Mit einer Kunststoffkarosserie hatte Lotus beim Elite Erfahrungen gesammelt, jetzt fehlte noch ein Mittelmotor-Sportwagen. Mit französischer Unterstützung sollte der Europa die Käufergunst gewinnen.
Wolfgang König
Der Elite war fortschrittlich, aber er verdiente kein Geld. Sein Nachfolger, der Elan, machte Lotus flüssig, aber für viele war er zu teuer. Außerdem fand Colin Chapman, ein Mittelmotor-Sportwagen müsse her. Einer, der auf dem Festland neue Kunden aufspürte. Auftritt für den Europa, ultraflach (109 cm), extrem leicht (610 kg) und mit seinem Kastenheck äußerst skurril. Unter der Kunststoffkarosserie ein Kastenrahmen aus Blech, ähnlich wie im Elan, mitschiffs aber Hausmannskost aus Frankreich. Motor und Getriebe stammten vom Renault 16. Die erste Serie ab 1966 blieb für den Export reserviert, angesichts der vielen Mängel kein Fehler. Erst der verbesserte S2 von 1968 konnte auch den englischen Fans vorgesetzt werden.
Ultraflach und extrem leicht: Mit seinem Kastenheck sieht der Lotus Europa skurril aus.
Bild: Charlie Magee
Heute sind Originale selten. Und sie besitzen einen eigenen Charme. Um nicht stecken zu bleiben, muss der Einstieg sorgfältig geplant werden. Drinnen nimmt der Fahrer dann automatisch eine liegende Haltung mit gestreckten Armen ein, die klassische Jim-Clark-Position. Die Pedale liegen so eng zusammen, dass ein Fuß genügt, um alle gleichzeitig zu bedienen, doch wer nicht größer ist als Chapman (1,73 m), fühlt sich gut aufgehoben. Der Eindruck extremer Sportlichkeit indessen trügt. Der Renault-Motor brummt eher gemütlich, die Federung gibt sich erstaunlich schluckfreudig, und zum Lenken genügen sparsamste Handbewegungen. Mehr zum Reisen als zum Rasen, dieser Lotus.
Vorreiter & Nachfahre: $(LC528869:LotusEuropa S trifft seinen Ahnen)$