Entschuldigung, wir können nicht anders. Als Auto-Fans quatschen wir AUTO BILD-Redakteure ständig die Besitzer von OIdtimern an – als Journalisten fragen wir nicht nur nach dem Baujahr, sondern auch: "Was ist das denn da? Wieso ist das so? Und was hat es mit dem Ding da auf sich?" Berufskrankheit.
Jetzt auf dem Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2025 war das natürlich auch wieder so. Hier zeigen wir Ihnen die besten Geschichten hinter Oldtimer-Details, die wir auf dem Schönheitswettbewerb gefunden haben.

Die Heckleuchte des Mercedes CLK GTR

Heckleuchte eines Mercedes CLK GTR
Rückleuchte vom Serienauto der ersten Mercedes-CLK-Baureihe namens 208.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Ja, das Auto heißt Mercedes CLK GTR Roadster. Aber es ist ein völlig anderes Auto als der Mercedes CLK, das Serienauto der ersten CLK-Baureihe. Der GTR wurde als Rennwagen für die FIA-GT-Meisterschaft ab 1997 entwickelt – übrigens mithilfe des McLaren F1.
Mercedes CLK GTR Roadster von hinten
1,95 Meter breit, Mittelmotor, Heckflügel – nein, das ist kein CLK. Sondern unter den fünf GTR Roadstern der einzige Rechtslenker.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Als Supersportwagen für die Straße wurden neben Coupés auch fünf Roadster gebaut. Von Mittelmotor und 600 bis 664 PS können normale CLK-Fahrer nur träumen. Außer dem Namen haben die beiden Autos aber doch etwas gemeinsam: die Heckleuchten. Viel mehr aber auch nicht.

Das Ferrari-Logo auf dem Alfa Romeo

Ferrari-Logo auf der Motorhaube eines Alfa-Romeo-Rennwagens, nahe dem Alfa-Romeo-Logo
Das Ferrari-Logo ist hier um ein Vielfaches größer als das Alfa-Romeo-Emblem.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Wir erinnern uns an Ferrari-Aufkleber auf jedem dritten Fiat Uno – aber das riesige Ferrari-Logo hier auf diesem Alfa Romeo Tipo B (P3) war nicht nur Dekoration: Enzo Ferrari hatte bis 1929 bei Alfa gearbeitet, gründete dann seinen eigenen Rennstall, die Scuderia Ferrari, als halb-offizielles Alfa-Rennteam. Die Autos nahm er weiterhin von Alfa.
Alfa Romeo Tipo B (P3) von schräg vorn
Die Jury des Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2025 verlieh diesem Alfa Romeo Tipo B den Gesamtsieg, den Preis "Trofeo BMW Group – Best of Show".
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
1933 vertrauten sie Enzo die Leitung (oder stellvertretende Leitung, je nach Quelle) der Alfa-Romeo-Rennabteilung an. Als Erkennungsmerkmal ließ er das schwarze Pferd auf gelbem Grund auf die Autos aufbringen.
Funfact zum Ferrari-Logo: Nach einem Rennen in Ravenna Anfang der 20er-Jahre wurde Enzo Ferrari von der Contessa Paolina Biancoli angesprochen. Ihr Sohn Francesco Baracca war Jagdflieger im Ersten Weltkrieg gewesen und später gefallen. Sein Flugzeug hatte er mit einem sich aufbäumenden Pferd bemalt. Die Contessa bat Enzo, das "Cavallino rampante" als Markenzeichen zu übernehmen. Weil sein Bruder Dino in derselben Einheit gedient hatte wie Baracca, stimmte er zu.

Der Eisbär auf dem Packard

Weiße Kühlerfigur in Form eines Eisbären
Ein Eisbär als Kühlerfigur – klingt wie Aberglaube, damit das Kühlwasser nicht zu heiß wird, hat aber einen biografischen Hintergrund.
Bild: Gudrun Muschalla/BMW
Auf dem Kühler des Packard 1108 Convertible Sedan by Dietrich von 1934 steht als Kühlerfigur ein Eisbär. Besitzerin war Louise Arner Boyd (1887 bis 1972), Goldminen-Erbin und Abenteurerin aus Kalifornien. 1919, mit Anfang 30, durchquerte sie die USA im Auto – da waren die Fernstraßen noch Schotterpisten.
Fünf Jahre später begann sie, Expeditionen in die Arktis zu unternehmen, anfangs mit einem Schiff, das vorher Roald Amundsen begleitet hatte. Als Amundsen und seine Mannschaft 1928 im scheinbar ewigen Eis vermisst waren, ging sie selbst mit ihrem Schiff auf die Suche. Die Presse nannte sie schon "Arctic Diana" und "das Mädchen, das die Arktis zähmte".
Kein Wunder, dass sie sich als Kühlerfigur für ihren V12-Luxusschlitten einen Eisbären aussuchte. Liebte sie Eisbären? Na, jedenfalls hat sie unterwegs mehrere erschossen.
Schwarzes Vorkriegsauto von schräg vorn
Packard 1108 Convertible Sedan by Dietrich von 1934 – das Auto der Abenteurerin Louise Arner Boyd.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
In den 30er-Jahren erkundete Louise Arner Boyd auch Grönland. Im Zweiten Weltkrieg bat die US-Regierung sie um weitere Expeditionen nach Grönland. Damals waren Vertreter der US-Regierung dort noch willkommen.

Die Sponsor-Schrift auf dem Ferrari

Große Aufschrift "Hotel Prado Americas Acapulco" in weiß auf dem roten Kotflügel eines Ferrari
Frühes Sponsoring – gut, dass Motorhaube und Kotflügel so lang sind.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Werbung an Rennwagen war 1954 etwas Neues. Der Ferrari 250 Monza mit Scaglietti-Karosserie aus Alu (eins von vier gebauten Exemplaren), trat unter anderem 1954 bei der Carrera Panamericana an – mit dem Namen seines Sponsors, eines Hotels, groß auf beiden Seiten.
Das Hotel Prado Americas in Acapulco gibt es längst nicht mehr. Aber dieser Ferrari mit der Fahrgestellnummer 0442M und der Aufschrift ist auf so vielen hochklassigen Oldtimer-Veranstaltungen zu sehen, dass man dort wieder ein Luxushotel mit diesem Namen eröffnen sollte. (Vielleicht ein Geschäftsmodell? AUTO BILD tauscht es gegen eine Freifahrt am Steuer dieses Ferrari. Kontakt über feedback@autobild.de.)
Roter Ferrari 250 Monza mit Scaglietti-Karosserie von 1954 von schräg vorn
Nach dem fünften Platz bei der Carrera Panamericana 1954 kaufte Rennfahrer und Mercedes-Importeur Manfredo Lippmann, geboren in Guatemala, den Ferrari und ließ ihn umlackieren. Später bekam er wieder roten Lack und die Aufschrift wie 1954.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Einziges Problem: Mit 240 PS auf nur rund 850 Kilogramm Gewicht war der V12-Rennwagen dermaßen schnell, dass man als Zuschauer Mühe hat, am vorbeirasenden Auto die Schrift zu lesen.

Das Rotlicht am Alfa 8C

Scheinwerfer des Alfa Romeo 8C mit roter Kappe
Drahtgitter und rote Kappen über den Scheinwerfern des Alfa Romeo 8C 2900 MM Spider Corsa mit Touring-Karosserie von 1938.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Schon als die Mille Miglia noch ein Rennen auf Zeit war, führte sie über Landstraßen und autostrade. Wildwechsel war also gefährlich. Zumal, wenn man am Steuer eines Alfa Romeo 8C 2900 MM saß: Der erreichte auf einem Autobahn-Abschnitt einen Durchschnitt von 211 km/h – im Jahr 1938!
Alfa Romeo 8C mit eingeschaltetem rotem Fahrlicht
Hier starrt der Streckenposten ins rote Licht und gebietet per Handzeichen Stillstand. Die Startnummer ist mit einer kreidehaltigen Farbe aufgebracht.
Bild: Hardy Mutschler/BMW
Deshalb stülpte das Rennteam dem Wagen rote Kappen vor die Scheinwerfer: Denn bei weißem Licht bleibt Wild stehen und blickt hinein, rotes Licht aber ist Rehen egal.

Das Faschistensymbol am selben Alfa

Rutenbündel der Liktoren als Aufkleber auf dem Alfa Romeo 8C von 1938
Das Beil im Rutenbündel stand sinnbildlich dafür, dass die Machthaber die Todesstrafe verhängen durften.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Noch ein Detail an diesem Alfa ist das Rutenbündel der Liktoren als Aufkleber – das Symbol der italienischen Faschisten. 1938 stand Italien längst unter Mussolinis Diktatur. Die Bündel (ital. fasces, daher das Wort "Faschismus") waren in der Antike bei den Etruskern das Symbol der höchsten Machthaber. Getragen wurde das Bündel von Liktoren, Dienern des Königs; deshalb wird es auch Liktorenbündel genannt.
Die Nationale Faschistische Partei in Italien nahm das Rutenbündel ins Parteiabzeichen, ähnlich wie die NSDAP das Hakenkreuz benutzte. 1926 wurde es offizielles Staatsemblem des Königreichs Italien.
Irgendwann nach Kriegsende tilgte jemand das Bündel von diesem Alfa Romeo. 2004 kaufte Modezar und Oldtimersammler Ralph Lauren den Wagen; er ließ ihn so restaurieren, dass er nun wieder genauso aussieht wie bei der Mille Miglia 1938, bis hin zur Startnummer aus Kreide – und zum Faschisten-Symbol auf der Motorhaube.

Das Touring-Logo am Alfa 6C

Wappen oder Logo der Carrozzeria Touring und Schriftzug Superleggera
"Superleggera" heißt superleicht, es bezeichnet die Methode der Carrozzeria Touring, aus dünnen Rohren leichte, aber stabile Gitter für die Karosserien herzustellen.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Apropos Faschisten: Nicht erst heute versuchen Autokraten, über Sprache und Namen ihre Vorstellungen durchzusetzen – das war auch in der faschistischen Diktatur in Italien so. Benito Mussolini wollte englische Wörter aus dem Sprachgebrauch tilgen. "Die italienischen Faschisten legten damals Wert darauf, dass der Name einer Firma in der Landessprache geschrieben und ausgesprochen wird", hat Großsammler Corrado Lopresto uns erzählt. Das betraf laut Lopresto sogar den italienischen Karosseriebetrieb in Mailand, der sich schon bei seiner Gründung 1926 Touring nannte. Der Name wurde also italianisiert: zu "Turinga".
Alfa Romeo 6C 2500 SS Tipo 256 Baujahr 1939 von schräg vorn
Alfa Romeo 6C 2500 SS Tipo 256 von 1939 mit Karosserie von Tou..., Thü..., ach, das ist kompliziert.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Deshalb waren wir überrascht, ein "Touring"-Logo am Alfa Romeo 6C 2500 SS Tipo 256 Baujahr 1939 zu finden – genau wie auch am roten Alfa Romeo 8C. Wurde die Fascho-Spur bei einer Restaurierung entfernt? Da müssen wir Corrado Lopresto noch mal fragen – ihm gehört der 6C nämlich.
Kein Detail an einem Auto, sondern sein Name erzählt die gleiche Geschichte: Lancia hatte seinen Modellen immer griechische Namen gegeben. Mussolinis Faschisten waren schon 1925 an die Macht gekommen; als Lancia 1931 sein luxuriöses Nachfolgemodell für den Lambda herausbrachte, brach der Hersteller mit dieser Tradition und nannte es Astura – nach der antiken römischen Burg in Nettuno. Das Adelsgeschlecht Frangipani hatte dort einen Festungsturm gebaut, um sich gegen den arabischen Stamm der Sarazenen zu verteidigen. "Wir gegen die" – der Stoff, aus dem nationalistische Heldensagen sind.

Das Kunstleder auf dem Duesenberg

Detail der Kunstleder-Oberfläche zwischen Motorraum und Windschutzscheibe
Kunstleder-Oberfläche zwischen Motorraum und Windschutzscheibe: Da quietscht nichts.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Zum Schluss noch etwas Erfreuliches. Kunstleder gilt ja gemeinhin als billiger Ersatz für echtes Leder; und in den 20er-Jahren waren Ganzstahlkarosserien ohne Holzrahmen der letzte Schrei. Wie kommt es also, dass ausgerechnet der wahnwitzig teure Duesenberg J Sports Sedan von 1929 großflächig mit Kunstleder bespannt ist?
Duesenberg J Sports Sedan von schräg vorn
Dieser Duesenberg mit "St. Cloud Sports Sedan"-Karosserie von Weymann American soll der einzige existierende Duesenberg mit Kunstlederkarosserie sein. Hinter der hohen Motorhaube: Duesenberg-Experte Tim Purrier.
Bild: Frank B. Meyer/AUTO BILD
Das liegt an einem Problem, das viele Ganzstahlkarosserien damals hatten: Sie quietschten. Sie waren nicht sehr steif, in Kurven und Schlaglöchern schabte Metall auf Metall, und Mylady musste sich die Ohren zuhalten.
Luftfahrtingenieur Charles Weymann, Sohn einer Französin und eines Amerikaners, erfand 1921 die Kunstleder-Karosserie, die dem Quietschen ein Ende setzte. Leicht war sie obendrein. Auf dem Rasen des Consorso d'Eleganza treffen wir Tim Purrier, den Duesenberg-Spezialisten und -Restaurator aus Troy (Michigan, USA). Er erklärt uns, dass dieses riesengroße Duesenberg J-Modell 2370 Kilogramm wiegt – enorm viel, aber rund 400 Kilogramm weniger als der Duesenberg SJ mit Stahlkarosserie da drüben.
Wem ein Duesenberg zu teuer ist, der kann eine ganz ähnliche Karosserie viel günstiger kriegen: Ab etwa 15.000 Euro gibt es einen DKW F 5. Und zu dem gibt es dann auch wieder tolle Hintergründe.
Diese Reise wurde unterstützt von BMW. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit.