"Das ist doch ein ganz normaler Golf", meinte mein Nachbar, als er den knallroten Syncro sah. Das hatte ich am Anfang auch gedacht. Denn erst auf den zweiten Blick lässt sich der jüngste Wolfsburger Allrad-Spross identifizieren. "Syncro" steht da auf schwarzem Grund, allerdings gleich viermal ringsum an der Karosserie verteilt. Dazu noch in der Heckscheibe und auf dem Deckel vom Handschuhfach. Der Golf, Deutschlands erfolgreichstes Auto, kommt jetzt also auch auf allen Vieren. Für permanenten Allradantrieb haben sich die Wolfsburger entschieden, allerdings anders als im Passat oder auch im Bus, wo mit einer Kraftzuführung von 50:50 für vorn und hinten gefahren wird.
Eine Visco-Kupplung übernimmt beim Golf die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. Und das alles stufenlos und ohne komplizierte Elektronik. Die Visco-Kupplung funktioniert so: 59 dünne Stahlscheiben liegen dicht beieinander, nur durch ein zähflüssiges Öl voneinander getrennt. Immer abwechselnd eine Stahlscheibe für den Antrieb der Vorderachse und eine für die Hinterachse. Drehen sich zum Beispiel die Vorderräder schneller als die hinteren, so bringen die schnell kreisenden Kupplungsscheiben über das Öl die langsamer drehenden Scheiben der Hinterachse auf Touren.
Automatisch fließt so die Kraft zu der Achse, die auf der Fahrbahn den besten Halt findet. Für mich als Fahrer bleibt da nur noch, aufs Gas zu drücken. Alles andere erledigt der Golf Syncro allein. Sicher bringt er mich über tückisches Glatteis, und auch in sandigen Kurven habe ich keine Angst mehr. Denn die Vorderräder meines ursprünglich frontgetriebenen Golf können nicht mehr so leicht ausbrechen. Ehe sie nämlich durchdrehen und seitlich wegrutschen, reagiert die Visco-Kupplung. Sie schickt einfach die überschüssige Kraft zur Hinterachse. Ich kann dadurch entspannt durch die knifflige Kurve steuern.