Als fiese Spielverderber verraten wir gleich zu Beginn: Hier fährt der Sieger vor! Der Mercedes 280 SE Coupé 3.5 wedelt hasenartig um die Pylonen (auch wenn das Lenkrad viel zu dünn ist und groß wie in einem Omnibus), er beschleunigt und bremst am besten, Stil und Qualität sind spitze, vom Nimbus des Sterns gar nicht zu reden. Das Coupé der Heckflosse W 111 aus den 60ern, dem die Flossen zum Wohle der zeitlosen Eleganz gestutzt wurden, trägt in unserem Fall den feinsten Motor im Stall, den 3,5-Liter-V8, der kein bisschen amerikanisch-hemdsärmelig bollert, sondern stattdessen nobel wie ein Sechszylinder singt.
Mercedes 280 SE Coupé 3.5
Das große Mercedes-Coupé 280 SE 3.5 tanzt recht gelenkig um die Hüte, im Vergleich zumindest.
Die ästhetischen Ideale der Deutschen änderten sich um in den sechziger Jahren: Man mochte schlichtes Braun-Design und großfenstrige Bungalows, die lichte Badewanne von Ford, die Neue Klasse von BMW und natürlich die Heckflossen-Limousinen von Mercedes, die allerdings im Vergleich noch streng und zugeknöpft aussahen. Ganz anders das Coupé. Es hat große Glasflächen und schlanke Dachpfosten, das heißt: In der Mitte hat es gar keinen. Die rahmenlosen Seitenscheiben überlappen sich, ohne zu klappern und zu reiben. Die vorderen senken sich elektrisch, im Testwagen altersbedingt im Schneckentempo. Hinten muss gekurbelt werden. So entsteht eine durchgehende seitliche Öffnung. Der V8 hatte mit seinen dreieinhalb Litern für deutsche Verhältnisse frivol viel Hubraum, über den unsere ausländischen Konkurrenten jedoch nur milde lächeln können. Keine 400 Kubik pro Topf, da passt ja gerade ein kleiner Zierkaktus rein! Aber, das freut den Schwaben, der Hubraumzwerg vernascht die illustren Gegner nach Strich und Faden. 9,2 Sekunden auf 100, das ist selbst heute noch ein exzellenter Wert. In Kurven stürzt sich der Benz mit Heldenmut. Beim Elchtest schaukelt er gehörig in den Federn, bleibt aber stur in der Spur und sagt dem Rest der elitären Luxus-Welt Winkewinke. Er ist ja auch viel kompakter und leichter.
Ähnlich bestechend wie das Fahrgefühl ist der Qualitätseindruck: dieses wundervoll honigfarbene Leder, die herrlichen Holzvertäfelungen, das Lametta außen mit doppelten Chromstoßstangen – alles atmet noch entfernt den Glamour der 300-S-Ära. Kein Wunder, dass der manufakturhaft gebaute Mercedes heute über 100.000 Euro wert und so mit Abstand der teuerste Kandidat unseres Auto-Quartetts ist, sogar teurer als der Rolls-Royce Corniche, der als Neuwagen das Fünffache kostete.

Fazit

David schlägt die Goliaths: Der Mercedes 280 SE Coupé ist zwar das kleinste und leichteste, aber auch das harmonischste Auto im Vergleichstest und sein Stil ist den Deutschen vertrauter als der der Überseeware. Als Einziger hier bringt er auch in Kurven Spaß. Er ist zudem der Schnellste und Sparsamste – aber auch der Teuerste.