Zurückgekaufte Autos: Opel Kadett C Aero
"Den Verkauf des Kadett habe ich sofort bereut"

Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Eigentlich hat sich ja nicht viel geändert. Spoiler, Zusatzscheinwerfer und die Außenspiegel aus dem Zubehör sind noch da, alles damals eigenhändig montiert. Leider auch die Blaupunkt-Lautsprecher in den unwiederbringlichen Türpappen.
Vielleicht wirken die 60 PS des emsig schnarrenden Vierzylinders etwas weniger spritzig als damals mit 18, und das originale Kardinalrot ist etwas verschossen, eher leicht tomatig. Aber es ist immer noch Roland Hauks Opel Kadett Aero. Sein erstes Auto!
Mit Omas Finanzspritze zum Kadett
"Ich bin gelernter Koch, habe schon mit 15 meine Lehre begonnen. Mit Omas Unterstützung konnte ich mir dann zum Führerschein den Aero leisten. 6000 Mark hat er gekostet. Das war viel Geld!“ Das Auto kannte Roland Hauk bereits: Erstbesitzer war ein Cousin, der es bei Opel Bingler in Buchen im Odenwald in Kommission gegeben hatte. "Der Händler gehört auch zur weitläufigen Verwandtschaft. Alle in meiner Familie fuhren Opel. Immer!“
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Erst wurden die Tuningteile montiert, dann auf Anraten des Vaters Unterbodenschutz aufgetragen, und anschließend folgte ein kapitaler Unfall auf nasser Strecke, Seitenschaden und krumme Hinterachse inklusive. Alles in wenigen Wochen. "Das war mir so peinlich", sagt Hauk.

Die Fertigung des ersten offenen Opel seit 1956 übernahm der Karosseriebauspezialist Baur.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Danach spulte der offene Aero Kadett-typisch zäh sein Programm ab. Mit 60 PS und einem Durchschnittsverbrauch von 7,5 Liter Normal auf 100 Kilometer pendelte Roland Hauk zwischen ländlicher Heimat und großstädtischem Arbeitsplatz in Stuttgart.
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Die Fixkosten sind verbrieft, weil die klein karierten "Brunnen“-Mathematikhefte, in denen Hauk Kosten und Verbräuche von Anfang an in noch jugendlicher Handschrift haarklein notierte, auch 40 Jahre später gut geordnet vorliegen. "Ich mache das heute noch so, bei jedem meiner Autos. 1,46 Mark pro Liter Sprit waren aber damals schon teuer“, sagt der 59-Jährige beim Blättern durch seine alten "Benzinhefte“.

Die kleine "Nähmaschine" mit 1,2 Liter Hubraum und 60 PS.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Als sich erster Rost an den Schwellern und am Targabügel breitmachte, verkaufte er 1987 seinen Aero an das Opel-Autohaus Wetterauer im Nachbarort Mudau. "50.000 Kilometer bin ich in vier Jahren gefahren, habe aber noch 5000 Mark bekommen. Als Ersatz habe ich mir einen Ascona C gekauft – das war ein gutes Auto, aber im Vergleich zum Aero total langweilig. Den Verkauf des Kadett habe ich sofort bereut.“
"Der zweite Kauf war ein Geschenk von mir an mich selbst"
Dass heute auch ein Monza 2.5 E und ein Rekord E Caravan zum Fuhrpark gehören, führt Roland Hauk auf den Kadett C zurück. Den er sich fast 20 Jahre später zurückholte. "2005 habe ich den Aero schließlich ein zweites Mal gekauft. Als Geschenk von mir an mich selbst zu meinem 40. Geburtstag." Was komplizierter klingt, als es war.
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"Ich wusste ja, wo der Wagen steht. Als ich mal wieder in meiner alten Heimat war, habe ich den Händler besucht und gesagt: Thomas, komm … ich will mein Auto zurück." Der Juniorchef überführte den Kadett persönlich nach Apolda, wo Roland und Ehefrau Ines inzwischen ein Hotel führten.

Vornehmes grau-rotes Glencheck-Muster auf Sitzen und Türtafeln wertet den Aero-Innenraum auf. Die SR Zusatzinstrumente auf der Mittelkonsole waren serienmäßig, das Sportlenkrad kam extra.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
"Seit dem Verkauf 1987 waren tatsächlich nur 700 Kilometer dazu gekommen – die 400 Kilometer nach Apolda mit eingerechnet." Weil die Begeisterung über die Rückkehr Wellen schlug, schenkte Hauk seiner Frau kurz darauf einen eigenen, weißen Kadett C Aero – der mit nur 1332 Stück eine der seltensten Kadett-Unterarten darstellt. Heute ist Sohn Christoph mit dem zweiten Aero unterwegs.
Dass es Roland Hauks kardinalroter 1.2 S in einem unverfälschten Zustand der Achtzigerjahre bis ins neue Jahrtausend geschafft hat, dürfte sogar ziemlich einmalig sein. "Sogar die Klebebuchstaben, meine Initialen, auf der Fahrertür sind noch da." Es hat sich eigentlich gar nichts geändert.
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