Im BMW 507 auf den Spuren des King
Elvis lebt!

Vor 50 Jahren kam der King of Rock'n'Roll als Soldat nach Hessen. Elvis Presley war der Held der deutschen Jugend. Sein Auto: ein weißer BMW 507. Doch es ist nicht nur der Roadster, der noch heute an Elvis erinnert. Eine Spurensuche im Sportwagen.
Ein kleines, rotes Herz aus Holz, keine fünf Zentimeter groß, steckt in einem Strauß Kunstblumen. Mit schwarzem Filzstift hat Uschi ihren Namen auf das Herz geschrieben. Das Gesteck hat Uschi vor die "Elvis-Stele" am "Elvis-Presley-Platz" in der "Elvis-Stadt" Bad Nauheim abgestellt. Eine Pilgerstätte, noch immer: Uschis Blumen stehen zwischen denen des Elvis-Stammtisches Ludwigshafen, einem mit Tesa-Film aufgeklebten Gruß "with all my love forever" und einer halben Marlboro, die jemand hier für den King deponierte. Für alle Fälle, man weiß ja nie. Wer auch immer diese Uschi sein mag, Elvis lebt in Uschis Herzen weiter. Und er lebt in den Erinnerungen von Rita Issberner-Haldane (85), "Elvis, dieser junge, höfliche Mann". Der Geist von Elvis Aaron Presley lebt in einer schummrigen Zweizimmer-Sozialwohnung im Osten Frankfurts, in der der alte Fotograf Mickey Bohnacker in seinen Schwarzweiß-Aufnahmen wühlt. Der King of Rock 'n' Roll lebt in den wachen Augen von Angelika Springauf (63), "Angela", wie Elvis Presley das Mädchen nennt, weil ihr Name für ihn ein Zungenbrecher ist. Und Elvis lebt weiter in dem weißen BMW 507, diesem seltenen, wundervollen Roadster, in dem der junge King durch Bad Nauheim rollt, hoch nach Friedberg in die "Ray Barracks", wo er seinen Militärdienst ableistet von Oktober 1958 bis März 1960.
Im Hotel Grunewald blühte der schüchterne King regelrecht auf
Ein halbes Jahrhundert später ist der 507 wieder da. Elvis aber, der größte Rockstar aller Zeiten, ist seit fast 31 Jahren tot. Doch von den anderthalb Jahren, die der GI Nummer 53310761 in Hessen verbringt, ist mehr geblieben als ein Gedenkstein, ein jährliches Fan-Treffen oder sein "Muss I denn ...". Elvis, dieser in den Erinnerungen der Menschen so höfliche, bescheidene, gepflegte junge Mann, veränderte das Bild Amerikas im Nachkriegsdeutschland. Eine Spurensuche im Sportwagen. Zögernd öffnet Rita Issberner-Haldane die schwere Holztür jener Villa, die bis 2007 noch das Hotel Grunewald war, und die am Elvis-Presley-Platz steht, der doch eigentlich nur eine Kurve ist. Die alte Dame lässt keine Fremden mehr ins Haus, aber der weiße alte BMW da draußen, der weckt Erinnerungen. Und da macht Rita mal eine Ausnahme. "Zimmer 10, zweiter Stock", sagt sie. Dort hat Elvis gewohnt, nachdem er aus dem Park Hotel ausgezogen war. Kein halbes Jahr zwar, aber lang genug, um Eindruck zu hinterlassen. "Der Elvis, der war doch eigentlich so schüchtern. Bei uns aber ist er richtig aufgeblüht." Rita gehört damals das Hotel zwar nicht, aber sie ist da, wenn er abends vom Dienst kommt, seinen BMW auf der Kies-Einfahrt parkt. "Dann setzte er sich auf das Sofa und redete mit uns über Gott und die Welt." Rita redet nicht mit, dieses Englisch halt. Er zieht aus, als seine Bodyguards, die in den Zimmern 14, 15 und 17 wohnen, mal wieder über die Stränge schlagen. "Elvis war das peinlich, ja, so war er." Sein Zimmer ist seitdem fast unverändert.
Mädchen schreiben mit Lippenstift Telefonnummern auf den Wagen

Bild: Alfred Harder
"Dieser Entenschwanz und die berühmtesten Koteletten der Welt müssen ab. Der Bursche braucht endlich einen vernünftigen Haarschnitt!" Das schreibt 1958 die "Deutsche Soldatenzeitung". Und Karl-Heinz Stein macht sich an die Arbeit. Stein ist jetzt 73 Jahre alt, so alt wie Elvis heute wäre. Auch Stein, der Einzige, den der Soldat Presley an seinen Kopf lässt, hat sich ein kleines privates Elvis-Museum eingerichtet. Nur Elvis‘ abgeschnittene Haare hat er irgendwann mal verschenkt. "35 Cent kostete ein Schnitt, Elvis gab immer einen Dollar", erinnert sich der Mann, der 37 Jahre lang die Haare von Amerikanern auf Army-Länge stutzt. Natürlich wird bei Elvis eine Ausnahme gemacht. "Der durfte die Haare drei, vier Zentimeter länger tragen." Das erste Mal sitzt der King "so um den 9. Oktober ’58" auf Steins Stuhl, der jetzt im Bonner Haus der Geschichte steht. Karl-Heinz-Stein schaut auf die Büste auf seinem Frisiertisch. "Der Elvis war ein unglaublicher Mann, mit ihm kam eine andere Welt in die Frisierstube. Diese Ausstrahlung, so ruhig und zurückhaltend, ganz anders als auf der Bühne." Auch der BMW 507 habe viel besser zu ihm gepasst als der Cadillac, den er anfangs fuhr. Der sei viel zu groß für ihn gewesen. "Aber der BMW – wie maßgeschneidert für diesen Mann."
Zeitungsfotograf Mickey war Elvis so nah wie kaum ein anderer
Zweimal pro Woche habe Elvis bei ihm auf dem Stuhl gesessen, sagt Stein. "Unfug", sagt Karl-Heinz "Mickey" Bohnacker. "Schlimm, was alles über meinen Freund erzählt wird." Mickey Bohnacker, mit 1,52 Metern genau 26 Zentimeter höher als der BMW, nennt sich "König der Liliputaner". Er war in den 50er-Jahren Zeitungsfotograf und im Frankfurter Raum tatsächlich ein kleiner König. Als die "Army Times" ihn buchte, war Mickey Elvis so nah wie kaum ein anderer. "Ich kam zur Goethestraße, klingelte. Elvis rief: Wer ist es? Sein Vater rief zurück: Es ist Mickey! Und Elvis: Lass ihn rein, bring ihm Bourbon und Cola, ich komm‘ gleich. Ja, ja, der Elvis und ich." Als Mickey Bohnacker, inzwischen 80 Jahre alt, hört, dass der alte BMW 507 auf dem Weg zu ihm nach Hause ist, zieht er einen uniformähnlichen Anzug von Ralph Lauren an, mit US-Flagge auf der Brust. Darüber, zum Schutz, ein hellblauer Trainingsanzug, Kindergröße. Um den Hals trägt er das Abzeichen von Elvis‘ Regiment, ein Geschenk des King. "Ich war ja der einzige Deutsche, der in der Kaserne ein- und ausgehen durfte."

Bild: Uli Sonntag
BMW 507: so schön, so selten

Bild: Uli Sonntag
Technische Daten BMW 507: Achtzylinder-V-Motor • Hubraum 3168 cm3 • Leistung 150 PS bei 5000 U/min • Hinterradantrieb • Viergang-Mittelschaltung • Bremsen: hydraulische Duplex-Bremse mit Servo (vorn), hydraulische Simplex-Bremse mit Servo (hinten) • Leergewicht 1220 kg • Höchstgeschwindigkeit 205 km/h • L/B/H 4380/ 1650/1260 mm • Bauzeitraum 1956 bis 1959 • Stückzahl 251 • Neupreis damals: 26.500 DM.
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