Wie heißt es doch so schön? "Man lernt nie aus". Das gilt auch für Autos, von denen ich noch nie gehört habe. Während meines letzten Urlaubs stand ich plötzlich vor dem hier gezeigten Opel Kadett. Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Kadett GSi ausschaut, ist in Wahrheit ein waschechtes Homologationsmodell. Na, neugierig geworden?
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Zwar war mir bekannt, dass es eine Reihe von Sonder- oder Homologationsmodellen exklusiv für den südafrikanischen Markt gab – zu den bekanntesten zählen fraglos der BMW 333i und der BMW 530 MLE. Doch vom Opel Kadett mit diesem selbstbewussten Spitznamen hatte ich noch nie gehört. Bis ich im "Museo della Passione" ahnungslos vor einem der lediglich 500 Exemplare stand – von denen heute mutmaßlich nur noch wenige existieren dürften.
Die Geschichte dahinter ist schnell erzählt: Anfang der 1990er-Jahre war die südafrikanische Tourenwagen-Meisterschaft Gruppe N das, was bei uns die DTM war. Um in der beliebten und hart umkämpften Rennserie antreten zu dürfen, mussten auch dort Straßenversionen der jeweiligen Rennwagen homologiert werden. So entstanden einige der spannendsten und zugleich unbekanntesten Homologationsmodelle – teils sogar mit direkter Unterstützung der Hersteller. Heute sind diese "Homologation Specials" extrem begehrt und außerhalb Südafrikas dennoch weitgehend unbekannt.
BMW 333i
Der BMW 333i mit Sechszylinder (M30) aus dem 7er gehört zu den bekanntesten Homologationsmodellen aus Südafrika.
Bild: BMW Group Classic / Gudrun Muschalla
Lange Zeit dominierte BMW die Gruppe N mit dem speziell entwickelten 325iS. Dabei handelte es sich um einen E30, der in Südafrika entstand und vom 2,7-Liter-Reihensechszylinder aus dem Alpina C2 angetrieben wurde. Später folgten der 325iS Evo und Evo 2. Da der M3 E30 offiziell nicht in Südafrika angeboten wurde, avancierte der 325iS zur lokalen Legende. Tatsächlich war der schnelle E30 dort so populär, dass er einen eigenen Spitznamen erhielt: "Gusheshe" – der Flinke.

Nur 500 Mal gebaut

Doch zurück zum Superboss. 1991 trumpfte Opel mit einem stark modifizierten Kadett auf, verwies BMW in den Saisons 1991 und 1992 in die Schranken und sicherte sich den Titel. Der Kadett machte seinem Spitznamen damit alle Ehre.
Der Superboss basierte auf dem Kadett E GSi. Vom optisch beinahe dezent auftretenden Homologationsmodell entstanden 500 Exemplare – und die hatten es faustdick unter der Haube. Der Zweiliter-Vierzylinder wurde von der Firma Promotec umfangreich modifiziert. Zum Einsatz kamen unter anderem Schrick-Nockenwellen, Schmiedekolben, ein 4-in-1-Fächerkrümmer sowie eine geänderte Abgasanlage. Dank des fehlenden Katalysators und einer angepassten Software stieg die Leistung auf 170 PS und 228 Nm. Inoffiziell ist sogar von unterschiedlichen Abstimmungen mit bis zu 192 PS die Rede.

Maximaldrehzahl angehoben

Verschiedenen Quellen zufolge hielt der seltene Kadett lange Zeit den Rekord für das höchste Drehmoment pro Liter Hubraum – bis ihn 2009 der Ferrari 458 Italia ablöste. Rekord hin oder her: Der Superboss war richtig schnell. Den Sprint auf 100 km/h soll er in 7,6 Sekunden absolviert haben. Die Maximaldrehzahl wurde auf 7000 U/min angehoben, sodass der Kadett erst bei 234 km/h in den Begrenzer lief – eine echte Ansage Anfang der 1990er-Jahre.
Bis auf 15-Zoll-Räder und ein paar kleinere Anpassungen bleibt der Superboss optisch dezent. Im Innenraum gibt es ein eingesticktes 16V-Logo auf den Sitzen.
Bild: https://sportsandgtclassics.com/products/1991-opel-kadett-superboss
Die Tieferlegungsfedern (25 Millimeter) steuerte Opel-Spezialist Irmscher bei, die 15-Zoll-Räder stammen von Borbet, und das Sperrdifferenzial wurde von Andre Verwey zugeliefert, der sich in der lokalen Motorsport-Szene einen Namen gemacht hatte. Angeblich soll die Entwicklungszeit des Superboss lediglich vier Monate betragen haben.
Am Ende sollen 500 Kadett GSi 16V S Superboss entstanden sein, allesamt Rechtslenker. Wie viele davon bis heute überlebt haben, ist unklar. In Südafrika genießt das Homologationsmodell noch immer große Beliebtheit – auch wenn es außerhalb des Landes weitgehend unbekannt ist.

29.000 Euro für einen Superboss

Hin und wieder wird einer der verbliebenen Kadett Superboss zum Kauf angeboten, so auch kürzlich vom Händler Sports GT Classics aus Johannesburg. Das rote Exemplar mit lediglich 53.960 Kilometern auf dem Tacho war binnen kurzer Zeit verkauft. Mit einem Preis von umgerechnet knapp 29.000 Euro (555.000 südafrikanische Rand) kostet das Homologationsmodell nur einen Bruchteil eines BMW M3 Sport Evo – und etwa ein Zehntel eines Mercedes 190 E 2.6-16 Evo II, der übrigens auch nicht seltener ist.
Und eines ist sicher: Beim nächsten Stammtisch dürfte dieser sportliche Kadett garantiert für Gesprächsstoff sorgen – und das nicht nur wegen seines Namens.

Fazit

Bis vor wenigen Wochen hatte ich noch nie vom Superboss gehört. Ehrlich gesagt war es zunächst der Name, der mich neugierig machte. Doch je tiefer ich in die Geschichte eintauchte, desto faszinierender wurde sie. Beim Stichwort Homologationsmodelle aus Südafrika denken die meisten zwangsläufig an BMW. Dabei gab es noch viele andere, mindestens ebenso spannende Autos aus dieser Zeit. Den Opel Kadett GSi 16V S Superboss zum Beispiel.