Dante war’s. Nein, nicht der berühmte Verfasser der "Göttlichen Komödie". Dante Giacosa ist gemeint, Fiat-Entwickler von 1926 bis 1970, dem wir Autolegenden wie Topolino, Nuova 500, 1100, 124 und 130 verdanken. Ein genialer Konstrukteur – und stilsicherer Entscheider: Giacosa verantwortete die hochmoderne Trapezform für die große Baureihe 1800/2100. Die mit ihren Kanten auch den Vatikan in Versuchung führte: Der 2100 Special brachte es zum Dienstwagen der römischen Kurie.
Fiat 2100 Special
Schlanke Limousine mit stylisher Optik und einer irrwitzigen Menge an Chrom: Fiat 2100 Special.
Kein Wunder, der Luxus-Fiat lieferte alles, was ein Chefwagen der frühen 60er-Jahre brauchte: seriöse Optik, viel Platz auch im Fond, einen entspannten Sechszylinder (mit immerhin 86 PS) und Chrom, wohin das Auge blickt. Besonders hell strahlt die Front des Fiat, denn am Kühler betonen dicke Chrombalken die Waagerechte und lassen die Karosserie breiter erscheinen als sie ist. Das hat der Fiat auch nötig, denn zum pompösen Opel Kapitän P fehlen ihm stattliche 18 Breiten-Zentimeter, zum schlankeren Borgward P 100 auch schon zwölf. Innen größer zu wirken, als außen zu sein, das war schon immer die Devise der Turiner Entwickler. Dazu noch originelle und fortschrittliche Technik: halbkugelförmige Motor-Brennräume. Mit der Hand regulierbare Zündverstellung (falls mal nur Klingelwasser-Sprit erhältlich ist). Ein Heckscheiben-Defrostergebläse, Vorläufer der heizbaren Scheibe. Und später beim 2300 Scheibenbremsen rundum.

Mit einem Schuss Ferrari: Fiat Dino 2.4

Fiat 2100 Special
Welche Pracht: große Blinkerpfeile links und rechts, Informationsflut durch viele Instrumente und sogar einen Tageskilometerzähler hat der Fiat 2100 Spezial.
Nun endlich am links liegenden Zündschloss gedreht: Sirrend, als hätte er eine Ausgleichswelle, kommt der Reihensechser auf Touren. Der lange Schalthebel landet präzise immer im richtigen Gang. Wer es sportivo mag, der kann die Gänge unter lautem Dröhnen bis zu den erlaubten 45/75/105 km/h ausdrehen, wird dann aber mit Verbrauchswerten von weit über 13 Liter Super bestraft. Und Vorsicht: Bereits in den sechziger Jahren warnten Autotester vor den rubbelnden Bremsen und der direkten, aber sagenhaft schwergängigen Lenkung. Seltenes Altmetall wie diese Fiat-Preziose (nur 1174 Special-Exemplare wurden gebaut) verdient zarte Behandlung, obwohl das Temperament dagegen spricht. Doch die gediegene Fahrweise passt zur Vollausstattung von damals: Es gab ein Autovox-Radio (Aufpreis damals: 420 Mark), Weißwandreifen (120 Mark) und echtes Leder (1100 Mark). Wie sagte einst Immanuel Kant: Nichts ist göttlich, als was vernünftig ist. Dante hätte weise geantwortet, dass ein bisschen Überfluss ja nicht schadet.