Unterwegs im Ford Capri RS

Ford Capri wird 50: unterwegs im RS

Extratour zum 50. im Ford Capri RS

Seit 50 Jahren Kult! AUTO BILD feiert den legendären Ford Capri und dreht eine Runde durch Köln. Wie der faucht, röhrt und rotzt.
Wir hätten auch mit Capri-Sonne anstoßen können, und Olaf von den Flippers würde für uns das Lied von den Capri-Fischern singen: "Bella, bella, bella, Marie, bleib' mir treu, ich komm' zurück morgen früh." Aber dann wär's ein Kindergeburtstag, Topfschlagen und so. Freunde der gepflegten Tanzmusik: Wenn du 50 wirst, dann muss es krachen. Dann musst du laut sein, grölen, du darfst ruhig fauchen und rotzen, und du musst saufen, als gäb’s kein Morgen. In unserem Fall 15 Liter Super Plus.

Die ersten Capri rollten für 6995 DM auf den Markt

Erfolgsmodell: Die erste Capri-Generation verkaufte sich in Deutschland stolze 244.000-mal.

Happy Birthday, Ford Capri! Wir beamen uns zurück ins Jahr 1969, in den Summer of 69, und sagen es mit Bryan Adams: Es waren die besten Tage meines Lebens. Denn es waren Tage, als wir Oberarme hatten wie Kirmesboxer, dafür mussten wir nicht mal in die Mucki-Bude, nee, Capri fahren genügte. Wir wollen jetzt nicht wehleidig sein, aber wir müssen feststellen: Eine Runde durch Köln, einen Tag lang kurbeln, und obenrum zwickt’s so doll, dass du dich fragst: Wie zum Teufel habt ihr das früher ausgehalten? Na ja, war nicht überall ein fetter V6 drin. Als der Capri im Februar 69 zu den Händlern rollte, da scherzte der Volksmund: Große Schnauze, nix dahinter! Ford bot wirklich einen 1300er-Capri mit lächerlichen 50 PS an. Kostete zwar nur 6995 DM, schaffte aber auch nur 133 km/h, und als er endlich auf 100 kam (22,7 Sekunden), da war die erste Strophe der "Capri-Fischer" schon um.

Erst mit der RS-Variante wurde der Capri richtig sexy

Oranger Lack, mattschwarze Haube: Der Ford Capri ist eine Sportwagen-Ikone aus den 1970ern.

Nee, wir fahren Geburtstag im 72er-RS mit 2,6-Liter-V6 und 150 PS. Damit das mal klar ist: orangener Lack, aber mattschwarze Haube (ist gut gegen Sonnenblendung!) mit "Power-Buckel", der Ausbuchtung, unter den sie den Sechsender mit Kugelfischer-Einspritzanlage gesteckt haben. Wenn der mal stottert, dann holen sie die 70-jährigen Opas zurück aus der Rente, die können so was nach "Jeföhl" einstellen. Bei unserem ist es ein kölsches Jeföhl, der Kerl stinkt vorn nach Sprit und rotzt hinten die Funken der Freude raus; die schwarzen Partikel kleben auf dem Lack über den Endrohren links und rechts. Ist gut zu sehen, denn: Stoßstangen? Haben sie sich gespart. Dafür runde Doppelscheinwerfer eingebaut, tiefergelegtes Sportfahrwerk, Dreispeichen-Lenkrad, diese wunderbaren Cordsitze, die sie neulich erst neu bezogen haben. Den Stoff gab's natürlich nicht mehr, haben sie eben beim Handwerks-Ausstatter Cord für Zimmermannshosen gekauft, auf Maß nähen lassen. Und so fahren wir FORD – und würden am liebsten gar nicht wiederkommen.
Am Fähranleger stehen drei Kerle von der Stadt, sie tragen wie unser Capri Orange, einer schwärmt: "Ich hatte zwei davon, erst einen 1300er, dann einen 1700er." Seine Augen glänzen, als er sich die 50 und später 75 PS schönredet. Die erste Capri-Generation schlug ein wie eine Bombe. Vom Produktionsstart bis zur IAA im September 1969 waren schon 75.000 Modelle weg, insgesamt rollten bis 1973 von der ersten Capri-Generation 784.000 Exemplare vom Band, 244.000 davon blieben in Deutschland.

Unter der Haube sorgt ein 2,7-Liter-V6 für Betrieb

Symbolbild mit Kölsch: Unter der Haube versorgt ein 2,7 Liter großer V6 den RS mit 150 PS.

Welch ein Erfolg! Merkten übrigens auch die Beamten von VW und erfanden 1974 den Scirocco, fünf Jahre nach dem Capri, vier nach dem Opel Manta. Aber wir schweifen ab. Und stehen auf einmal vor Tausenden leeren Bierkästen auf dem Brauerei-Gelände von Früh Kölsch. Marketing-Mann Fabian, der mit Nachnamen ausgerechnet Veltins heißt, guckt auf den Capri und sagt: "Eines unserer kölschen Wahrzeichen, das andere ist aus dem Jahr 1248." Und weil sechs Bier immer besser sind als vier, schenken wir ein und bauen auf der Haube den Motor nach, bevor es zum Dom geht. Was der RS für einen infernalischen Lärm macht! Sportauspuff-Anlage mit Fächerkrümmer und zwei durchgehenden Endrohren, wenn du Gas gibst, bewerben sich sämtliche Haare auf deinen Armen um einen Stehplatz. Wir spurten in etwas mehr als acht Sekunden auf 100 km/h und müssen die 150 PS des Rallye Sport-Capri im geschichtlichen Kontext sehen: 1972, da lieferte VW die schärfste Variante des 1302-Käfer mit 50 PS aus.

Ein restaurierter Capri RS soll 82.000 Euro kosten

Diesen RS haben wir uns bei Ford geliehen. Wer einen kaufen möchte, muss viel Geld investieren.

Dieser Ford hat also die Kraft der drei Käfer, damals auch preislich. 15.800 Mark kostete so ein RS, 3532 der Super-Capri verkaufte Ford. Wie viele davon überlebt haben? Bei mobile.de keiner und bei autoscout24.de einer, der frisch restauriert 82.000 Euro kosten soll. 82-waaaas? Okay, gebraucht geht's schon unter 10.000 Euro los, aber dann sitzt du in so 'ner Karre, an der irgendwelche Spezialisten mal die V6-Haube mit "Power-Buckel" montiert und schwarz lackiert haben, du drehst den Schlüssel um, und die Leute gucken peinlich berührt beiseite. Nee, 60 PS kannst du auch 50 Jahre später allenfalls im Escort mit "Hundeknochen"-Grill akzeptieren. Und dann steht der RS an der Rheinpromenade, hinter uns der Dom, vor uns eine Dame von der Stadt. Klar, der Capri dürfe hier stehen, "ich mag den". Ja, war eben vieles besser früher, nicht alles. Der Kupplung zum Beispiel haben wir heute den Rest gegeben.
Und wenn Ford da jetzt einen der Schrauber-Opas aus der Rente holt, kann er gleich 'ne Servolenkung aus Probe oder Cougar einbauen. Das waren die Sportcoupés der 90er, die aber lange nicht an den Capri-Erfolg rankamen. Wie gesagt: Sorry wegen der Kupplung. Wir geben 'ne Runde Capri-Sonne aus. Und die Flippers-CD ist schon in der Post.

Autor:

Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.