Diese These ist gewagt: Im Grunde ist der BMW M5 der bessere 2002 turbo. Denn was die BMW Motorsport GmbH auf Basis der 5er-Reihe E28 auf die Räder gestellt hat, ist ein Urmeter aller Hochleistungs-Limousinen. Präsentiert wird der erste M5 im Herbst 1984 – und unterscheidet sich äußerlich nur durch dezentes Spoilerwerk, weiter ausgestellte Radläufe, eine leichte Tieferlegung und größere Räder vom Serien-Fünfer.
BMW M5
Der BMW M5 der Baureihe E28 taugt als Sportwagen ebenso gut wie als Alltagslimousine.
Bild: Sven Krieger
Im Vergleich zum 2002 turbo wirkt er wie ein austrainierter 100-Meter-Sprinter neben einem mit Anabolika vollgepumpten Bodybuilder. Sein Fahrwerk – vorn Doppelgelenk-Federbeinachse, hinten Einzelradaufhängung an Schräglenkern und Federbeinen mit Schraubenfedern – ist mit seinen Gasdruckstoßdämpfern vorn und hinten betont sportlich abgestimmt. Verzögert wird vorn mit innenbelüfteten Vier-Kolben-Festsattel-Scheibenbremsen, hinten mit Faustsattel-Scheibenbremsen. ABS ist Serie. Der aus dem M 635 CSi übernommene Hochdrehzahlmotor M88/3 mit elektronischer Benzineinspritzung und 286 PS – eine Weiterentwicklung des M1-Triebwerks – braucht keinen Turbolader. Er reißt den M5 auch ohne Hilfe nach vorn, als sei er von einem Katapult abgefeuert worden. Sitze? Bremsen? Fünfgang-Sportgetriebe? Ohne Fehl und Tadel. Die drehzahlabhängige Servolenkung vermittelt in jedem Geschwindigkeitsbereich hervorragenden Fahrbahnkontakt, das Handling der 1,5-Tonnen-Limousine ist besser als bei manchem Neuwagen.
Bayerische Blasmusik: BMW 2002 turbo

Alltagslimousine mit Sportwageneigenschaften

BMW M5
Der Motor ist nicht nur optisch ein Prachtstück. Er reißt den M5 auch ohne Turbolader nach vorne.
Bild: Sven Krieger
Biegen wir mal kurz von der Teststrecke ab. Es ist nämlich Zeit, die Kinder von der Schule abzuholen. Außerdem ist der Kühlschrank leer, also ab zum Supermarkt, ein Großeinkauf ist fällig. Ach ja, und morgen wollen wir zu viert Oma und Opa besuchen, die 500 Kilometer entfernt wohnen. Nein, wir sind jetzt nicht zu einem anderen Auto gesprungen. Solche langweiligen Alltagseinsätze sind vielleicht unter der Würde der meisten anderen Sportwagen. Der M5 meistert sie dagegen wie selbstverständlich, ohne dabei dick aufzutragen. Wer eine Protzuhr am Arm trägt und ein Smartphone hauptsächlich zur Stütze seines Selbstbewusstseins braucht, passt nicht zu diesem BMW. Was bleibt unterm Strich in der Gesamtwertung? Platz drei, noch vor M1 und 3.0 CSL! Der M5 nimmt's gelassen. Und diese Lässigkeit ist vielleicht sein größtes Talent.
Platz drei in diesem hochkarätigen Vergleich – damit schlägt der M5 der Baureihe E28 sogar den M1! Er taugt als Sportwagen ebenso hervorragend wie als Alltagslimousine. Wer Geld in einen guten und sorgfältig gepflegten M5 investieren will, macht nichts falsch.