Es ist wahr: Geländewagen sind in unserem Land so etwas wie Löwen im Zoo. Sie haben kein richtiges Habitat, müssten eigentlich ausbrechen nach Afrika oder Asien, wo endlose Weite und tiefster Matsch sie willkommen heißen. Insofern ist eine Debatte um Nutzen und Wohltaten des Land Rover Defender, Urvater aller Geländewagen, eigentlich obsolet. Denn das, was er besser kann als alle anderen (mit Abstand!), das darf er bei uns nicht.
Was tun? Man setzt den Landy auf der Straße ein, und da hat er es schwer. Das zeigt die leidenschaftliche Diskussion der beiden Redakteure.

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"Nichts fährt lässiger durch schweres Gelände, nichts altert schöner als ein Landy"

Ja, die Klischees stimmen alle: Ein klassischer Land Rover ist nur so gut wie seine Werkstatt. Die Qualität des Ur-Defender schwankte stark, weil das Auto bis zum Schluss (2016) weitgehend in Handarbeit entstand. Weshalb zahlen so viele Käufer Hochpreise für ein Auto, das schlecht bremst, schlecht heizt, im Ausweichtest abenteuerlich schwankt und oberhalb von 120 km/h der Hörfähigkeit etwa so zuträglich ist wie ein Konzert von Judas Priest? Fahren Sie mal einen Defender im Gelände, und er liefert Ihnen die Antwort: Nichts überwindet Felsbrocken, Baumstämme oder Gräben mit tiefem Matsch mit größerer Selbstverständlichkeit, nichts klettert lässiger. Und versuchen Sie mal, einen anderen Offroader von 1983 mit Permanentallrad zu finden, nutzbar auch auf Asphalt!
Rolf Klein
Für Rolf Klein ist der Land Rover die große Liebe, da werden ein paar Hiebe und Stöße nicht dran rütteln.
Bild: allrad
Land Rover war oft seiner Zeit voraus. Um 2003 hatten wir den damals aktuellen Defender Td5 als Dauertestwagen. Schon bei Kilometerstand 30000 brauchte er ein neues Getriebe, Wassereinbrüche setzten die Motorsteuerung schachmatt. Ich schnappte mir den Schlüssel trotzdem so oft wie möglich. Gerne für Langstrecken, das Kopfschütteln der Kollegen ignorierend. Weil er mich aus dem Hamsterrad herausholte. Für meine 400-Kilometer-Pendelstrecke brauchte er 15 Minuten mehr als ein Tritt-mich-Auto jener Zeit. Ich habe jede Minute genossen.
Ein Schlüssel zur Faszination Land Rover ist die Vielfalt. Ein Prospektfoto aus den Sechzigern zeigt alle damals erhältlichen Sonderaufbauten für den Series 2: ein Massenfoto mit Landys bis zum Horizont! Heutige 4x4 ohne Rahmen erlauben eine derartige Kreativität nicht. Natürlich hat die Rolls-Royce-artige Überlebensquote klassischer Land Rover (um die 70 Prozent fahren noch) auch mit Ästhetik zu tun. Kaum ein anderes Auto verwittert so schön. Und jede Blessur macht es interessanter.

"Im Gelände: ein Held. Auf der Straße: ein Fall für schmerzbefreite Liebhaber"

Ich nehme Sie einmal mit auf eine Probefahrt in einem Defender. Damit Sie wissen, wie es sich anfühlt, in einem Geländewagen (auf der Straße) zu fahren, dessen Konstruktion im Wesentlichen 76 Jahre alt ist. Im Landy werden Sie zum Maschinisten. Sobald der Diesel angerissen ist, vibriert der karge Kasten. Kupplung treten, Gang einlegen: alles mit Bedacht, aber nachdrücklich. Sie spüren am ganzen Körper, wie die Zahnräder ineinandergreifen, die Kardanwelle sich dreht, der Diesel dröhnend nagelt.
Jenseits des Ortsausgangs jaulen die Differenziale um die Wette mit den grobstolligen Reifen, orkanartige Windgeräusche ergänzen das herbe akustische Treiben. Nach wenigen Kilometern stellen sich Rückenschmerzen ein, die sich aus der verkrampften Haltung hinter dem Lenkrad ergeben. Eng wie in einer Sardinenbüchse hockt der Fahrer in der klapprigen Kiste, viel zu nah an der Tür, die sich anfühlt, als sei sie aus Pappe.
Lars Busemann
Ralf Busemann meint, dass es sein Trabi beim Fahrkomfort locker mit dem Land Rover aufnehmen kann.
Bild: Stephanie Gehrt
Warum bestrafen sich Menschen, die überwiegend auf asphaltierten Straßen fahren, mit diesem automobilen Dinosaurier? Mein geschätzter Kollege Rolf Klein hat auch keine mich befriedigende Antwort, bis auf die herausragenden Geländeeigenschaften des Landy. Und dessen lange Bauzeit. Selbst mein Trabant fährt komfortabler, hat eine bequemere Sitzposition.
Es gibt klassische Alternativen zu einem Defender, die im Gelände nur unwesentlich schlechter performen als ein Landy, aber auf der Straße erheblich komfortabler fahren: aus gleichem Haus der Range Rover oder der Discovery. Der Nissan Patrol, diverse Generationen des Toyota Land Cruiser. Und dann gibt es noch den Mercedes G: die Baureihen 460, 461, 463. Allesamt extrem klettertauglich. Und alle fahren sich körperlich schmerzfrei auf der Straße.