Mercedes W 123

Pro&Kontra: Wassergekühlte Porsche

Ist Porsche heute noch Porsche?

Die Vorstellung des Boxster-Prototyps mit Wasserkühlung war eine Zäsur für Porsche. Bis heute läuft der Streit, ob die Sportwagenmarke damit ihren Reiz verloren hat? Dazu zwei Meinungen!

"Die wassergekühlten Sportler sind super!"

Ja, bitte: Henning Hinze glaubt an den Reiz des Boxster.

Über die Pleite muss man gar nicht lange diskutieren. Hätte Porsche an seinen luftgekühlten Retro-Autos festgehalten, hätte die Firma die 90er nicht überlebt. Die klassischen Elfer sind ganz eigene, großartige Autos, aber im Neuwagengeschäft drohten sie schon damals zu Nischenautos zu werden, die Unternehmen von Größe und Anspruch des Sportwagenherstellers nicht hätten finanzieren können.Porsche hat Anfang der 90er wirklich in allerletzter Sekunde die Kurve gekriegt. Tatsächlich entscheidender ist aber: Damals sind wirklich gute Porsche entstanden! Ja, sie klingen schlechter. Das war’s dann aber auch. Die Sportwagen der Wasserkühlungs-Ära liegen wie ein Brett auf der Straße, bremsen sensationell und sind allesamt mindestens so kräftig wie ihre Vorgänger. Das reicht uns Klassiker-Fans natürlich nicht. Wir suchen ja ein Auto-Gefühl, konkret: das Porsche-Gefühl!

Umfrage

Ist Porsche heute noch Porsche?

Klassik-Umfrage: Ist Porsche heute noch Porsche?
Aber auch das ist sofort spürbar im Boxster und im ersten wassergekühlten Elfer, dem 996. Und weil dessen Materialqualität gern bemängelt wird: Da waren die luftgekühlten Elfer mit ihrer 60er-Jahre-Genetik wirklich keine Vorbilder. Nicht dass ich missverstanden werde: Ich will nicht die luftgekühlten Porsche kritisieren. Die sind wirklich spektakulär gut! Mein Argument ist nur, dass luft- und wassergekühlt zwei fantastische Spielarten der gleichen Idee sind, die beide ihre Daseinsberechtigung haben.

"Porsche fahren war harte Arbeit - den Elfer lenkt heute jeder!"

Nein, danke: Tomas Hirschberger vermisst den Kult-Faktor.

Was für eine fiese Frage! Kein Autofan der Welt wird ernsthaft Porsche bashen. Ich schon gar nicht. Ich liebe diese Marke. Doch wenn ich überlege, woher Porsche kommt, wo die Keimzelle liegt, die den heutigen Kult einst begründet hat, dann komme ich schon ins Grübeln. Also reisen wir noch mal kurz zurück. In die Anfänge, in die frühen Fünfziger. Zum 356. Der war ein Asket. Spartanisch ausgestattet, unkomfortabel, leicht und laut. Eine Fahrmaschine, frei von Eitelkeiten und Ballast. Ein ehrlicher Sportwagen mit überschaubarer Leistung, der seinen Fahrer auf jedem Meter forderte. Genau wie die Elfer danach auch. Eigentlich bis zum 993. Wer damit nicht umgehen konnte, flog ab in den Graben. Heute kann jeder Schimpanse einen Elfer fahren. Der ist längst zu groß, zu komfortabel, zu perfekt geworden. Und dekadenter, als es der ungeliebte 928er jemals war. Eine Armee von Assistenzsystemen hält sicher den Kurs und lullt dich ein. Noch bei 285 Sachen kannst du E-Mails diktieren. Wer’s mag... Natürlich weiß ich, warum ein Elfer heute so ist, wie er ist. Warum der Sportwagenhersteller Porsche heute zu fast 70 Prozent fette SUV verkauft. Ich bin ja nicht blind oder ewig gestrig. Porsche baut heute für China, für Amerika und ein bisschen noch für Europa. Mich lässt ein aktueller Elfer mittlerweile erstaunlich kalt. Wie auch die Cayenne, die Macan oder die Panamera dieser Welt. Sie fahren super, nur mit dem Mythos Porsche haben sie null zu tun. Soweit die Meinung der beiden AUTO BILD KLASSIK-Kollegen. Was meinen Sie? Stimmen Sie ab!

Autoren: Henning Hinze, Tomas Hirschberger

Stichworte:

Oldtimer Youngtimer

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