Mit der Vierventiltechnik zog Sportlichkeit in die gehobene Mercedes-Mittelklasse ein. Ein T-Modell mit Dreiliter-24V-Motor ist ein ausgesprochen seltenes Vergnügen.
Huch! 220 PS bei 6400/min, maximales Drehmoment bei 4600 Umdrehungen und ein eng gestuftes Fünfganggetriebe mit erstem Gang unten links. Mercedes-Käufer, die im Vergleich zum 300 E rund 7200 Mark Aufpreis für Vierventiltechnik und 40 Mehr-PS bezahlten, mussten sich umgewöhnen. Der kommode 124 wollte auf einmal wie ein Sportwagen gefahren werden. Das alles überforderte Tester und Kundschaft, auch der harte Motorensound im oberen Drehzahlbereich wurde kritisiert.
Der Mercedes 300-24 ist längst nicht so rau, anstrengend und überzüchtet, wie heute noch gern erzählt wird.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Der Ruf des ingeniösen, aber unharmonischen Technologieträgers hängt dem 300 E-24 heute noch an. Im Gegensatz zu den heißen 16V-Typen der 190-Baureihe hat der erste Vierventiler im 124 keine große Fangemeinde. Er ist selten – aber nicht gesucht. Was bei Cabriolet und SL geschmackssicher zum dynamischen Äußeren passt, stellt im S 124 die größtmögliche Ausnahme dar: T-Modell, Sportmotor, Sportline-Ausstattung und Vierstufenautomatik. Seltener geht es nicht. Leider wirkt die Kombination unharmonisch. Erst bei hohen Drehzahlen – ein typischer Wesenszug früher Vierventil-Konstruktionen – ruft der Sechszylinder mit verstellbarer Einlassnockenwelle sein ganzes Potenzial ab. Oberhalb von 4000 Touren dreht der M 104 dann richtig auf, jubelt nach oben, klingt sportlich, aber nie störend, wie oft kolportiert. Doch der Automat greift mit frühem Hochschalten ein und spielt nur bei Kick-down unwillig mit.
Hinten ist das T-Modell mit viel Platz und Doppelrollo äußerst familienfreundlich.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
So dümpelt der 300 TE-24 meist in einem Drehzahlbereich herum, der ihn gehemmt und kraftlos wirken lässt. Thema und Anspruch verfehlt. Schade! Dafür bietet das Sportline-Paket (Limousine: Code 952, T-Modell: 953, Option ab 9/1989) ein Plus an fein dosierter Sportlichkeit. Das härter gedämpfte und gefederte Fahrwerk mit 22 mm Tieferlegung, serienmäßigen 7x15-Zoll-Alus ist straff, ohne bockig zu sein, und bequem, ohne wattig zu wirken. Dank der sportlicher profilierten Vordersitze mit aufpreisigem Rindslederbezug und der kleinen Wischerchen unter den Scheinwerfern sieht das T-Modell sogar ein wenig nach 500 E aus. Dem eifert unser Test-300er auch in der Ausstattungsfülle nach – mit Schiebedach, Klimaanlage, Tempomat, Wurzelnuss-Dekor und elektrischen Sitzen nebst Sitzheizung. Praktischer, exklusiver und eigenwilliger geht es kaum. Zumindest beim klassischen T-Modell.
Der 300-24 ist längst nicht so rau, anstrengend und überzüchtet, wie heute noch gern erzählt wird. Sportfreunde kommen mit dem hochtourigen Sechszylinder auf ihre Kosten, allerdings sollte dann ein Schaltgetriebe an Bord sein. Aufgrund seiner Seltenheit hat so ein voll ausgestatteter 300 TE-24 Sportline das Zeug zum Sammlerstück.