Zu Beginn gleich ein Tritt gegen das Schienbein: "Warum Panzer bauen, wenn es keine Feinde gibt?", stichelte BMW in frühen Anzeigentexten für den ersten Siebener (Baureihe E23). Als ob der neue Ober-BMW ein zierliches Auto gewesen wäre. Okay, zehn Zentimeter kürzer als die wuchtige S-Klasse war er. Aber trotz seines eleganten Paul-Bracq-Designs begegnet uns ein autoritärer Typ – wenn auch mehr Jungdynamiker als Seniorchef. Glatte Flächen, dezentes Chrom und ein modernes Cockpit mit zum Fahrer hin angewinkelter Mittelkonsole zeugen vom Geschmack der BMW-Gestalter. Antiblockiersystem (Option ab 1979) und elektronische Einspritzung (Serie ab 1979) unterstreichen den hohen Anspruch der Münchener: Wir wollen endlich ganz nach oben!
BMW 728i
BMW 7er, das war schlichte Eleganz. Größe ohne Protz. Und Freude am Fahren.
In einem Punkt haben sie das geschafft: Im Vergleich zu seinen Konkurrenten benimmt sich der 728i souverän – wenn es um Fahrverhalten und gleichzeitigen Komfort geht. Nicht ganz so scharf abgestimmt wie ein Audi 200 und viel komfortabler nimmt der BMW die Herausforderungen an. Hohe Lenkpräzision, spontanes Einlenken, feinfühliges Ansprechen der Federung und großes Schluckvermögen vermitteln noch heute ein geradezu neuzeitliches Sicherheitsgefühl. Die Velourssitze helfen dabei: straffe Polsterung, viel Seitenhalt – die Leistungsträger an Bord werden nicht unnötig durchgeschaukelt, sondern ordentlich auf ihren Chefsesseln gehalten. Einzig die starke Seitenneigung in schnell gefahrenen Kurven stört den guten Gesamteindruck. Ein Sahnestück ist der Sechszylinder des 7ers. Er hängt giftig am Gas, dreht schwerelos hoch, klingt dabei kernig-kehlig und wird niemals aufdringlich.

Ich fahr' mit dir wohin du willst: BMW 528i Automatik

BMW 728i
Kein leichtes Auto, der 7er. Das Fahrvergnügen leidet unter der Seitenneigung aber nicht.
Dass er trotz bester Leistungsdaten (184 PS, 235 Nm) dennoch den Audi ziehen lassen muss, liegt am relativ hohen Gewicht des Autos, das kein Panzer sein wollte. Doch 1514 Kilogramm sind viel für eine 70er-Jahre-Limousine, da hilft das schnelle Viergang-Schaltgetriebe nicht wirklich weiter. Immerhin hält sich der Verbrauch in Grenzen – auch dank der modernen elektronischen Einspritzung. Den langen Bremsweg hat der BMW sicherlich seinen nicht mehr ganz jungen Reifen zu verdanken. Die ließen nicht weniger als 55,9 Meter aus 100 km/h zu. Wir werten das daher nicht, da ist mehr möglich. Mehr Platz hingegen kaum. Besonders im Fond trumpft der 7er richtig auf. Üppige Sitze, viel Beinfreiheit und reichlich Luft überm Scheitel verdienen das Prädikat Chauffeurs-Klasse. Dazu passt der üppige Kofferraum mit 640 Liter Volumen. Ein Wort zu den Gepäckräumen: Die Maßangaben der Hersteller differieren stark, es gab noch nicht die heute für alle verbindliche VDA-Messung nach Norm-Quadern. Die Werte sind für uns daher nur Anhaltspunkte, die Nutzbarkeit entscheidet mit. Und da punktet das BMW-Abteil: schön glattflächig, ohne verwinkelte Ecken. Schlichte Eleganz – die zeichnet den 7er aus. Er ist groß, ohne zu protzen. Und: Er ist ein sehr gut verarbeitetes Auto. Wer heute im 728 sitzt, versteht den Übermut seiner Werber.

Von

Jürgen von Gosen