Verdammt harte Konkurrenz für den schwächelnden VW Golf 2 GTI: Mit supermodernem Styling und einem cw-Wert von 0,30 (Weltrekord in der Kompaktklasse) war der Opel Kadett GSi 1984 der begehrenswerteste sportliche Opel seit dem Manta B.
Opel Kadett E GSi 16V
Kantiger Armaturenträger. Bordcomputer und Lederlenkrad waren Serie beim 16V.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Aber worüber sprachen die Autofans am meisten? Über die digitalen Anzeigen, die der GSi serienmäßig hatte. Spitzname: "Mäusekino", höhö. VW kopierte es sogar und bot es zwei Jahre später unter dem Namen DigiFiz an, für 420 Mark Aufpreis.

Digitaltacho, aber analoger Kilometerzähler

Das zeigt, was für eine Faszination von allem Elektronischen und Digitalen ausging, damals, in der digitalen Steinzeit.
Opel Kadett E GSi 16V
"LCD Electronics", voll digital, Drehzahlmesser hier als Leistungskurve dargestellt – Kilometerzähler aber noch per Walze.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Heute kichern wir darüber, dass unter dem Digitaltacho und dem Drehzahlmesser in Form einer Leistungskurve die Laufleistung immer noch per Walze angezeigt wird.

Opel Kadett GSi 16V: anders als andere Vierventiler

Die Laune wird gleich noch besser, denn im Vergleichstest für AUTO BILD KLASSIK testen wir den Kadett GSi 16V, den Opel im März 1988 nachschob.
Vierventiler waren damals meist erst oberhalb von 3000 oder gar 4000 Umdrehungen stärker als ihre Basismotoren mit zwei Ventilen. Ganz anders beim Kadett: Opel hatte dem Zweiventiler aus dem GSi 2.0i nicht nur einen neuen 16V-Zylinderkopf aufgesetzt, sondern auch Fächerkrümmer und Saugrohr neu entwickelt.
Ergebnis: Der 16V bietet übers gesamte Drehzahlband deutlich mehr Drehmoment, fast so viel wie der heutige 1.2 Turbo, aber ohne Turboloch. In der Spitze hat er 35 PS mehr als der Zweiventiler, 150 statt 115 PS.
Opel Kadett E GSi 16V
Ein Sahnestück: drehfreudiger, starker Zweiliter-Vierventil-Saugmotor mit 150 PS und 196 Nm.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Und das macht Laune! Vibrationsarm und druckvoll zieht er ab 1500 Touren hoch, hängt saugermäßig gut am Gas, oberhalb von 3000 zeigt er eine Drehfreude, dass es uns die Mundwinkel zwirbelt. Ein Sahnestück.
Dazu kommt, dass unser Testwagen von 1989 nur 1055 Kilogramm wiegt, nicht 1,3 Tonnen wie der aktuelle Astra L. Und die nachgerüstete Lexmaul-Abgasanlage des Testwagens macht Musik dazu – für heutige Begriffe geradezu dezent.

Sicher durch Slalom und Elchtest

Dann mal rein ins Hütchenbad! Auf der trockenen Teststrecke zirkelt der GSi sicher durch die Pylonen. Erst im Extremfall, wenn er sich aufschaukelt, kündigt er rechtzeitig an, dass gleich das Heck wegzuwischen gedenkt. Bei solchen Übungen verlangt die indirekte Lenkung allerdings Kurbelei.
Opel Kadett E GSi 16V
Gutmütiges Fahrverhalten im Slalom. Heckklappe und Rückleuchten sind beim Opel Kadett GSi abgedunkelt.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Auch die schwergängige Kupplung und die Schaltung mit ihren langen Wegen sind keine Schokoladenseiten des Kadett. Dafür halten die hohen Wangen der serienmäßigen Sportsitze uns schön fest.

Originale Kadett GSi 16V gibt es kaum noch

Wer jetzt Lust auf den 16V gekriegt hat, hat nicht mehr viel Auswahl: Bei Redaktionsschluss standen nur drei schöne, originalgetreue Limousinen in den Börsen.
Die Ersatzteilversorgung ist für einen Oldtimer ganz okay, aber weit davon entfernt, komplett zu sein. Wer zum Beispiel mit seinem GSi vorwärts irgendwo gegenballert, findet kaum noch Ersatz für den Stoßfänger, blaugraue Stoßleisten, Scheinwerfer oder Blechteile. Nicht nur deshalb: Augen auf die Straße und nicht ständig ins coole Mäusekino starren.
Opel Kadett E GSi 16V
Griffige Sportsitze mit hohen Sitzwangen, Velourspolstern und Rahmenkopfstützen.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Die ganze Kaufberatung steht in der gedruckten AUTO BILD KLASSIK 1/2024 – beim Vergleichstest, in dem dieser Kadett gegen VW Golf 2 GTI 16V, Renault 19 16V, Toyota Corolla GT 16 V und Honda Civic 1.6i-VTEC antritt.