Opel Kadett E GSi 16V: Oldtimer-Test
Kadett GSi: Der sportliche Blitz aus den 80er-Jahren im Test

Die sportliche Topversion mit dem Kürzel GSi war der erste Kadett mit vier Ventilen pro Zylinder. Kann der 150-PS-Opel im Test überzeugen?
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Was für ein Motor! Bei Vollgas unter 1500 Touren noch brummig wie beinahe jeder Vierzylinder – aber dann: Vibrationsarm und enorm druckvoll zieht er ab 1500/min hoch, hängt saugermäßig gut am Gas, oberhalb von 3000 zeigt er eine Drehfreude, dass es uns die Mundwinkel zwirbelt. Ein Sahnestück.
Schon der erste Kadett E GSi mit 1,8 Litern und 115 PS von 1984 war nicht langsam, der Zweiliter mit 115 bis 129 PS von 1986 sowieso nicht – aber der hier, in Deutschland 1988 gestartet, spielt in einer anderen Liga. Das Leistungsdiagramm lässt ahnen, wie viel die Ingenieure aus den zwei Litern herausgeholt haben, als sie nicht nur den Zylinderkopf wechselten, sondern auch Fächerkrümmer und Saugrohr neu gestalteten. Viel mehr Drehmoment in jeder Lebenslage, in der Spitze 150 PS – und das mit dem serienmäßigen Kat! Dass er klangvoller Musik macht als die anderen, liegt zum Teil auch an der Lexmaul-Auspuffanlage. Und dann ist er auch noch einen Liter sparsamer als der Golf.

Die Original-Endrohre des GSi 16V sind eckig, diese sind von Lexmaul.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Meisterwerk unter der Haube

Das Lederlenkrad war beim Opel Kadett E lediglich im 16V Serie.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Hurtig durch die Hütchen hetzen: Das verlangt Kurbelei und geht sicher. Erst im Extremfall, wenn er sich aufschaukelt, kündigt er rechtzeitig an, dass gleich das Heck wegzuwischen gedenkt. Federn kann der Golf eine Nuance besser. Der Kadett rollt mindestens so straff ab wie er, hebt sich aber auf welliger Strecke leicht aus. Dabei hatte Opel schon Ende 1988 die Zug- und Druckstufe der Stoßdämpfer gestrafft, unser Testwagen ist von 1989.
Da waren die serienmäßigen Digitalanzeigen (Fachwort: Mäusekino) noch eine Schau. Wobei der Tacho kaum Vorteile hat, die Drehzahl ist nicht exakt ablesbar, und wenn man tagsüber das Licht anschaltet, wird der Kasten arg dunkel. In puncto Motor ist der GSi aber ganz weit vorne.
Stärken und Schwächen
Welchen Motor haben wir denn da? Den C20XE, klar – aber da gibt es Unterschiede: Die ersten Jahre lieferte Mahle den Zylinderkopf zu, gegossen nach dem Coscast-Verfahren. Der gilt als zuverlässig, zu erkennen ist er an der fingerbreiten Gusskante rechts über der Stelle, wo der Kühlmittelschlauch ansetzt. Ist dort nur eine schmale Kante, haben wir einen Kolbenschmidt-Zylinderkopf: Der soll, wenn der Motor nach dem Kaltstart zu schnell heiß wird, reißen können – zu erkennen an Öl im Kühlwasser-Ausgleichsbehälter.
Keine Panik bei Ölverlust: Der liegt vielleicht nur am falschen Dichtring des Öldruckschalters. Donatus Schild (don@zuviel-ps.de) hat Stützrollen entwickelt, die zwischen Kurbel- und Nockenwelle gesetzt werden, um Zahnriemen-Flattern über 7200/min zu verhindern.
"Wenn der Motor nach Jahrzehnten und deutlich über 150.000 km ohne große Revision ganz rund läuft, kann man glücklich sein", seufzt Thomas Niewalda, Besitzer unseres Test-GSi.
Geht der Rückwärtsgang nicht oder nur laut rein? Das liegt meist am Lager der Hauptwelle oder am Schaltseil. Knarzt die Servolenkung? So klingt ein teurer Schaden.

Hohe Seitenwangen sollen dem Piloten bei Kurvenfahrten Seitenhalt geben.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Die Karosserie des Kadett E gilt als Lieblingsspeise des Radlaufrosts – aber laut Niewalda wurden die GSi 16V in der Fertigung "liebevoll von Hand mit Dinol gefüttert". Hilft nur dem Radlauf wenig, wenn spätere Besitzer ihn gebördelt haben.
Bei Reparaturen werden zuweilen die Abdeckgummis unter den Scheinwerfern vergessen (dann kann Wasser in die Längsträger fließen). Wenn die Fahrertür hängt, liegt es hoffentlich nur an den schwachen Stiften der Türscharniere. Ab und an Kontaktspray hält Instrumentendimmer, elektrische Spiegel und Fensterheber bei Laune.
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