Mercedes 190 (W 201) mit V12

Mercedes 190 mit 6,0-Liter-V12

Unter der Haube dieses Mercedes 190 sitzt ein 6,0-Liter-V12 mit 424 PS. Das Projekt dauerte über drei Jahre. Jetzt ist der 190 mit V12 fertig!
Kleiner Mercedes, großer Motor: Haben Sie sich auch schon mal gefragt, ob der gigantische 6,0-Liter-V12 aus einer S-Klasse in den im Volksmund Baby-Benz genannten Mercedes 190 passt? Nicht? Nun, der Holländer Johan Muter hat sich genau diese Frage gestellt und auch gleich selbst beantwortet. Das Ergebnis ist ein Monster-190 mit über 400 PS und Straßenzulassung!

Über drei Jahre Bauzeit

Rückblick: Nachdem Johan bereits einen Subaru STI-Motor mit 350 PS in einen 1972er VW Käfer verpflanzt hat, hat er im Oktober 2016 einen neuen Plan: den kleinen Zweiliter-Vierzylinder mit Vergaser und gerade mal 90 PS aus einem 190er rauswerfen und dafür den gigantischen V12 (M 120) aus dem Mercedes W 140 in den Motorraum stopfen. Sein mehr als ambitioniertes Projekt dokumentiert er Schritt für Schritt auf seinem youtube-Kanal "JMSpeedshop". Ganz wichtig ist ihm dabei, dass der W 201 ein echter Sleeper wird und man dem kleinen Benz am Ende die Leistung nicht sofort ansieht. Die Ausgangsbasis bildet ein 1984er Mercedes 190 (W 201) mit rund 290.000 Kilometern auf dem Tacho, den Johan mehrere Jahre als Daily Driver genutzt hat. Bei dem 190er handelt es sich um ein frühes Baujahr, mit absoluter Schmalhans-Ausstattung – der Benz hat nicht mal elektrische Fensterheber. Einziges Extra ist das manuelle Schiebedach. Dafür ist der Wagen aber gut in Schuss, laut eigener Aussage hat der zu dem Zeitpunkt schon 32 Jahre alte 190er kaum Rost. 
Dazu kauft sich der Schrauber aus den Niederlanden einen Mercedes 600 SEL mit etwa 160.000 Kilometern auf dem Tacho, der als Spenderfahrzeug herhalten muss. Außer dem Motor will er die Antriebswellen, die komplette Hinterachse plus Teile der Bremsanlage und verschiedene Fahrwerkskomponenten vom W 140 an den W 201 anpassen. Als ob das nicht schon verrückt genug wäre, führt Johan den kompletten Umbau inklusive Motortausch in seiner eigenen Garage durch. 

Kaum Platz im Motorraum des 190

Selbst für erfahrene Mercedes-Spezialisten wäre es ein Mammut-Projekt, das monatelange Vorbereitung und Planung erfordert, doch Johan legt einfach los: Zuerst hebt er den gigantischen 6,0-Liter-V12 aus dem 600 SEL, anschließend den Vierzylinder aus dem 190er. Als die Motoren direkt nebeneinanderliegen, wird ihm klar, wie riesig der V12 tatsächlich ist. Also passt Johan den Vorderwagen des W 201 in mühevoller Kleinarbeit immer wieder an, schweißt und flext so lange, bis der M 120 genannte V12 endlich reinpasst. Allein dieser Vorgang dauert rund sechs Monate. Im nächsten Schritt modifiziert er den Kühler des 600 SEL bis er ebenfalls im Motorraum des 190er Platz hat. Das wiederum hat zur Folge, dass weder die original Stoßstange noch die Scheinwerfer passen. 
Doch Johan gibt nicht auf, improvisiert und tüftelt, bis er eine Lösung findet: Die originalen Scheinwerfer bekommen Löcher für die Ansaugung. Der Grund: Der Kühler ist so groß, dass er bis in die Scheinwerfer hineinragt und dort, wo sonst die Halogen-Birnen sitzen, einfach kein Platz mehr ist.

Die wichtigsten Umbauten auf einem Blick

Jeden einzelnen Schritt des Projekts an dieser Stelle zu beschreiben, würde den Rahmen sprengen, daher ein paar wichtige Fakten zum Umbau im Überblick:
● Basis: Mercedes 190 Baujahr 1984
● V12 aus einem Mercedes 600 SEL (W 140)
● Leistung auf dem Prüfstand: 424 PS und 585 Nm
● Lenkgetriebe vom Mercedes W 210 (komplett angepasst)
● Frontschürze von einem 1989er Mercedes 190 E (angepasst)
● Fünfgang-Automatikgetriebe (722.6) aus einem Mercedes CL 600
● Kardantunnel umgeschweißt, um Platz für das Getriebe zu schaffen
● BC-Gewindefahrwerk für einen BMW E36 an den 190 angepasst
● Radnaben vom Mercedes SL 500 (R 129)
● 18-Zoll-Felgen vom Mercedes S 600 (W 220)/CL 600 (C 215)
● Auspuffanlage kompletter Eigenbau mit Magnaflow X-Pipe
● Lederausstattung von einem 1987er 190 2.3 16V
Im November 2019 dann der Tag, auf den Johan über drei Jahre hingearbeitet hat: Der erste Motorstart  und der 190 mit V12 läuft! Doch damit nicht genug, Johan will kein Showcar, das per Anhänger von Treffen zu Treffen getrailert wird. Er will einen voll funktionalen 190er mit V12 und Straßenzulassung. Nur wenige Tage nach dem ersten Motorstart muss sich der kleine Mercedes mit dem großen Motor auf dem Prüfstand beweisen. Das Ergebnis: 424 PS bei 5300 U/min und 585 Nm bei 4800 U/min. Serienmäßig leistet der M 120 im 600 SEL 408 PS und 580 Nm. Die Mehrleistung erklärt Johan durch die optimierte Ansaugung und die neue Software. Interessanterweise hat er in einem Video, das er rund zwei Jahre vorher veröffentlich hat, gesagt, dass er 425 PS und 600 Nm erwarte. Quasi eine Punktlandung! Nach ein wenig Feintuning an der Abgasanlage bekommt der selbstgebaute Mercedes 190 mit V12 sogar die Oldtimer-Zulassung in Holland. 

Schafft der 190 wirklich 350 km/h?

Dass der kleine Benz kein reines Showfahrzeug ist, wird spätestens klar, als Johan mit dem 190er auf die Autobahn fährt, um Beschleunigungs-Zeiten zu messen. Mit nur 1415 Kilo Leergewicht ist der Baby-Benz rund 700 Kilo leichter als ein 600 SEL, und das wird auch bei der Beschleunigung deutlich: Von 100 bis 150 km/h benötigt der 190er gerade mal etwa vier Sekunden, von 100 bis 200 km/h vergehen rund elf Sekunden. Und auch über 200 km/h marschiert er brutal, dank langer Übersetzung legt die Automatik den fünften Gang erst bei 250 km/h ein. Laut Johan sollen theoretisch bis zu 350 km/h Topspeed möglich sein. 
Im nächsten Schritt will Johan den W 201 noch neu lackieren lassen, übrigens einer der ganz wenigen Schritte, die er nicht selbst in seiner Garage durchführt. Danach ist der 190er mit V12 fertig. Nach dreieinhalb Jahren Umbau, unzähligen Problemen und 44 youtube-Videos zu diesem einzigartigen Projekt. 

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