Toyota Corolla GT 16V: Oldtimer im Check
Corolla GT: Scharfer GTI-Konkurrent aus Fernost

Als GT 16V präsentierte sich der alltagstaugliche Kompakte Toyota Corolla ab Ende 1983 von seiner besonders sportlichen Seite. So fährt sich der Japaner.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Volle Packung 80er: weiße Stoßstangen, roter Zierstreifen rundum, gelbe Gefahr. Die Japaner wurden immer besser, vor allem Toyota gab Vollgas, um wieder Marktanteile in Europa zu erobern. Mit Zuverlässigkeit, aber auch mit sportlichen Autos wie dem MR2, der Celica T16 und dem Corolla Coupé (AE86) – das 1983 mit Hinterradantrieb erschien, gerade als der normale Corolla (E8) zum ersten Mal mit Frontantrieb kam.
Hier haben wir so einen Fronttriebler – mit dem Motor aus den drei Sportwagen. Zwei oben liegende Nockenwellen, Zahnriemen, Alu-Zylinderkopf und Steuerelektronik: Ein 8-Bit-Mikroprozessor (wie stolz das klang!) regelt Einspritzung, Zündzeitpunkt und ein Ansaugluft-Steuerventil in den Ansaugkanälen. Untenrum bleibt das Ventil zu, sodass das Benzin-Luft-Gemisch gleichmäßig verteilt ist; bei 4650 Touren geht es auf und vergrößert das Ansaugvolumen. Also die Leistung.

Im Elchtest schwenkt das Heck des Corolla GT aus, nicht nur wegen alter Stoßdämpfer.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Auf zur Probefahrt
Probieren wir’s, der Motor ist warm. Tatsache, er zieht fröhlich hoch, und wo viele Achtventiler zäh werden, kräht er noch weiter. 121 PS scheuchen das leichte Auto – knapp über eine Tonne – in rund zehn Sekunden auf Tempo 100.
Die Schaltung hat lange Wege, ist aber schön exakt mit wenig Spiel. Etwas Druck nach rechts an dem zum Fahrer gekröpften Hebel, und der kurze Fünfte (rund 3400/ min bei Tempo 100) ist drin.
Am höhenverstellbaren Lederlenkrad mit Metallspeichen gibt's jetzt Arbeit: Slalom und Elchtest. Die indirekte Lenkung verlangt viel Kurbelei, der Corolla geht tief in die Federn. Dass das Heck früh zur Seite wischt, liegt zum Teil an den älteren Stoßdämpfern (die wir bei der Benotung rausfiltern) – aber nicht nur, wie alte Tests belegen.
Der Innenraum protzt mit viel Ausstattung und Details wie dem bei offener Tür beleuchteten Zündschüssel. Gut, von den dünnen Türen bis zu den Lüfterdüsen fühlt sich vieles eher leicht als hochwertig an – aber er hat auch nur gut 20.000 Mark gekostet. Mehr Ventile für weniger Geld bot Mitte der 80er niemand.

Der Instrumentenkasten könnte von Renault sein. Roter Bereich ab 7700/min, Tacho bis 240.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Es gehört zu seinem Charakter. Leicht, schnell und billig, ohne schlecht zu sein: Der Corolla ist eines der lustigsten Modelle dieser Zeit und damit auch ein echter Konkurrent für den Golf GTI – ideal für alle, die der aufgeschäumten Premium-Arroganz anderer Autos überdrüssig sind.
Genau hingeschaut
Vollständigkeit ist das Topkriterium, wenn man einen originalgetreuen GT 16 V sucht. Karosserieteile sind schwierig zu finden, gute, nicht aufgequollene Schwellerleisten zum Beispiel fast nie. Die GT-Kotflügel sind an den Radläufen anders geformt als bei Nicht-GT. Bei manchen Autos wurde die seltene Rücksitzbank einer Lautsprecheranlage geopfert.

Im Innenraum punktet der Corolla mit Dingen wie einer Sitzhöhenverstellung sowie Haltegriffen für Passagiere auf den Rücksitzen.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Rostfreie AE82 findet man kaum, aber laut Corolla-Kenner René Stemmler "sind sie einfach zu reparieren, selbst die Rahmenträger". Rostige Scheibenrahmen oder A-Säulen würde er allerdings meiden.
Beim Bestellen von Motorteilen nicht verwechseln: Den Motor 4A-GE gibt's als Blue Top mit blauer und schwarzer Schrift auf dem Ventildeckel und als Red Top mit anderen Kolbenbolzen und Pleuellagern. Immer warm fahren, genug 10W-40 rein und alle 10.000 Kilometer Öl mit Filter, Luftfilter und Zündkerzen wechseln, mahnt Stemmler. Ruckelt der Schalthebel im Fünften bei Lastwechseln, ist wahrscheinlich die teure Lagerplatte hin.
Tipp: "Ausrücklager Kupplung am besten gesondert original kaufen, auch wenn es teuer ist. Die bei den Kupplungssätzen mitgelieferten Teile sind oft minderwertig und machen bei nicht gedrückter Kupplung Geräusche, auch bei namhaften Marken wie LUK."
Die Bremse lässt sich aufwerten mit Stahlflexleitungen (etwa von fabian-spiegler.de); die 255-Millimeter-Bremse vom Corolla E9 GTi oder vom MR2 AW11 Facelift passt laut René Stemmler in den E8. Zu den Stärken des Modells zählen das robuste Fahrwerk, die haltbare Elektrik und Elektronik sowie die gute Versorgung mit Motorteilen, schon weil der 4A-GE auch in den Celica-Baureihen A6 und T16 sowie im MR2 lief.
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