility Truck) gab es als Prototyp, der ging aber nicht in Serie.
Bild: Hersteller
In Südkorea war der Galloper sofort erfolgreich. Die Verkaufszahlen des Konkurrenten SsangYong brachen so dramatisch ein, dass der Hersteller fast pleiteging. (Die Kooperation mit Mercedes beim Musso rettete SsangYong, aber das ist eine andere Geschichte.)
Hyundai Galloper Pick-up (Prototyp)
Hier noch ein Entwurf für einen SUT mit längerer Ladefläche und langem hinterem Überhang.
Bild: Hersteller
Der "New Galloper" von 1994 war nur ein kleines Facelift mit eckigen statt runden Scheinwerfern. Unter dem Druck des Kia Sportage und SsangYong Musso bot HDPIC in Korea immer mehr Varianten des Galloper an, vom kurzen Lieferwagen mit Blechfenstern und Hinterradantrieb bis hin zum Luxusmodell mit Edelstahl-Trittbrettern.

Wie der Galloper nach Deutschland kam

An den Peugeot-mäßig angestellten Scheinwerfern mit dem leicht grimmigen Blick erkennt man das große Facelift 1997 zum Galloper 2. Der kam 1998 endlich nach Deutschland – und wurde hier, anders als in Österreich, nicht über das Hyundai-, sondern über das Mitsubishi-Händlernetz vertrieben. Dank günstigen Preisen ab 33.600 Mark wurde der Ex-Pajero auch in Deutschland ein Erfolg. AUTO BILD lobte Preis und Gegenwert und kritisierte das Aufschaukeln des schmalen, hohen Fünftürers im Elchtest.
Cockpit des Mitsubishi Galloper
Cockpit des Mitsubishi Galloper von 1999, mit großem Airbag-Pralltopf und 90er-Jahre-typischem Polsterstoff.
Bild: Klaus Kuhnigk/AUTO BILD
Daheim in Korea wurde die Galloper-Abteilung von HDPIC im August 1999 in die Hyundai Motor Company integriert, und von 2000 an trugen die Galloper dort auch das gleiche Logo wie die bei Hyundai entwickelten Modelle.
Fernsehwerbung, die den Hyundai Galloper II neben einem Pferd zeigt
Der Galloper II wurde in Brasilien unter der Marke Asia vertrieben, wie zuvor der Konkurrent Asia Rocsta. Ein Pferd mit wehender Mähne unterstrich in der Fernsehwerbung, dass der Galloper keine lahme Mähre war.
Bild: Hersteller

Warum der Galloper eingestellt wurde

Der Galloper hatte zunehmen Schwierigkeiten, verschärfte Abgasnormen einzuhalten. Der kürzere, viel modernere Hyundai Santa Fe mit selbsttragender Karosserie zügelte von nun an den Absatz des Galloper, und 2001 erschien dessen Nachfolger: der Hyundai Terracan, wieder mit Elementen des (jüngeren) Pajero und wieder mit Leiterrahmen und aufgeschraubter Karosserie. Die letzten Galloper wurden 2003 montiert.
In Südkorea wurde es in den 2010er-Jahren Mode, Youngtimer-Geländewagen wie den Galloper aufzuarbeiten und als Camper zu benutzen. Bei uns muss heute ein Teil der Galloper noch im Alltag schuften wie ein Ackergaul, während einige wenige bei liebevollen Haltern ihr Gnadenbrot bekommen.