Jetzt, nach drei Jahren, beim dritten Teil unserer Serie über zurückgekaufte Autos (AUTO BILD KLASSIK 8/2020 und 5/2022), erinnert sich auch Kollege Tim Dahlgaard wieder: "Moment mal! Ich habe doch auch ein Auto zweimal gekauft. Mein Marbella Cabrio! Wann war das bloß?"
Wenn man als Testfahrer bei AUTO BILD den ganzen Tag in Neuwagen unterwegs ist, kann ein alter, schmalbrüstiger Seat leicht in Vergessenheit geraten. Damals, vor mehr als 20 Jahren, seien Größe und Leistung kein Problem gewesen, sagt Tim (41).
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"Ein Seat Marbella mit Faltdach war mein erstes Auto, und ob da ein Motor mit 34 oder 40 PS drinsteckt, ist eigentlich auch egal. Das Cabrio habe ich 2001 im Anzeigenblatt entdeckt. Es hat nur 750 Mark gekostet, war offen, und wir konnten damit nach dem Abi zu dritt auf Tour gehen." Alles passte.
Seat Marbella Cabrio
Der Gammel steckt dem Seat in allen Fugen, aber verloren ist noch nichts. Größtes Problem seit nun bald zehn Jahren ist der kapitale Motorschaden.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Vorher musste allerdings noch schnell ein Heckschaden repariert und ein neues Radio eingebaut werden. Die sauteure Stereoanlage, der Hauptgewinn einer Hi-Fi-Tombola, fehlte beim Kauf natürlich, die bekam das Marbella Cabrio erst später mit auf den Weg. "Marokko war eigentlich das Ziel, aber wir sind nur bis Barcelona gekommen. Da ging der Anlasser kaputt, und Ersatz war schon vor 20 Jahren in Spanien gar nicht so einfach zu bekommen. Für drei Leute und die Zeltausrüstung hat der Platz locker gereicht, und als wir noch zwei tschechische Models getroffen und mitgenommen haben, waren wir eben zu fünft im Marbella unterwegs."
Zurück in Hamburg wird der Seat im eigenen Fuhrpark schnell runtergereicht – irgendwann ist das Marbella Cabrio nur noch Dritt- und Viertwagen.
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"Ich hatte ein BMW 3er Cabrio, einen Mazda MX-5 und einen Peugeot 205 1.9 GTI mit Turboumbau", sagt Tim. "Was ein Unterschied!" Da tat sich das Einfachauto Marbella schwer. "2002 habe ich als Testfahrer angefangen. Der Umstieg von einem BMW 760i auf den 34-PS-Seat mit kaputtem Heizungszug, das war schon mühsam. 2003 habe ich das Cabrio wieder verkauft." Preis? Schulterzucken. Das kleine Cabrio hatte seinen Zweck erfüllt.
Seat Marbella Cabrio
Der 680 Kilo schwere Seat kommt gerade mal auf eine Leistung von 34 PS.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Und dann, rund zehn Jahre später, ruft Tims Vater an. "Der hatte beim Surfen im Internet die Anzeige entdeckt und war sich sicher, mein altes Auto wiedergefunden zu haben", sagt Tim. "Er hatte natürlich recht. Allein schon das Pink …" Inzwischen stand der Seat in Bremerhaven, kostete nur um die 750 Euro. Viel geändert hatte sich am Zustand nicht, sogar das Kunstlederverdeck in schrillen Neonfarben und Spuren einer Notreparatur waren vorhanden.

Motorschaden auf dem Heimweg

"Den Zündverteilerkontakt hatte ich 2001 irgendwo in Frankreich zusammengebastelt. Der funktionierte bei Abholung immer noch. Und hinten lag ein zweiter Motor drin, den ich da 2003 reingelegt hatte." Auf dem Heimweg verabschiedet sich kurz vor Hamburg tatsächlich der Motor vorn mit einem fiesen Geräusch; irgendwie schleppen sich Seat und Besitzer gemeinsam nach Hause.
Seat Marbella Cabrio
Nackig, aber praktisch: Wenn kein Teppich da ist, kann es darunter auch nicht rosten.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Danach verschwindet das Marbella Cabrio für über zehn Jahre in einer Halle in Schleswig-Holstein. Um jetzt, zum Finale unserer Geschichte, erstmals wieder rausgezogen zu werden. "Okay, die Tankuhr ist immer noch kaputt und der Kotflügel durchgerostet, aber viel dran zu reparieren, ist ansonsten nicht."
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Für den Motor hat Tim Ersatzteile besorgt, die Instandsetzung wird dieses Mal ein Freund erledigen – so viel Zeit wie mit Anfang zwanzig hat man mit vierzig einfach nicht mehr. "Vielleicht montiere ich ja wieder ein Surfbrett. War sinnfrei, sah aber cool aus." Die Erinnerungen kommen wieder.