Lotus Seven
Der glorreiche Sieben

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"Alles oder nichts!", lautete Colin Chapmans Devise. AUTO BILD KLASSIK erzählt die Entstehungsgeschichte des Lotus Seven.
Colin Bruce Chapman war alles andere als ein bürgerlicher Mensch. Er hatte zwar eine Anstellung bei British Aluminium, einen geregelten Tagesablauf mit Akten, Telefonaten und Konferenzen. Aber zum Glück auch einen wohlmeinenden Chef, denn zu besagten Konferenzen erschien Chapman meistens deutlich zu spät – und mit vom Fahrtwind zerzauster Sturmfrisur. Galt es doch, den während der Nachtstunden erreichten Fortschritt seiner neuesten Sportwagenkreation auf dem Weg zur Arbeit einem Praxistest zu unterziehen. Chapman wurde zur Legende – nicht nur bei British Aluminium wegen seiner tropfnassen Anzüge. Keiner, der nicht das Bild des schnauzbärtigen Briten vor Augen hat, wenn er den Namen Lotus hört.
Der erste Lotus entstand im Hinterhofschuppen

Bild: Stefan Lindloff
Der erste Lotus Seven wog nur 445 Kilogramm
Ebenfalls benachbarte Blechnerbetriebe fertigten die Karosserieteile des Lotus Seven an. Oft war Chapman selbst auch gar nicht anwesend, sondern entwarf an seinem heimischen Zeichenbrett die nächsten Streiche. Im Schuppen des "Railway" war hierfür kein Platz, außerdem hatte Chapman aus einem Desaster gelernt: Mäuse hatten die im Schuppen gelagerten und mühevoll angefertigten Konstruktionszeichnungen fast bis zur Unkenntlichkeit zernagt ... Was schließlich aus Chapmans Plänen und der ehrenamtlichen Hilfe der verschworenen Lotus-Geburtshelfer resultierte, war bahn- und manchmal auch knochenbrechend: Zunächst mit dem unzerstörbaren 1,2-Liter-Motor des behäbigen Ford Prefect ausgestattet, rannte der erste Lotus Seven bis zu 140 km/h Spitze und brauchte nur knapp 18 Sekunden für den Sprint von null auf 100. Gefühlt fehlte die 1 jedoch, denn das Wägelchen wog nur 445 Kilo.
Autofahren pur
Eine pure Fahrmaschine ohne Blinker, Scheibenwischer, Tankanzeige, Drehzahlmesser. Im sportwagenbegeisterten Großbritannien war es gang und gäbe, sich aus Einzelteilen diverser Hersteller einen Wochenend- und Freizeitrenner zu basteln – Chapman huschte mit dem Seven in diese Marktlücke, indem er den Seven für zunächst 536 Pfund (umgerechnet etwa 1500 Euro) als Bausatz anbot. Zwölf Stunden und keinerlei Vorkenntnisse brauche es, um den Seven zu komplettieren, versprach Chapman. Eine etwas optimistische Einschätzung, wie sich herausstellte. Unvergessen die Anekdote, wie ein Musiker den bestellten Seven auf seinem Dachboden zusammenbaute, um ihn anschließend fluchend wieder zu demontieren – das Wägelchen passte nicht durchs Treppenhaus.
Der Seven lebt noch heute in Form zahlloser Repliken

Bild: Stefan Lindloff
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