Ferrari F40   Porsche 959

Pro & Kontra: Porsche 959, Ferrari F40, Supersportler der 80er

Werden die 80er-Jahre-Supersportler als Ikonen überschätzt?

Ferrari F40 und Porsche 959 kämpften Ende der 80er um die Krone der Supersportwagen. Waren sie technisch überschätzt? Zwei Redakteure diskutieren!
Im Supercar-Boom Ende der 80er/Anfang der 90-Jahre waren sie die Hauptakteure: Ferrari F40, Porsche 959 und Jaguar XJ220. Sie legten die Messlatte für Straßensportwagen mit immer neuen Maximalgeschwindigkeiten höher und höher – und sie faszinieren bis heute. Doch werden die Supersportler der 80er, objektiv betrachtet, nicht gnadenlos überschätzt? Hier diskutieren zwei Redakteure:
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Henning Hinze: "Die Schnellschüsse sollten konzeptionelle Schwächen überdecken"

Henning Hinze kritisiert die überholte technische Basis.

©Sven Krieger / AUTO BILD

Jedes Kind der 80er erinnert sich an das Supercar-Wettrüsten dieser Zeit. Auch ich war fasziniert: Wie der technoide Porsche 959 alles in den Schatten stellte; wie der Ferrari F40 in Rennwagen-Manier dagegenhielt; wie der Jaguar XJ220 nachzog. Warum wir das wieder durchkauen, nun, da die Autos Legenden sind? Weil diese Supercar-Euphorie aus heutiger Sicht so absurd ist. Klar waren die Autos sauschnell. Aber sie waren Fehlentwicklungen. Porsche hatte seinen Uralt-911 und den modernen 928, der aber nicht recht akzeptiert wurde. Statt die viel geeignetere Basis des 928 weiterzuentwickeln und ihm damit eine Zukunft zu geben oder gleich ein neues Auto zu entwickeln, entschied sich eine eingeschüchterte Führung dazu, an ihrem mehr als zwei Jahrzehnte alten Erfolgsmodell herumzubasteln, bis die Karikatur eines Autos herauskam: 911-Dach und Amöben-Karosseriekleid, luftgekühlter Motor mit wassergekühltem Zylinderkopf. Das Image-Strohfeuer währte gut zwei Jahre, dann stand Porsche vor dem technischen und finanziellen Offenbarungseid. Ferrari konterte mit der Weiterentwicklung seines gescheiterten Rallye-Autos 288 GTO, das keine 20 Prozent mehr Leistung, aber einen übertriebenen Heckspoiler und einen Haufen Lufteinlässe bekam und bei dem alle zehn Jahre für 40.000 Euro die Gummitanks getauscht werden müssen. Der Jaguar verhungerte in gestrecktem Sprung. 1988 mit V12 und Allrad präsentiert, war der XJ220 nicht ansatzweise fertig. Schon 1989 übernahm Ford den ganzen Laden. Erst 1992 kam der XJ220 – als Biturbo-V6 mit Hinterradantrieb. Da war die Verwendung von riesigen Entwickler-Ressourcen für Mini-Projekte schon als das erkannt, was sie immer war: hilflose Verschwendung, bei der übermotorisierte Krücken herauskamen.
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Marcel Nobis: "Die 80er-Supersportler sind automobile Meisterwerke"

Marcel Nobis findet: "Das ist Majestätsbeleidigung!"

©Myron Kirchhoff

Wer die Supersportwagen der späten 80er als überschätzt bezeichnet, begeht in meinen Augen Majestätsbeleidigung. Porsche 959, Ferrari F40 und Jaguar XJ220 stehen für eine Zeit, in der die Hersteller nach den Sternen griffen – und zwar mit Erfolg. Im erbitterten Kampf um das beste und schnellste Auto der Welt schufen sie Meisterwerke, deren Strahlkraft bis heute positiv nachwirkt. 317 Kilometer pro Stunde im 959, sieben mehr im F40 – die beiden Hersteller übertrumpften einander in den 80ern wie Kinder beim Quartett, ehe Jaguar mit seinem 1988 vorgestellten XJ220 an der 350er-Marke kratzte. Die damals schier unglaublichen Werte waren Ergebnis meisterhafter Ingenieurskunst. Ferrari trimmte den F40 auf Rennwagen, um die maximale Leistung aus dem Konzept herauszuquetschen. Porsche wagte sich an neue Technologien und brachte erstmals Registerturbo und ein elektronisch geregeltes Allradfahrwerk in Serie. Und Jaguar entwickelte aus Rennsporttechnik eine Flunder, mit der jegliche Rekorde von Ferrari und Porsche pulverisiert wurden. Diese Errungenschaften verdienen Würdigung, auch 30 Jahre nach ihrem Zenit. Natürlich haben moderne Supersportwagen auf dem Prüfstand längst das Zepter übernommen. Gegen einen Bugatti Chiron mit 1500 PS braucht ein F40 gar nicht erst anzutreten. Aber das muss er auch nicht. 959, F40 und XJ220 haben ihre Pflicht erfüllt, in den 80ern Aufsehen erregt und mit ihrer Strahlkraft das jeweilige Markenimage aufleuchten lassen. Für mich sind sie heute ein unverzichtbares Stück Automobilgeschichte, ohne das ich mir die drei Marken gar nicht mehr vorstellen könnte. Dieses Verdienst kann man gar nicht hoch genug anrechnen.

Autoren: , Marcel Nobis

Fotos: Roman Raetzke

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