Flügeltürer SGS Arrow C1
Der irrste Umbau des Mercedes SEC

80er-Jahre-Tuning extrem: Die Styling Garage machte aus dem Mercedes 500 SEC (C 126) den Flügeltürer SGS Arrow C1. Hintergründe und Fahrbericht.
Bild: Christian Bittmann / AUTO BILD
Selbst unter den wilden Tuning-Kreationen der Styling Garage Schenefeld (SGS) sticht dieses Auto noch heraus: der SGS Arrow C1 – ein Flügeltürer in weitgehend eigenem Design. Die technische Basis: der Mercedes 500 SEC aus der legendären Baureihe C 126.

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Große Abschieds-Show auf der Retro Classics Essen
Im April 2026 wurde der spektakuläre SGS Arrow C1 – eines von nur vier gebauten Exemplaren – auf der Oldtimermesse Retro Classics Essen 2026 ausgestellt. In Halle 2 war er Teil einer SGS-Schau mit neun Autos. So viele gab es auf einer Messe unseres Wissens noch nie.
Aktueller Anlass: SGS-Chef Chris Hahn zieht sich 2026 aus dem Geschäft zurück. Der legendäre Firmengründer hat sein Unternehmen SGS Styling Garage Service UG an André Peters verkauft. Geschäftsführer wird David-Alexander Brunnert, der schon 1985 sein Schulpraktikum bei SGS machte. Die Styling Garage Service UG "firmiert künftig als Styling Garage Spezialkarosserien GmbH", teilt Chris Hahn mit.
Hahn selbst, Jahrgang 1952, tritt nach fast 48 Jahren "altersbedingt zurück", schreibt er in einer Pressemitteilung. "Die Styling Garage war immer ein Ort für Ideen, Mut und ungewöhnliche Lösungen und hat über all die Jahre Weltruhm erlangt mit vielen Innovationen und Patenten auch die Autoindustrie jahrelang mitgeprägt", schreibt er stolz. Und: "Ich freue mich, dass die Firma Styling Garage weiterlebt und dass Menschen da sind, die sie in die Zukunft führen". Neue Projekte seien schon angeschoben.
Basis-Fakten über den SGS Arrow C1
Basisfahrzeug | Mercedes 500 SEC (C 126) |
|---|---|
Umbau | SGS Styling Garage Schenefeld |
Umbaujahr | 1985 |
Stückzahl | 4 |
Motor | V8 von Mercedes (M 117), 4973 cm3, 170 kW (231 PS) bei 4750/min, 405 Nm bei 3000/min |
Messeauftritt | Retro Classics Essen 2026 |
So ist der SGS Arrow C1 entstanden
Geht nicht gibt's nicht – das könnte als Überschrift für die 80er-Jahre stehen. Damals scheint alles möglich. In Mode, Musik und besonders im Motorsport, wo die Gruppe-B-Monster vor lauter Kraft und Spoilern kaum fahren können. Sicher kein Zufall, dass zu dieser Zeit die Tuningbranche Rekordumsätze macht.

Front, Heck mit Spoiler und Verbreiterungen sind aus GFK gefertigt, Flügeltüren und Dach bestehen aus Blech. An der C-Säule erkennen gut informierte Fans noch den Mercedes SEC. Auch die Heckleuchten sind vom 126er Mercedes, die Blenden dazwischen nicht.
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Der Kopf hinter dem Tuning-SEC: Chris Hahn
Zu den ganz Großen gehört Chris Hahn. Niemand setzt "Geht nicht gibt's nicht" so konsequent um wie er. Hahn macht nicht nur teure Limousinen länger, breiter und schriller. Er baut auch die Autos, die die Hersteller sich nicht trauen. Ein S-Klasse-Cabrio mit zwei oder vier Türen? Ein offener BMW 850i? Der SEC mit Flügeltüren? Solche Umbauten bekommen zahlungskräftige Kunden aus aller Welt nur bei Chris Hahns Styling Garage in Pinneberg (Schleswig-Holstein). Die Geschäfte laufen glänzend, als er auf der IAA 1985 den Höhepunkt seiner bisherigen Schaffenskraft präsentiert: den SGS Arrow C1.

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Das Konzept des Arrow C1: Best of Benz

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Ursprünglich will Hahn den C 111 komplett nachbauen, denn durch einen glücklichen Zufall ist er an die Originalformen gekommen: Ein ehemaliger Ingenieur der Rastatter Waggonwerke hat sie vor der Verschrottung gerettet. Als sein Projekt, den C 111 auf Basis eines VW-Porsche nachzubauen, scheitert, bekommt Hahn davon Wind und kauft ihm die Formen ab.
Der Isdera Imperator kommt Chris Hahn dazwischen
Dummerweise arbeiten auch andere Hersteller an einem modernen C 111. Hahns Nachbau müsste sich seine kleine Nische mit dem 1983 präsentierten Isdera Imperator teilen – einer sehr gelungenen Interpretation des Rekordwagens, ebenfalls mit Flügeltüren und Mercedes-Technik.

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Also ändert er – auch auf Drängen seiner Mitarbeiter – den C-111-Plan: "Die Jungs meinten, dass wir mit dem SGS-Erfolgsmodell Gullwing den besten Flügeltürer haben und ich dem einfach die C-111-Front verpassen soll."

Neues rotes Leder passt perfekt zum auffälligen Äußeren.
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"Unser geilster IAA-Auftritt aller Zeiten"
Gesagt, getan. Das erste Exemplar steht auf der IAA 1985. "Das war unser geilster IAA-Auftritt aller Zeiten. Alle Autos in Dunkelblau mit grauem Leder. Nur der Arrow C1 in Schwarz mit rotem Leder", erinnert sich Chris Hahn. Die Begeisterung auf der Messe kennt keine Grenzen.

Mit den großen roten Druckknöpfen in der Mittelkonsole werden die Türen geschlossen.
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Die Kauflust dagegen schon. Ohne einen Auftrag verlässt Hahn die IAA.
Denn während er mit seinem C-111-Flügeltürer auf Wolke sieben schwebt, hat der Dollar längst zum Sturzflug angesetzt. In 18 Monaten verliert er fast 60 Prozent seines Wertes. Auch die Nachfrage geht gegen null. Nur drei weitere Arrow C1 und eine Handvoll anderer Modelle entstehen noch. Viel zu wenig für ein Unternehmen mit 100 Angestellten.

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Aus der Insolvenz kommt der Arrow zu Thomas Gottschalk ...
Die Styling Garage muss Insolvenz anmelden. Der erste Arrow C1 hat noch einen Kurzauftritt im Film "Die Einsteiger" mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger, bevor er aus der Insolvenzmasse herausgekauft wird.
Der neue Eigentümer zerlegt den Wagen, um ihn nachzubauen. Aber auch dieses Projekt scheitert, weil die auf GFK spezialisierte Firma, die die Teile abformen soll, abbrennt.
... und von da in die Scheune
Der Geldgeber des neuen Eigentümers – ein bayerischer Großbauer – zieht die Notbremse, sichert sich den Arrow C1 und stellt ihn in eine Scheune.
Dort bleibt der Wagen über Jahrzehnte stehen – bis Chris Hahn sich auf die Suche macht und ihn 2021 tatsächlich wiederfindet. Es vergeht noch mal etwas Zeit, bis der Arrow C1 2022 zu seinem Schöpfer zurückkehrt. Hahn, der bestens in der Autoszene vernetzt ist und viele Besitzer seiner SGS-Kreationen kennt, kann ihn im Auftrag eines Sammlers zurückkaufen.
Alle vier SGS Arrow C1 existieren noch

Bild: privat

Bild: privat

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Der Neuaufbau des SGS Arrow C1
Umgehend macht er sich an den Neuaufbau des zerlegten, entlackten und bis auf Tank, Innenausstattung und hintere Scheiben kompletten Arrow C1. Die originale Basis – ein 1984er Mercedes 500 SEC – hat die Zeit ohne Rost und mit nur etwa 1000 Kilometer Laufleistung gut überstanden. Gleiches gilt für das Dach und die Türen aus Stahl. Nur Vorder- und Hinterbau aus GFK sind nicht mehr vorzeigbar.
Hahn lässt die Teile mit dem Mineral Korund strahlen und dann von der Karkasse an mit Glasfasermatten und Spachtel neu aufbauen. 15 Monate lang bringt Hahn den Arrow C1 mit den Mitarbeitern seiner neu gegründeten Firma Styling Garage Service wieder auf Vordermann.
Als der Beschluss fällt, das Auto 2024 auf der Retro Classics in Stuttgart auszustellen, wird die Zeit knapp. Davon zeugen die nicht perfekt sitzenden Rückleuchten und das leicht schiefe Typenschild am Heck ebenso wie ein fehlendes Element der Musikanlage und der Instrumententräger. Weil sich die Lieferung des neuen Kombiinstruments verspätet, sind Tacho und andere Instrumente erst mal nur aufgeklebt.

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Die Innenausstattung muss Hahn komplett neu anfertigen lassen, weil er an die originalen Sitze und das alte Lenkrad nicht rankommt. Pünktlich zur Messe erhält der Arrow C1 noch zwei rote Zierstreifen.
In Stuttgart wird er zu einem der meistfotografierten Autos in einer Sonderschau, die sich den Tuning-Ikonen der 80er- und 90er-Jahre widmet. Die Jury kürt ihn zum Best Car of the Show. Ein guter Grund, den SGS Arrow C1 auch 2026 auf der ersten Retro Classics in Essen auszustellen.
So fährt sich der SGS Arrow C 1
Ein Auto der Styling Garage in freier Wildbahn zu erleben, war schon in den 80er-Jahren eine kleine Sensation. Heute, da die meisten Autos in Sammlungen in aller Welt stehen, gilt das erst recht. Umso besser für uns, dass wir mit Chris Hahn auf Gut Kaden in Schleswig-Holstein zu einer Ausfahrt im Arrow C1 verabredet sind.
Die aufgeklebten roten Zierstreifen sind seit der letzten Autowäsche Geschichte, aber auch so beeindruckt dieses Auto aus jeder Perspektive.
Das gilt besonders bei offenen Flügeltüren. Hahn hat die Hydraulik und den Schließmechanismus erneuert. Ein Ziehen am Türgriff reicht, um die Tür in wenigen Sekunden nach oben fahren zu lassen.
Sie geben den Blick auf eine neue, knallrote Lederausstattung frei. Vor dem Fahrer das Mäusekino, vor dem Beifahrer die Musikanlage von Pioneer. In der Mittelkonsole fallen zwei große rote Druckknöpfe auf. Sie leiten den Schließvorgang der Türen ein.

Auf den dreiteiligen BBS-Rädern stecken hinten Reifen der Dimension 345/35 VR 15, vorn 285/40 VR 15.
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Hahn gibt sein Schätzchen nur ungern aus der Hand. Schließlich gehört der Arrow C1 dem Sammler, und sein Wert wurde 2024 auf gut 600.000 Euro geschätzt. Also lässt der Meister selbst den Motor an.
Der V8 hört sich nach deutlich mehr als 231 PS an. Eine Überraschung, weil SGS kein Motortuning angeboten hat. "Töpfe raus, lange Rohre rein", klärt Chris Hahn schmunzelnd auf. "Das war mein Scheichtuning."

Motorraum samt Fünfliter-V8 mit 231 PS vom Mercedes 500 SEC. Der Luftfilterkasten ist etwas flacher als das Original, um unter die abfallende Haube zu passen, das Lüfterrad hat deswegen gekürzte Blätter.
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Power und Fahrleistungen des Arrow C1 sind heutzutage nichts Besonderes mehr, bei diesem Auto aber auch absolut zweitrangig. Schnell fahren können viele – aber keiner beherrscht die große Show so wie dieser schwarze Flügeltürer.
Mit diesem Auto kann man nicht nicht auffallen. Privat ist er so ein "Indianerauto", wie Hahn seine veredelten Luxusautos nennt, niemals gefahren. "Ich bin kein Autofreak, hatte noch nie ein gutes Auto. Für mich ist ein Auto mehr Mittel zum Zweck", stellt er fest.

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Zwischendurch will er unbedingt mit offenen Türen fahren. Dafür müssen wir einfach nur den serienmäßigen Türöffner betätigen. Schon klappen die Türen nach oben.

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Ein Arrow C1 mit hochgeklappten Türen und Klappscheinwerfern – im Stand eine Erscheinung, in Fahrt der absolute Kracher. Mehr geht nicht. Zurück auf Gut Kaden, gleitet die Tür durch Drücken des dezenten schwarzen Knopfs auf Höhe des Türgriffs zurück ins Schloss. So lange aber noch unrestaurierte SGS Arrow C1 existieren, ist das Thema nicht abgeschlossen.
In einer früheren Version dieses Artikels schrieben wir mit Berufung auf Chris Hahn, dass er etwa zwölf SGS-Kreationen für die Messe in Essen einplante. Auf dem Stand angekommen sind neun – eines z. B. nicht, weil der Besitzer gerade Vater wurde.
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