Zurückgekaufte Autos: Mercedes 250 SL
Den Familien-Sportwagen zurückgekauft

Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Irgendwie musste man sich bei Familie Weber den Kauf des teuren Luxusguts leichter erklärbar machen, vielleicht auch schönrechnen. Also wurde beim Erwerb des neuen Mercedes 250 SL nicht nur der alte 230 SL, sondern auch gleich die Sechszylinder-Heckflosse mit in Zahlung gegeben. Den 220 b der Baureihe W 111 ersetzte künftig ein betont sparsamer 200 D. Luxus und 150 PS hüben, selbst gewählte Askese mit Ölmotor und nur 55 PS drüben. Ein Kompensationsgeschäft der besonderen Art.
"Ich glaube, so konnte mein Vater die Anschaffung des 250 SL meiner Mutter besser verkaufen", sagt Ralf Weber (74). Mit kurzer Unterbrechung begleitet ihn das Auto seit seiner Jugend, Verkauf und Rückkauf hat er selbst zu verantworten. "Vater und Mutter hatten beide je eine Heckflosse 220 b, als Schalter und mit Automatik. Der 200 D, der dann ins Haus kam, war ein Vernunftauto. Aber der 250 SL hieß bei uns immer nur 'der Sportwagen'."

Hellbeiges Leder und tiefblauer Lack der konservativen Sorte 332. Viele Kunden orderten ihre Pagode in zurückhaltender Farbgebung, fast wie bei einer Limousine
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Heute verfolgt den auf zweieinhalb Liter Hubraum aufgebohrten Motor des Typs M 180 der Ruf der trinkfesten, thermisch anfälligen Notlösung. Hätte Horst Weber gewusst, dass der in vielen Belangen bessere 280 SL nur noch ein Jahr entfernt war, hätte er vielleicht gewartet. Aber damals, 1967, war der 250 SL der einzige W 113, den Mercedes im Programm führte. Und für Horst Weber, in der Stahlindustrie tätig, war der 250 SL der erste Neuwagen. Und auch ein Prestigeobjekt.
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"Bis dahin hatte mein Vater immer nur Vorführwagen gekauft, vom ersten Ponton-Mercedes an", sagt Sohn Ralf. "Aber jetzt: ein teurer Neuwagen! Das kam beim Unvernunftkauf noch dazu."
"Mein Vater wollte wieder einen Schaltwagen"
Der Grund für den Wechsel vom 230 SL mit Automatik auf den neuen, handgerissenen 250 SL lag vor allem darin, dass der Vater wieder einen Schaltwagen wollte. Und mit der mit allen Wassern gewaschenen Verkäuferin des Autohauses Dr. Vogler in Bad Homburg habe er wohl auch gern geflirtet, fügte Mutter Marga später immer wieder gern hinzu.
Seinen Neuwagen orderte Horst Weber in der gleichen Farbe, die schon das Vorgängermodell getragen hatte: im dunklen, je nach Lichteinfall fast schwarz wirkenden Blau mit dem Mercedes-Code 332. Am 1. August 1967 erfolgte die Zulassung, im Dezember desselben Jahres schon die Stilllegung über den Winter.

Mit 150 PS lag die Leistung des nur ein Jahr lang angebotenen 2,5-Liter-Motors auf dem Niveau des Vorgängers 230 SL, lieferte aber mehr Drehmoment.
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Die ersten Jahre habe sein Vater "den Sportwagen" noch geschont, erst ab den frühen Siebzigerjahren sei dieser dann ohne Unterbrechung sommers wie winters unterwegs gewesen, sagt Ralf Weber. Zahllose Stempel im braunen Pappbrief, ausgestellt auf das alte Kennzeichen FH-AZ 200 des nicht mehr existenten Landkreises Frankfurt-Höchst, zeugen von den vielen Amtsgängen.
Zwischendrin wurde der 250 SL benutzt. "Meine Eltern sind viel damit gefahren, gern auch nach Italien ins Sommerhaus. Wenn ich mich nicht irre, müsste die Laufleistung heute bei rund 365.000 Kilometern liegen." Pflege und Wartung wurden großgeschrieben. Gab es etwas zu reparieren, wurde es erledigt – Mercedes Dick in Hofheim im Taunus erledigte die Arbeiten gewissenhaft.
Mit der ganzjährigen Nutzung ab 1972, mit den Fahrten bei Eis und Schnee und Salz, schritt der Verfall dann schnell voran. Im Gebrauchtwagen-Alter von 17 Jahren waren die Rostschäden am 250 SL massiv: Front und Heck kamen mehr oder weniger neu. Die Rettung der Pagode war der erste Akt der Liebhaberei!

Mit 5196 Stück ist der 250 SL heute der seltenste Vertreter der Pagoden-Baureihe.
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Als ein Innenschweller für die Baureihe W 113 noch mit 61 und ein Radlauf mit 92 Mark berechnet wurde, flossen Ersatzteile im Wert von 1666 Mark in die Instandsetzung des 250 SL. Plus Arbeitslohn und Lackierung. Gesamtkosten von über 13.000 Mark wies die Rechnung 1984 aus. "Und dabei haben sie den Wagen sogar noch in der falschen Farbe, im etwas helleren Blau 904, lackiert. Meinen Vater hat es aber wohl gar nicht gestört. Oder vielleicht hat er es nicht gemerkt", sagt Ralf Weber.
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Nach rund 35 Jahren sollte es dann aber doch noch einmal etwas Neues sein. "Mein Vater wollte einen SLK (R 170) haben. Ich habe ihm die Pagode für 30.000 Mark abgekauft." Ein angemessener Preis, kein Schnäppchen. "Ich habe noch zwei Geschwister, da musste alles seine Ordnung haben."
Der Verkauf war eine gefühlte "Kurzschlusshandlung"
Im März 2001 erfolgte die Ummeldung von Horst auf Ralf Weber, fünf Jahre später war es Zeit für die zweite Restaurierung. Dieses Mal erhielt der 250 SL auch endlich seine originale Farbe zurück. "Und 2012 habe ich das Auto dann tatsächlich verkauft."
Selbstkritisch fügt der 74-Jährige heute an, dass das Hobby damals wohl überhandgenommen habe. Er ist seit Jahrzehnten in der Klassiker- und Mercedes-Szene tief verwurzelt sowie als Fan und Fürsprecher zeitgeistiger Tuningfahrzeuge und Exoten aus dem Hause SGS bekannt. "Ich hatte fast 50 Autos, das war alles viel zu viel, wurde zur Belastung. Andere Autos, etwa meinen Jaguar E-Type V12 Roadster, und Restaurierungsobjekte habe ich auch verkauft. Alles in allem etwa zehn Autos."
Im Nachhinein fühlte sich der Verkauf des SL vielleicht nach Kurzschlusshandlung an, der Stachel der schönen Pagode saß tief – schon nach ein paar Jahren ging Ralf Weber wieder auf die Suche.

Wie viele Kilometer die Pagode auf dem Tacho hat, ist unklar. Schätzungen gehen von rund 365.000 km aus. Mit dem ersten Motor!
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"Ich habe mich zuerst einmal im Internet umgeschaut: Ich wollte wieder eine Pagode, aber dann wurde mir nach und nach klar, dass ich mein Auto wollte. Es war ein langsamer Prozess." Glück im Unglück: Der neue Besitzer des lückenlos dokumentierten, fachgerecht restaurierten 250 SL war ein Bekannter aus Mercedes-Liebhaberkreisen.
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Allerdings hatten die Preise für gute, unverfälschte W 113 mittlerweile scharf angezogen, und auch der sentimentale Wert des Familien-Sportwagens war dem neuen Besitzer bekannt – es entwickelte sich ein zähes, aber durchaus sportliches Ringen um das Auto.
"Der Matthias wusste, dass ich den SL wollte. Und ich wusste, dass er inzwischen auch einen 280 SL hatte und eigentlich keine zwei Pagoden brauchte. Ich musste ihn schon eine Weile überreden, mir das Auto zurückzugeben, und billig war es nicht", sagt Weber. "Im August 2020 habe ich den 250 SL zurückgeholt."
Andere Mercedes, wie etwa den 450 SE, den er 1978 selbst neu gekauft hat, hat Ralf Weber nie hergegeben – manchen Fehler macht man nur einmal! Der 250 SL, der Familien-Sportwagen, ist wieder da. Er ist zurückgekommen, um zu bleiben.
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