Früher galt bei Daimler noch das geschriebene Wort. Oder besser: die ehrliche Zahl. Was draufsteht, ist drin: 200, 300, 300-24, 500. Beim W 124 passt die Typbezeichnung immer zur Hubraumgröße, nur den 400 E haben die Mercedes-Strategen kleingerechnet – und zogen dem 4,2 Liter großen V8 auf dem Heckdeckel 200 Kubikzentimeter ab. In der Nomenklatur der W 124-Familie klang 400 E einfach stimmiger, E 420 durfte er sich erst ab Herbst 1993 nennen.
Mercedes E-Klasse 400 E
Der 400 E ist klassenlos, solide gebaut, bietet viel Platz, hohen Komfort und dank V8 auch noch richtig schnell.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Als "Understatement-Typ" bezeichnete ihn Mercedes-Benz und meinte maximale Unauffälligkeit. Mit Radkappen, "Ein Herz für Kinder"-Aufkleber und im Rentner-Farbton Rauchsilbermetallic wäre er mühelos als 200 D durchgegangen, trotz Auspuff mit doppeltem Endrohr. Im Gegensatz zum breitschultrigen 500 E setzte der 400 E nur technische Akzente. Das wichtigste Argument des 400 E war und ist seine Nähe zur Basis. Er tritt gediegen auf, weckt keinen Neid. Und wo der 500 E den Sport betont, gibt sich das kleine V8-Modell in erster Linie bequem. Wer ihn nicht tritt, erlebt seine Stärke auf beiläufige Art – ein ganz spezieller Reiz. Der zurückhaltend summende, mühelos losziehende V8, Automatik, Tempomat und Klimaanlage machen ihn zum idealen Begleiter für Vielfahrer. Kurioserweise hätte der 279 PS starke 400 E sogar das Zeug dazu, das 326 PS starke Topmodell 500 E auf der Autobahn zu überholen.

Klassiker mit Achtzylinder: Deutsche V8-Legenden

Mercedes E-Klasse 400 E
Der 279 PS starke 4,2-Liter-V8 macht den 400 E nicht zum Sportwagen, aber zum perfekten Autobahn-Brenner.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Weil die Ingenieure jedoch den Verbrauch im Auge hatten, fährt der 4,2-Liter mit langer Übersetzung vor, nur die Elektronik beschränkt die Spitze auf stattliche 250 km/h. Er könnte locker noch schneller. Als Antwort auf Lexus GS und BMW 540i war er konzipiert und als sozialverträgliche Alternative zur S-Klasse beworben worden. Als großer Mercedes im Mittelklassekleid, als Auto für Erfolgreiche, die ihre Verdienste nicht öffentlich zeigen wollten. Es waren Menschen wie jener Schweizer Erstbesitzer, der seinen 400 E vor 20 Jahren in Anthrazitmetallic und allen Ernstes mit MB-Tex-Kunstleder im Farbton "Champignon" bestellte. Dazu orderte er Gummimatten für den Fußraum. So vermittelt selbst das Achtzylinder-Modell mit leisem Kunstleder-Knarzen jenes vertraute Taxi-Gefühl, das jeder W 124-Limousine innewohnt. Das kleine V8-Modell kostete damals 92.340 Mark. Heute reichen rund 10.000 Euro, um dem begehrten, aber fast dreimal so teuren 500 E auf den Fersen zu bleiben.
Der 400 E vereint, über den Vergleich hinaus, die besten Zutaten der Baureihe in sich: Er ist klassenlos, solide gebaut, bietet viel Platz, hohen Komfort und ist dank V8 auch noch richtig schnell. Und er notiert niedriger als die meisten Coupés, Cabrios und der große Bruder 500 E. Wie lange wird er wohl noch so billig sein?