Es kam, wie es kommen musste: Weil der Renault-Motor das Talent des Lotus Europa kaum forderte, riefen die Liebhaber der englischen Sportwagen-Schmiede alsbald nach Zugabe: mehr Stoff, bitte.
Wolfgang König
Aber das dauerte – erst 1971 erlaubte Lotus-Firmenchef Chapman die Lösung, die von Anfang an auf der Hand lag: Der Twin-Cam-Motor wanderte aus dem Elan in den Europa. Hinzu kamen Leichtmetallräder, Retuschen im Innern und – das Erkennungsmerkmal – ein abgesenktes Heck. Das machte den Europa nicht schöner, aber übersichtlicher. Dann, im Jahr darauf in Form des Europa Special, noch ein paar Goodies mehr: 126 PS wie beim Elan Sprint sowie das Fünfganggetriebe des Renault 16 TX. Die fünf Gänge sind freilich derart schwer auffindbar, dass Schaltung sowie die giftige Kupplung zu Recht als Kardinalschwächen gelten – angesichts des serpentinenförmigen Schaltgestänges kein Wunder.
Der richtige Motor und die zahme Flunder verwandelte sich in die röhrende Taschenausgabe eines Supersportwagens.
Bild: Charlie Magee
Ansonsten offenbart der Lotus Europa einen markanten Charakterwandel: Die zahme Flunder verwandelte sich in die röhrende Taschenausgabe eines Supersportwagens. Das geringe Gewicht erlaubt es, im unteren und mittleren Tempobereich mit fast allem, was damals auf den Straßen anzutreffen war, mitzuhalten. Der Mittelmotor macht ihn extrem handlich, zum Lenken genügen die Fingerspitzen und kleinste Handbewegungen, Unter - und Übersteuern sind die meiste Zeit kein Thema. Sicher, als Elan-Ersatz war so ein Europa viel zu unpraktisch. Aber mit insgesamt 9230 Exemplaren reichte es auch ihm zum Erfolg.